My Body is Unfinished, a Re-purposed Parade greift Arto Lindsays frühere Installation 7 Types of Ambiguity – A Parade wieder auf und gestaltet sie neu. Diese wurde erstmals 2022 an der ECAL / Hochschule für Kunst und Design in Lausanne, Schweiz, präsentiert.

Das Werk präsentiert sich als Mehrkanal-Klanginstallation, inspiriert von den Erlebnissen einer Karnevalsparade in Bahia, Brasilien. Lindsay hat oft am Karneval teilgenommen und dabei sowohl das Erklärbare als auch das Unerklärbare der Gesellschaft miterlebt. Mit mehreren Lautsprechern, die im Raum verteilt sind, versucht er, die Komplexität dieses Erlebnisses nachzubilden, bei dem sich reimende Popsongs mit traditionellen Gesängen vermischen und verschiedene Klassen und Ethnien auf der Straße gemeinsam feiern und kämpfen.

Für die ursprüngliche Installation reiste Lindsay nach Salvador de Bahia und nahm in einem Terreiro, einem Tempel der afro-brasilianischen Religion, Trommeln auf, zusammen mit vier musikalischen Leitern von Blocos, den Afros – Gabi Giedes, Iuri Passos, Mario Pam und Luizinho do Jêje.

Im Haus der Kunst fügt Arto Lindsay Gitarrenphrasen und gesprochene Textfragmente hinzu und setzt damit Pausen ein, die die Atmosphäre einer Parade durch Unterbrechung noch verstärken. Verschiedene Register fallen weg und kehren zurück, sanft oder abrupt, und verstärken so das Gefühl von Bewegung in der Bewegung. Das Publikum wird mitgerissen und beobachtet zugleich. Das Zusammenspiel verschiedener Tempi und Register offenbart möglicherweise den Polyrhythmus aus Freude und Konzentration, den eine Parade selbst auszeichnet.

Die Installation entstand in Zusammenarbeit mit Stefan Brunner.

Künstler*innen-Info

Arto Lindsay

Arto Lindsay stammt aus der New Yorker No-Wave-Szene der 1970er Jahre, einer avantgardistischen Musik- und Kunstszene, in der die von ihm mitbegründete Band DNA eine zentrale Rolle spielte. Er entwickelte einen radikal unkonventionellen Gitarrenstil, der die Konventionen des Rock infrage stellte und sich durch kratzende Klänge, Noise-Ausbrüche und gebrochene Rhythmen auszeichnete. Später verschmolz er diese avantgardistischen Ansätze mit brasilianischen Formen wie Samba und Bossa Nova und verband Dissonanzen mit üppigen Melodien und tropikalistischen Einflüssen, wobei er oft auf Portugiesisch und Englisch sang. Seine Zusammenarbeit mit Künstlern wie Caetano Veloso und David Byrne trug dazu bei, eine Brücke zwischen Pop und experimenteller Musik über kulturelle Grenzen hinweg zu schlagen. Arto arbeitete zudem eng mit bildenden Künstlern wie Vito Acconci, Ernesto Neto und Matthew Barney zusammen und erweiterte so seine Klangsprache auf Installations- und Multimedia-Kontexte; sein Sound ist in der Ausstellung „For Children“ in Zusammenarbeit mit Rivane Neuenschwander zu hören.

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