Eine prototypische Creative R&D-Initiative
Das Haus der Kunst lädt Digitalschaffende und Kreative aus der interdisziplinären Praxis ein, an der ersten Ausgabe von HausCode teilzunehmen – einem neuen Prototyp für kreative Forschung und Entwicklung.
Prägend für die Vision hinter seinem Programm, welches neue Linien in der zeitgenössischen Kunstgeschichte zieht und einzelne Projekte zu einer kohärenten, sich über die Zeit entwickelnden Erzählung verwebt, hat das Haus der Kunst es sich zur Aufgabe gemacht, Werke zu präsentieren, die das Publikum in tiefe Bedeutungssysteme einladen – einige sichtbar, andere verborgen, manche erst wirksam durch Zeit oder Wiederholung.
HausCode möchte diesen Ansatz erweitern, indem es digitale Reaktionen ermöglicht, die sich mit diesen zugrundeliegenden Strukturen auseinandersetzen, sie neu interpretieren und so einen neuen Kontext für das Verständnis unserer zunehmend digitalisierten Welt schaffen.
Der erste Zyklus ist der Ausstellung „Für Kinder. Kunstgeschichten seit 1968“ gewidmet. Sie präsentiert Kunstwerke, die explizit für Kinder konzipiert wurden, und begreift Kindheit als einen Raum, in dem Formen des Lernens und institutionelle Funktionsweisen neu verhandelt werden.
Der Open Call richtet sich an ein vielfältiges internationales Bewerber*innenfeld und ermutigt zu unkonventionellen Formen der Auseinandersetzung mit dem Programm. Eine persönliche Anwesenheit vor Ort ist nicht erforderlich.
Drei Konzepte werden ausgewählt und zur Weiterentwicklung im Rahmen eines (zeitlich) konzentrierten, forschungsgeleiteten Prozesses beauftragt. Die Ergebnisse werden im Mai 2026 online präsentiert.
Was ist HausCode? Die Institution als Avatar
HausCode ist eine experimentelle, jährlich stattfindende Initiative. Digitale Praktiker*innen arbeiten mit – und antworten auf – die Erzählungen, die sich durch das künstlerische Programm des Haus der Kunst entfaltet.
HausCode lädt Kreativschaffende aus unterschiedlichen Bereichen dazu ein, das Programm zu „verkörpern“ – als sensorische Erweiterungen und interpretierende Akteur*innen. Sie agieren nicht als bloße Illustrator*innen kuratorischer Ideen, sondern als eigenständige Instanzen, die die Logiken und Narrative der Institution von innen heraus entschlüsseln, hinterfragen oder neu imaginieren. Die Mitwirkenden erhalten exklusive Einblicke hinter die Kulissen der Ausstellungen und Vision des Haus der Kunst. Sie sind eingeladen, die verborgenen Strukturen, Codes und Rituale, die seine künstlerische und institutionelle Praxis prägen, offenzulegen und neu zu deuten.
Die kreativen Beiträge dienen schließlich als Forschungs- und Interpretationsinstrument, das als konzeptueller Avatar des Haus der Kunst fungiert: eine generative Identität, die sich mit jedem Zyklus erweitert und fortentwickelt – geformt von den Personen, die sich mit ihr auseinandersetzen.
Erstes Jahr: „Für Kinder“
In dieser ersten Ausgabe nimmt der Avatar Gestalt an, anhand der Fragen, die „Für Kinder“ aufwirft: Wie wird Kindheit von Institutionen gedeutet? Welche Vorstellungen von Kindheit werden hierbei geschützt, vermittelt oder imaginiert und wie formen kulturelle Systeme, was Kindheit sein, wissen und tun kann? Durch Kunstwerke, die für Kinder entwickelt wurden, untersucht die Ausstellung, wie diese Rahmenbedingungen Lernen, Wahrnehmung und institutionelles Verhalten beeinflussen. Die Ausstellung hebt Kindheit als komplexes kulturelles Feld hervor – zart, politisch, fantasievoll und geprägt von institutionellen Systemen. Um sich mit der Ausstellung vertraut zu machen, können Sie gerne unsere Social-Media-Kanäle und den online verfügbaren Ausstellungsfilm ansehen.
Die Bewerber*innen sind eingeladen, das Haus der Kunst als aktiven Teilnehmer bei der Gestaltung kultureller Vorstellungen von Kindheit zu interpretieren. Projektvorschläge können sich unter anderem mit folgenden Themen befassen:
- Lernsysteme, Beteiligung, Pädagogik
- Spiel und Vorstellungskraft
- Verantwortung und Handlungsfähigkeit
- Körperliche Wahrnehmung als Auslöser von Vermittlungsprozessen
- Erinnerung, Trauma oder Wissensvermittlung
- Wie Kindheit in der Kunst konstruiert, dargestellt oder performt wird
- Wie das Haus der Kunst zu oder über Kinder „spricht“
- Architekturen und Infrastrukturen des Einladens und Teilens
Die Arbeiten können kritisch, poetisch, analytisch, spielerisch oder spekulativ sein und sollen sich mit dem erweiterten konzeptuellen Kontext der Ausstellung und der Institution auseinandersetzen.
Was wir suchen
Wir begrüßen Projektvorschläge, die Folgendes zeigen:
- Eine klare konzeptuelle Beziehung zu „Für Kinder“
- Eine reflektierte Auseinandersetzung mit den kulturellen oder emotionalen Strukturen von Kindheit
- Experimentierfreude im Umgang mit digitalen oder computergestützten Medien
- Umsetzbarkeit innerhalb des Entwicklungszeitraums
Mögliche Ergebnisse sind unter anderem:
- Kurze digitale Arbeiten
- Interaktive oder internetbasierte Projekte
- Generative oder KI-basierte Experimente
- Bewegtbild-, Sound- oder Mixed-Media-Arbeiten
- Daten- oder textbasierte Arbeiten
- Forschungsgetriebene oder spekulative Formate
Die entstehenden Werke werden als Prototypen verstanden. Diese können fragmentarisch, explorativ oder experimentell sein.
Wer kann sich bewerben
Diese offene Ausschreibung ist international und richtet sich an Kreativschaffende, darunter (aber nicht ausschließlich):
- Kreative aus digitalen, multimedialen oder interdisziplinären Bereichen
- Designer*innen mit Fokus auf digitale Medien
- Kreative Technolog*innen
- Praktiker*innen aus den Bereichen KI oder Maschinelles Lernen
- Aufstrebende oder etablierte Kreativschaffende, die in hybriden oder experimentellen Formen arbeiten
Bewerber*innen müssen für Online-Termine verfügbar sein und ihre jeweiligen Arbeiten zwischen März und April 2026 umsetzen können.
Projektstruktur und Unterstützungsleistungen
Jede ausgewählte Position erhält:
- 2.000 € Honorar
- Eine strukturierte Online-Entwicklungsphase
- Forschungs- und Austauschsessions im Dialog mit „Für Kinder“ und der Vision von Haus der Kunst
- Kuratorische und konzeptuelle Unterstützung durch das Team des Haus der Kunst
- Präsentation im Online-Showcase HausCode Studio (Mai 2026)
- Veröffentlichung über die digitalen Kanäle des Haus der Kunst
Zeitplan
- 2. Februar 2026: Start der Bewerbungsphase
- 25. Februar 2026: Bewerbungsschluss
- Anfang März 2026: Auswahl und Benachrichtigung
- März–April 2026: Entwicklungsphase
- Mai 2026: Online-Showcase / HausCode Studio
Bewerbung
Das Bewerbungsformular wird ab dem 2. Februar hier verfügbar sein.
Bitte reichen Sie ein:
- Kurzer Projektvorschlag
- Konzeptidee (max. 500 Wörter)
- Bezug zu „Für Kinder“
- Geplante digitale Herangehensweise
- Portfolio oder eine Auswahl früherer Arbeiten
- Kurzbiografie (max. 150 Wörter)
Die Bewerbung erfolgt ausschließlich über das Online-Formular auf unserer Website.
Auswahlverfahren
Ein Team, bestehend aus Kurator*innen der Ausstellung „Für Kinder“, Mitarbeitenden des Haus der Kunst sowie externen Digitalschaffenden, bewertet die Einreichungen nach den folgenden Kriterien:
- Konzeptuelle Klarheit und Relevanz für das Programm sowie die Vision des Haus der Kunst
- Originalität und experimenteller Ansatz
- Umsetzbarkeit
- Künstlerische Qualität
Es werden drei Projekte ausgewählt.
Fragen
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
hauscode@hausderkunst.de