Suh Kyungsik: "Leben in Diaspora — Aus der Perspektive eines Zainichi-Koreaners" / Vortrag im Rahmen von Haegue Yangs Installation für die Serie "Der Öffentlichkeit — Von den Freunden Haus der Kunst"

Vortrag 13.09.13

"Zainichi" ist das japanische Wort für Ausländer, die permanent in Japan leben. Den größten Anteil der Zainichi in der heutigen japanischen Gesellschaft stellen Menschen mit koreanischer Abstammung, die im Zuge  der japanischen Kolonialherrschaft nach Japan kamen. Doch der Ausdruck "Zainichi" (wörtlich: "in Japan sein") ignoriert diesen historischen Hintergrund, denn er bezeichnet einen Fremden, der weder eine Geschichte noch einen Namen hat. Suh Kyungsik gehört zu diesen "Fremden".
In den letzten 100 Jahren verließen etwa sechs Millionen Koreaner infolge der Kolonialherrschaft, des Zweiten Weltkriegs, der Teilung des Landes durch den Kalten Krieg sowie des darauf folgenden Koreakriegs und der Militärdiktatur ihr Land: nach Europa, Nord- und Südamerika, die UdSSR oder China. Das Phänomen der "Zainichi" ist jedoch nicht auf Japan und Korea beschränkt: Es ist Teil der weltweiten Diaspora. Diese entsteht, wenn Menschen die Gemeinschaft verlassen müssen, zu der sie ursprünglich gehörten – durch moderne Sklaverei, Kolonialherrschaft, Bürger- und Weltkriege oder die wirtschaftliche Globalisierung. Die Diaspora ist ein globales Phänomen.
Vor diesem Hintergrund spricht Suh Kyungsik in seinem Vortrag über Intellektuelle, die aus der Diaspora gearbeitet und seinen Werdegang als Schriftsteller maßgeblich geprägt haben: u.a. den Maler Felix Nussbaum, der in Auschwitz ermordet wurde, oder Edward Said, der als Literaturkritiker aus der Perspektive der palästinensischen Diaspora gegen den Eurozentrismus kämpfte. Das Leben dieser Intellektuellen bietet auch für Menschen, die nicht in Diaspora leben, Ansätze, die eigene Identität neu zu überdenken, um Perspektiven für das Zeitalter nach dem Ende des modernen Nationalstaates zu entwickeln. 
Suh Kyungsik (geb. 1951, Kyoto) wuchs als Kind koreanischer Eltern in Japan auf. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher, darunter zwei zum Thema der Zainichi-Koreaner, sowie viele Aufsätze zur visuellen Kunst. Seit 2000 lehrt er Menschenrechte an der Keizai Universität in Tokio, Japan.

Vortrag auf Japanisch mit deutscher Simultanübersetzung

Im Anschluss an den Vortrag begann im Filmmuseum in Kooperation mit dem Haus der Kunst die Filmreihe zum Thema Diaspora.

→ Kôshikei [Death by Hanging], Freitag, 13.09, 21 Uhr
→ Dear Pyongyang, Samstag, 14.09, 21 Uhr
→ A Journey to Primo Levi – The Legacy of an Auschwitz Survivor, Sonntag, 15.09, 21 Uhr

Suh Kyungsik: Vortrag
Suh Kyungsik: Vortrag "Leben in Diaspora — Aus der Perspektive eines Zainichi-Koreaners", Haus der Kunst, 2013, Foto Marion Vogel
Haegue Yangs Installation für die Mittelhalle im Haus der Kunst im Rahmen der Serie
Haegue Yangs Installation für die Mittelhalle im Haus der Kunst im Rahmen der Serie "Der Öffentlichkeit — Von den Freunden Haus der Kunst", Installationsansicht, Haus der Kunst, 2012, Foto Jens Weber, München

Stretch your view


Stretch your view


Presseecho

Der Öffentlichkeit: SZ-Artikel zur Kunst im öffentlichen Raum

Der Artikel in der Süddeutschen Zeitung "Klipp-Klapp, Ritsch-Ratsch" von Evelyn Vogel beschäftigt sich mit der Diskussion über Kunst im öffentlichen Raum und rückt die Arbeit von Haegue Yang für die Mittelhalle im Haus der Kunst in den Fokus. MEHR

Bildergalerie


Filmscreening

Retrospektive der Filme Marguerite Duras'

26.04 – 26.06.13

Filmreihe zur Installation von Haegue Yang in der Mittelhalle im Haus der Kunst. MEHR


Künstlerische Auftragsarbeit

Der Öffentlichkeit — Von den Freunden Haus der Kunst

Künstlerische Auftragsarbeit für die Mittelhalle im Haus der Kunst MEHR


Video

Video zum Ausstellungsprogramm

Video mit kurzen Beiträgen zu den laufenden Ausstellungen MEHR