Jenna Sutela (1983, Turku, Finnland) arbeitet mit biologischen und computergestützten Systemen, darunter das Mikrobiom und künstliche neuronale Netze, um Skulpturen, Videos und Musik zu schaffen. Ausgehend von wissenschaftlicher Forschung und deren philosophischen Implikationen sind Sutelas Arbeiten oft prozessorientiert. In ihren Projekten nutzt sie „Wetware“ (organische Materie aus der Perspektive der Informatik), Hardware und Software, um die Welt jenseits unserer Wahrnehmung zu erforschen.

„HMO nutrix“ (2022) ist ein Springbrunnen aus synthetischer Muttermilch, der von zerlegten Milchpumpen angetrieben und durch biomimetische Klänge zum Leben erweckt wird. Die Künstlerin beschreibt die Skulptur als „Live-Milchfütterung“. Das Werk reflektiert über Rückkopplungsmechanismen zwischen verschiedenen Lebensformen, die durch Körperflüssigkeiten miteinander verbunden sind. Die Flüssigkeit in der Skulptur enthält Humanmilch-Oligosaccharide (HMOs), wirkungsvolle Zucker, die die Darmbakterien von Babys ernähren und offenbar die Entwicklung des Nervensystems beeinflussen. In naher Zukunft könnten ihre neuroaktiven Wirkungen therapeutisch genutzt werden, und sobald Milch im Labor gezüchtet werden kann, könnte jeder Zugang zur Brust-Darm-Gehirn-Achse erhalten.

In ihren Arbeiten beschäftigt sich Sutela häufig damit, wie unsere symbiotischen Mikroben die Grenzen des Bewusstseins erweitern, und stellt den Körper als ein von gegenseitiger Abhängigkeit geprägtes Umfeld dar, durch das sich andere Organismen und Nährstoffe bewegen kann. Damit weist sie auf Gemeinsamkeiten zwischen Körpern und Arten hin.

Produziert in Zusammenarbeit mit der Schering Stiftung Berlin.
Kuratiert von Sarah Johanna Theurer.


HMO Nutrix, 2022 eröffnet das Symposium zu der Ausstellung „Fujiko Nakaya. Nebel Leben“. Die Skulptur ist zudem eingebettet in die Veranstaltung Technobodies – ein langes Wochenende mit öffentlichen Veranstaltungen, die in Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und dem Museum Brandhorst konzipiert wurden. Technobodies legt den Fokus auf den Einfluss neuer Technologien auf die bildende Kunst und Musik. Ausgehend von Diskursen der 1960er- und 1970er-Jahre, untersucht Technobodies die heutigen Beziehungen menschlicher Körper zu Technologie(n).

Während des Symposiums wird Sutela ein Video präsentieren, das den Rechercheprozess zu der Arbeit HMO Nutrix beleuchtet. Das Bildmaterial, poetische Darstellungen einer Simulation des mikrobiellen Ökosystems des menschlichen Darms, wurde an der Universität Kopenhagen aufgenommen. Das Video ist eine Zusammenarbeit von Sutela mit Diakron/Primer (Kopenhagen).

In Zusammenarbeit mit

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