Jenna Sutela. The making of the HMO Fountain. 2022. Foto: Joseph Kadow

Jenna Sutela. HMO Nutrix

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In ihren Skulpturen, Videos und ihrer Musik arbeitet Jenna Sutela (1983, Turku, Finnland) mit biologischen und computergestützten Systemen, wie dem menschlichen Mikrobiom oder künstlichen neuronalen Netzen. Sutelas prozesshafte Arbeiten stützen sich auf die neueste wissenschaftliche Forschung und reflektieren deren gesellschaftspolitische Konsequenzen. Neben Hard- und Software verwendet die Künstlerin auch Wetware – organische Materie durch die Linse der Informatik betrachtet – um die Welt jenseits der menschlichen Wahrnehmung zu erkunden.

HMO Nutrix, 2022 ist ein Springbrunnen mit synthetisch hergestellter Muttermilch. Er wird von Milchpumpen angetrieben und mit biomimetischem Kehlkopfgesang animiert, der das Geräusch von sprudelnder Flüssigkeit nachahmt. Die Künstlerin beschreibt die Skulptur als einen „Live-Milk-Feed“. Die Arbeit reflektiert über Körperflüssigkeiten, die menschliche und nicht-menschliche Lebensformen verbinden. Konkret nutzt die Künstlerin spezielle Zucker aus der Muttermilch, Humane Milch-Oligosaccharide (HMOs), welche wie kleine Lebewesen die Darmbakterien von Säuglingen ernähren und die Entwicklung ihres Nervensystems positiv zu beeinflussen scheinen. In naher Zukunft könnte ihre bewusstseinsverändernde Wirkung auch für Bakterientherapien eingesetzt werden, und die Muttermilch aus dem Labor erleichtert gleichberechtigten Zugang zu dieser symbiotischen Verbindung zwischen Gehirn, Darm und Brust.

Wissenschaftler*innen bezeichnen den Darm aufgrund seiner symbiotischen mikrobiellen Kulturen auch als das zweite Gehirn. Die Verbindung zwischen Darm und Gehirn kann als eine Art des fühlenden Bewusstseins jenseits des Denkens beschrieben werden. Der menschliche Körper ist demnach durch die Nährstoffe und Organismen in seinen Flüssigkeiten mit anderen Körpern und seiner Umgebung verbunden. HMO Nutrix, 2022 fördert eine Verbindung unter und zwischen den Arten; vielleicht auch zwischen organischen und synthetischen Wesen.

Produziert in Zusammenarbeit mit der Schering Stiftung Berlin.
Kuratiert von Sarah Johanna Theurer.


HMO Nutrix, 2022 eröffnet das Symposium zu der Ausstellung „Fujiko Nakaya. Nebel Leben“. Die Skulptur ist zudem eingebettet in die Veranstaltung Technobodies – ein langes Wochenende mit öffentlichen Veranstaltungen, die in Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und dem Museum Brandhorst konzipiert wurden. Technobodies legt den Fokus auf den Einfluss neuer Technologien auf die bildende Kunst und Musik. Ausgehend von Diskursen der 1960er- und 1970er-Jahre, untersucht Technobodies die heutigen Beziehungen menschlicher Körper zu Technologie(n).

Während des Symposiums wird Sutela ein Video präsentieren, das den Rechercheprozess zu der Arbeit HMO Nutrix beleuchtet. Das Bildmaterial, poetische Darstellungen einer Simulation des mikrobiellen Ökosystems des menschlichen Darms, wurde an der Universität Kopenhagen aufgenommen. Das Video ist eine Zusammenarbeit von Sutela mit Diakron/Primer (Kopenhagen).

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