„The Sanctuary of Water/ Puri Nuckyumtur“
Salinas Grandes, Salta, Argentinien
WILLKOMMEN
Wir sind die indigenen Gemeinschaften von Red Atacama (Lickanantay) und leben seit mehr als 10.000 Jahren in diesem Gebiet. Hier ist Wasser Leben. Wasser ist Erinnerung. Wasser ist heilig – und der Grund, warum dieses Sanctuary existiert. Wir öffnen unser Gebiet für Euch als einen Ort der Begegnung. Geht mit uns, hört unsere Geschichten, teilt unser Essen, unsere Musik, unser Wissen und unsere Art, die Welt zu sehen. Die Puna lebt. Euer Besuch hilft, unsere Gemeinschaften zu erhalten – und dient dem Schutz des Wassers, das uns allen Leben schenkt. Gastfreundschaft ist auch eine Form, für das Gebiet zu sorgen.
Wir sind nicht die Vergangenheit, wir sind die Zukunft, die sich aus dem Wissen der Ahnen speist.
Unsere Kultur lebt weiter, sie verbreitet sich in dem Gebiet.
KOMMT UND LERNT UNS KENNEN
Comunidad de San José de Esquina Blanca
Comunidad de Cerro Negro
Comunidad de Rangel
Comunidad de Cobres
Comunidad de Incahuasi
Comunidad de Esquina de Guardia
Comunidad de Matancillas
Comunidad de Raíces Andinas
Comunidad de Lickan Antai Corralitos
Comunidad de Casa Colorada
Comunidad de Tipán
UNSER RECHT ZU EXISTIEREN
Wir haben hier gelebt, lange bevor Staaten entstanden. Unsere Anwesenheit braucht keine Erlaubnis. Unsere Gemeinschaften haben eigene Verfahren entwickelt, um freiwillige, vorherige und informierte Zustimmung zu sichern – durch Kachi Yupi ("Salzspuren") und ENOTPO (die Nationale Versammlung der Territorialen Organisationen Indigener Völker). Unser Recht, über das zu entscheiden, was in unserem Gebiet geschieht, steht nicht zur Verhandlung.
Zustimmung lässt sich nicht kaufen.
Das Land ist Leben...
wir sind Land,
wir sind Wasser,
wir sind Leben
DAS SANCTUARY OF WATER
Von unseren Gemeinschaften aus Salz und Wasser errichtet, wächst Puri Nuckyumtur (The Sanctuary of Water) wie eine Apacheta: gemeinsam, Stein für Stein, durch Akte der Erinnerung, der Dankbarkeit und der Fürsorge – als Opfergabe an Pachamama. In der Mitte liegt ein großer Wasserspiegel, der den Himmel und die Sterne widerspiegelt. Das Sanctuary besteht aus vier Kuppeln, erbaut aus ca. 6000 Tonnen von uns abgebautem Salz. Die Namen der Kuppeln gehen auf die Sprachen Kunza und Quechua zurück. Sie werden erst dann zu vollständigen Himmelskörpern, wenn das Wasser ihre verborgene Hälfte zurückspiegelt. Auf umlaufenden Wegen und über ca. 11.900 von Hand ausgeschnittenen und aufgeschichteten Stufen gelangt man zu den bis zu 15 Meter hohen Aussichtspunkten – ausgerichtet nach für uns bedeutsamen Sternbildern wie dem Kreuz des Südens.
Das Heiligtum ist erst vollständig, wenn das Wasser... Mutter, Spiegel, Erinnerung... seine verborgene Hälfte zurückgibt.
In unserer Weltsicht bezeichnet Pacha das untrennbare Gewebe aus Raum, Zeit und Materie
- Wasserspiegel: Durchmesser 81 m · Radius 40,5 m · Fläche 5.153 m²
- Ckapin/Inti (Sonne): Ø 24 m · Höhe 12 m · 35 Stufen zum Aussichtspunkt
- Yollestur/Hawcha (Saturn): Ø 15 m · Höhe 7,5 m · 18 Stufen
- Haalar/Ch'aska (Venus): Ø 10 m · Höhe 5 m · 12 Stufen
- Hoyri/Tiqsimuyu (Erde): Ø 10 m · Höhe 5 m · 12 Stufen
- Begehbare Fläche: 1.743 m² umlaufende Wege
- Materialien: insgesamt rund 7.500 Tonnen Salz
- Rund 11.900 Salzsteine (34×16×12 cm) · 1.035 Säcke · 5.854 m Gurte
Wir bauen das Salz für das Sanctuary of Water nach einer traditionellen, über Generationen weitergegebenen Methode ab. Die Salzkruste wird mit einer Hacha (Axt) geschnitten, um Salzsteine für den Hausbau zu gewinnen. Nachdem diese Steine gesammelt wurden, bleibt türkisfarbenes Wasser im entstandenen Raum zurück. Daraus wird Salz zu Bergen aufgeschüttet, welches für den häuslichen Gebrauch genutzt wird.
Copla
Pachamama meines Landes, wache über diesen heiligen Ort;
möge das Sanctuary of Water stets geachtet werden
APACHETA
"Die Apachetas markieren
nicht nur den Weg, sie segnen ihn.
Sie sind unsere spirituellen Leuchtfeuer."
Es gibt keine Zukunft ohne Wasser
Verschiedene Zukünfte, genährt aus dem Wissen der Ahnen, sind möglich.
Unsere Völker-Nation
erstreckt sich über die Gebiete,
die heute den Norden Argentiniens,
Chile und Bolivien bilden.
WASSER VERBINDET UNS
Wasser ist Leben, ein Recht und eine Erinnerung; ohne Wasser gibt es keine Zukunft, und jeder Tropfen ist unersetzlich. Wir sorgen für das Wasser und für die Feuchtgebiete, für Flora, Fauna, Landschaft und die Menschen, denen wir begegnen.
Wir bewahren und bekräftigen den Wert von Erinnerung, Sprache und Zeremonie. Die Salzebene ist kein leerer Ort – es liegt in der Verantwortung von uns allen, seine lebenswichtigen Kreisläufe von Wasser und Leben zu bewahren.
Pachamama braucht uns nicht, um sie zu erobern; sie braucht uns, um sie zu achten.
GEMEINSAM SIND WIR MEHR
Wer dies liest und bereit ist, ist eingeladen, sich uns anzuschließen – dem Unfassbaren eine Form zu geben, den Kreisläufen und dem Flüstern des Wassers zuzuhören, gemeinsam ein Sanctuary of Water zu bauen.Es gibt nicht nur einen Weg, diesen Pfad zu gehen. Von wo auch immer Ihr diese Worte lest, oder auf den Salinas, wo das Sanctuary of Water entsteht: Euch willkommen zu heißen, ist selbst ein Akt des Widerstands – der Beweis, dass dieses Land geliebt wird, verteidigt wird, lebendig ist – und dass unsere Art zu leben, das buen vivir, möglich ist. Das Sanctuary of Water wird vielleicht nicht bestehen bleiben. Es könnte gestoppt werden, bevor es fertig ist, oder einstürzen, sobald es steht. Aber es gemeinsam zu errichten, beweist, dass ein anderer Weg existiert. Jedes Salzkorn, jeder Tropfen Wasser... zählt.
EIN SANCTUARY FÜR ALLE
Das Sanctuary ist nicht nur für uns:
es ist eine Heimat für die Puna de Atacama:
für die Vikunjas, Flamingos, Füchse, Guanakos,
die Parinas, Adler und andere Tiere.
Das Wasser, das wir verteidigen, ist das Wasser, das sie trinken.
Niemand soll zurückgelassen werden.
Leben existiert in vielen Formen.
Wir lassen niemanden zurück.
DIE HERAUSFORDERUNGEN, VOR DENEN WIR STEHEN
Klimawandel. Der Verlust von Ökosystemen. Entscheidungen ohne Beratung. Wasserknappheit und extraktiver Druck: 2 Millionen Liter Grundwasser werden verbraucht, um eine Tonne Lithium für Elektromobilität und monopolisierte Intelligenz anderswo zu produzieren – und lassen unser Gebiet, einen der trockensten Orte der Erde, zu einer Opferzone im Namen der sogenannten grünen Wende werden. Dem stellt das Sanctuary of Water die Ehrung von Wasser, Erde und unseren Gebieten entgegen.
Keine Energiewende kann gerecht sein, wenn sie Wasser und Leben bedroht.
Wir, die indigenen Völker, sind kaum 5 % der Weltbevölkerung – doch die Länder, für die wir über Generationen gesorgt haben, bergen einen Großteil der auf der Erde verbliebenen Biodiversität.
Wir sind keine Opferzone.
EIN WEG, ZWEI ENDEN
Die hier gewonnenen Materialien reisen Tausende Kilometer, um Batterien für Elektrofahrzeuge und digitale Speicher herzustellen. Entscheidungen, die anderswo getroffen werden, betreffen das Wasser unter unseren Füßen. Dieses Gespräch geht alle an. Wie begegnen wir dem Klimawandel und schützen zugleich das Leben? Wir bitten niemanden, sich nicht mehr zu bewegen – wir fragen, wie wir gemeinsam eine Bewegung schaffen können, in der niemand zurückbleibt.
Digitale Clouds zehren angestammte Erinnerungen auf.
FUSSZEILE
„The Sanctuary of Water“ wurde von dem Künstler Tomás Saraceno konzipiert, auf direkte Bitte der indigenen Gemeinschaften von Salinas Grandes, Nordargentinien, um eine dauerhafte Skulptur zu schaffen, die gemeinschaftsbasierten ländlichen Tourismus ermöglicht. Es entsteht in Zusammenarbeit mit Red Atacama, Nordargentinien; der Aerocene Foundation; Studio Tomás Saraceno; sowie mit Unterstützung des Haus der Kunst in München, unter anderem.
