Dauer

3.10.26, 14:00 - 18:00

Sprache

Deutsch, Englisch, Spanisch

Eintritt

Frei

Info

Dieses offene Schreibformat setzt sich mit der facettenreichen Bedeutung von Mothering auseinander, sowohl in Bezug auf persönliche, biografische Perspektiven als auch auf planetarischen Verflechtung. Mothering wird hier als Praxis verstanden, die sich zwischen und über alle Lebensformen erstreckt. 

In Bezug auf Tomás Saracenos Spinnen- und Netz-Kosmologien, interspecies Sensing und atmosphärische Verflechtungen fragen wir, welchen Raum Mothering heute einnehmen kann als soziale und politische Praxis ebenso wie als Form der ökologischen Auseinandersetzung mit der Welt.

Die Spinne und ihr Seidenfaden dienen als Beispiel für interspezifische Ko-Evolution: Die Seide ist nicht bloß passives Material oder Werkzeug, sondern eine aktive Schnittstelle, über die sich die Spinne zur Welt in Beziehung setzt. Im Laufe der Zeit haben sich Spinne und Seide gemeinsam entwickelt, und heute können Spinnen mindestens sieben verschiedene Seidenarten produzieren, von denen jede einem bestimmten evolutionären Zweck dient.

Netze entstehen langsam, oft unsichtbar, Faden für Faden. Ihr Werden folgt anderen Rhythmen als linearer Produktivität. Was bedeutet es, Zeit als Netz zu denken? Und was lässt sich daraus über Mothering und die oft unsichtbare, kontinuierliche Arbeit des Sorgens ableiten?

Spinnennetze werden dabei zu einer Denk- und Schreibfigur: fragile Geflechte gegenseitiger Abhängigkeit.
Saracenos Aerocene eröffnet einen Denkraum zwischen Körper, Umwelt und Zukunft.
Das Teilen der Atmosphäre erweitert unser Verständnis des Gemeinsamen vom ersten Atemzug an, über die Luft, die Körper miteinander teilen, bis hin zu Umweltgiften, die zwischen Generationen weitergegeben werden.

Dieses Schreibformat greift auf bestehende Stimmen zurück, die über Mothering geschrieben haben, und setzt sich mit ihnen auseinander etwa Maternidades Subversivas, Iman Mersal, Rana Issa, Audre Lorde und andere. Aus der Verschränkung mit den Worten anderer entstehen neue Schreibformate, die erkunden, welche Bedeutung Mothering heute annehmen kann welches politische Potenzial birgt Mothering als soziale Praxis?

Anmeldung per E-mail an sangmongkhon@hausderkunst.de

Mothering – Subversive Fürsorge als radikale Praxis, Cover. Foto: Mako Sangmongkhon.


Dr. Carolina Tamayo Rojas ist eine südamerikanische Migrantin aus Cali, Kolumbien, mit afro- und indigener Wurzeln, Queer-Feministin, Anarka-Punk-Musikerin und Aktivistin gegen Rassismus und rassistische Polizeigewalt. Als Elternteil eines 4-jährigen Kindes und älteste Tochter einer alleinerziehenden Mutter bewegt sie sich zwischen Fürsorge, Widerstand und Wissensproduktion. Sie lehrt an der Alice Salomon Hochschule Berlin zu Gender, Queer Theory und Empowerment und Powersharing.

Epona Hamdan ist Kulturvermittlerin und lebt in Berlin. Sie arbeitet als Produzentin und Forscherin für wissenschaftliche, digitale und mediale Praktiken am Haus der Kulturen der Welt (HKW) und verfolgt darüber hinaus eigenständige kuratorische und forschungsorientierte Projekte in künstlerischen und interdisziplinären Kontexten. Ihre Arbeit umfasst kosmotechnische Fragestellungen, kritische Theorie und verkörpertes Wissen und untersucht Schnittstellen zwischen künstlerischer Praxis, Wissenschaft und spekulativem Denken im Zusammenhang mit neuen Technologien. Sie hat Programme für das Oktoberdans Festival (Bergen), die Spore Initiative (Berlin), die Free Home University (Lecce) und das SPIELART Festival (München) kuratiert und mitentwickelt sowie eigenständige Projekte in Berlin und online realisiert.

Aadhi Avrina, geboren 1992 in Tamil Nadu, lebt und arbeitet in Berlin. Er schreibt Orte, Wesen und Zeiten. Besessen von Erinnerungen, die durchdringen und sich entziehen, oft aus der Kindheit, ist Avrinas Schreiben eine Ebbe und Flut, die charakteristisch ist für seine Sehnsucht nach dem Meer. Avrinas Geschichte gewann den Short Fiction / University of Essex International Short Story Prize 2021 und seine Arbeiten wurden für den Indiana Review Fiction Prize, den Berlin Writing Prize, den Desperate Literature Short Fiction Prize und weitere nominiert.

Zum Buch:
Mothering – Subversive Fürsorge als radikale Praxis ist eine Einladung und zugleich eine Forderung: Mothering als politische Praxis ins Zentrum gesellschaftlicher Auseinandersetzungen zu rücken. Denn Formen der Fürsorge, des Teilens und des Sich-Kümmerns sind keine Nebenschauplätze, sondern subversive, radikale Praktiken, auf die Gesellschaft nicht verzichten kann und darf. In diesem Band versammeln sich Stimmen, die Mothering in seiner Pluralität sichtbar machen – als gelebte, widerständige und zutiefst politische Praxis. Zwischen Gedichten, theoretischen Reflexionen, Gesprächen und Bildern entfaltet sich ein vielstimmiges Gewebe aus Erfahrungen von Mothering und Nicht-Mothering, von Care, Verantwortung und Widerstand. Das Buch lenkt den Blick auf die oft unsichtbaren Realitäten von Fürsorge und fragt nach den Möglichkeiten, Mothering jenseits hegemonialer, vergeschlechtlichter und kolonial geprägter Normen zu denken. Mothering erscheint hier als Form der Wissensweitergabe und als gegen-epistemische Praxis, die in Beziehungen, Gesten, Routinen und Geschichten weiterlebt. In diesen Verflechtungen liegt das Potential von Transformation: die Imagination anderer Zukünfte, in denen Fürsorge, Beziehung und Bildung zu Orten der Veränderung werden.

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