Eine prototypische Creative R&D-Initiative
Das Haus der Kunst lädt Digitalschaffende und interdisziplinäre Kreative weltweit ein, an HausCode teilzunehmen – einem neuen Prototyp für kreative Forschung und Entwicklung.
Das Programm zieht neue Linien in der zeitgenössischen Kunstgeschichte und verwebt einzelne Projekte zu einer kohärenten, sich über die Zeit entwickelnden Erzählung. Es präsentiert Werke, die das Publikum in tiefe Bedeutungssysteme einladen – einige sichtbar, andere weniger, manche erst wirksam durch Zeit oder Wiederholung. HausCode möchte diesen Ansatz erweitern, indem es digitale Reaktionen ermöglicht, die sich mit diesen Strukturen auseinandersetzen und sie neu interpretieren, und so einen neuen Kontext für das Verständnis unserer zunehmend digitalisierten Welt schaffen.
Der jährliche Open Call richtet sich an ein internationales Bewerber*innenfeld und ermutigt zu unkonventionellen Formen der Auseinandersetzung mit dem Programm. Eine persönliche Anwesenheit vor Ort ist nicht erforderlich.
Der erste Zyklus
Der erste Zyklus ist der Ausstellung „Für Kinder. Kunstgeschichten seit 1968" gewidmet. Sie präsentiert Kunstwerke, die explizit für Kinder konzipiert wurden, und begreift Kindheit als einen Raum, in dem Formen des Lernens und institutionelle Funktionsweisen neu verhandelt werden.
Drei Konzepte wurden auf Grundlage ihrer konzeptuellen Beziehung zur Ausstellung „Für Kinder" und der Vision des Haus der Kunst, ihrer Auseinandersetzung mit den Strukturen von Kindheit sowie ihres Einsatzes digitaler Medien im Rahmen des Entwicklungsprozesses ausgewählt.
Das Auswahlkomitee setzte sich aus der Mitarbeitenden der Direktion, der kuratorischen Abteilung und der digitalen Kommunikation des Haus der Kunst sowie externen Experten aus den Bereichen Digital Advisory und visuelle Identität und Design zusammen. Aus zahlreichen Bewerbungen weltweit stachen die Finalist*innen mit ihrer klaren und kritischen Herangehensweise zum Thema sowie der Qualität ihrer technischen Konzepte hervor. Die drei Arbeiten spiegeln unterschiedliche Perspektiven wider und setzen sich mit Systemen des Lernens, Spielens und der Fürsorge durch interaktiven Sound, text- und Gaming-basierte Umgebungen auseinander.
Ausgewählte Beiträge
Adaeze Okaro, Instructions We Follow Without Being Asked, 2026
Instructions We Follow Without Being Asked ist ein KI-gestütztes Forschungsprojekt über Kindheit, das untersucht, wie Institutionen Verhalten formen. In der Kindheit dringen Regeln in den Körper ein, bevor sie erklärt werden – durch Wiederholung, Atmosphäre, Anweisung und Korrektur. Der Beitrag folgt einer generativen Logik, die es Sprache erlaubt, sich zu wiederholen, zu verschieben und neu zu verbinden, und so Muster von Anweisung und Fürsorge sichtbar macht, wenn institutionelle Systeme des Lehrens adressiert werden.
Foto: Naomi Morgan
Adaeze Okaro ist eine nigerianische visuelle Künstlerin, die in den Bereichen Fotografie und KI-basierte Bildproduktion arbeitet. Ihr Werk erkundet Emotion, Erinnerung und Wahrnehmung mit einem Fokus darauf, wie Menschen die Welt auf unterschiedliche Weise erleben und interpretieren.
Fá Maria, Lullabies for Machines, 2026 Technische Umsetzung: David Lazãr
Lullabies for Machines ist ein webbasierter audiovisueller Beitrag, der Wiegenlieder von vielen Stimmen sammelt. Kinder und Erwachsene summen, singen oder murmeln ein Wiegenlied in ein Online-Interface. Ein maschinelles Lernsystem komponiert diese Aufnahmen zu einem sich kontinuierlich entwickelnden kollektiven Wiegenlied neu. Viele Stimmen, Akzente und Erinnerungen verschmelzen zu einem gemeinsamen Lied.
Foto: Courtesy the artist
Fá Maria stammt aus Portugal und lebt in Berlin. Als Künstler*in, Komponist*in und Forscher*in arbeitet Fá Maria an der Schnittstelle von Stimme, Technologie und Verkörperung. Fá Marias Praxis untersucht, wie computergestützte Systeme Intimität vermitteln – insbesondere, wie stimmliche Praktiken durch kulturelle und technische Rahmenbedingungen erlernt, weitergegeben und transformiert werden.
Mining Raw Letters (Nell May & Kevin Kuhn), For Children – individuelles School Pixel Spiellevel und Editor, 2026
School Pixel basiert auf einer Pixel-Schrift, die aus Zeichnungen entstand, die in einem Workshop von 130 Schulkindern in Neuseeland angefertigt wurden – eigenwillig, unvollkommen und voller regelsprengender Details. In einem Arcade-Spiel erkunden Spieler*innen eine Mine aus farbcodierten Pixel-Blöcken und können mit einem vereinfachten Spieleditor eigene Level erstellen. Mit einem Bohr-Roboter suchen sie nach Wörtern und sammeln Buchstaben. Die Schrift wird zu einer Landschaft, die es zu durchqueren gilt.
Foto: ©miningrawletters
Mining Raw Letters (Nell May & Kevin Kuhn) ist ein in der Schweiz ansässiges Studio für Typografie, Design und Forschung, das 2025 von der neuseeländischen Schriftdesignerin Nell May und dem deutschen Autor und Entwickler Kevin Kuhn gegründet wurde. Sie arbeiten dort, wo Buchstaben, Sprache, Forschung und Code aufeinandertreffen.
Was ist HausCode? Die Institution als Avatar
HausCode ist eine experimentelle, jährlich stattfindende Initiative. Digitale Praktiker*innen arbeiten mit den Erzählungen, die sich durch das künstlerische Programm des Haus der Kunst entfalten, und gehen auf sie ein – als Werkzeug für Teilhabe und Lernen im digitalen Raum.
HausCode lädt Kreativschaffende aus unterschiedlichen Bereichen dazu ein, das Programm zu „verkörpern“ – als sensorische Erweiterungen und interpretierende Akteur*innen. Sie agieren nicht als bloße Illustrator*innen kuratorischer Ideen, sondern als eigenständige Instanzen, die die Logiken und Narrative der Institution von innen heraus entschlüsseln, hinterfragen oder neu imaginieren. Die Mitwirkenden erhalten exklusive Einblicke hinter die Kulissen der Ausstellungen und der institutionellen Vision des Haus der Kunst, und sind eingeladen, die verborgenen Strukturen, Codes und Rituale, die seine künstlerische und institutionelle Praxis prägen, offenzulegen und neu zu deuten.
Die kreativen Beiträge dienen als Forschungs- und Interpretationsinstrument, das als konzeptueller Avatar des Haus der Kunst fungiert: eine generative Identität, die sich mit jedem Zyklus erweitert und fortentwickelt – geformt von den Personen, die sich mit ihr auseinandersetzen.