„Steina: Playback“ ist die erste Retrospektive von Steina (geb. 1940, Reykjavík, Island) in Deutschland, einer Wegbereiterin der Video- und Medienkunst. Als klassisch ausgebildete Violinistin wandte sie sich Ende der 1960er-Jahre dem Medium Video zu und näherte sich ihm mit musikalischer Sensibilität. In ihrer Praxis erzeugt sie Bilder durch Klang und umgekehrt. Video wird zur Schwingung, zu einem Strom, der einzelne Elemente in erfahrbare Umgebungen verwandelt. Steina bringt Rhythmus und Resonanz in ihre elektronischen Experimente ein und behandelt das Signal als ein Medium, das die Wahrnehmung in etwas Veränderliches und Lebendiges transformiert.
Von den frühen dokumentarischen Experimenten bis hin zu raumgreifenden Mehrkanal-Installationen bezeugt die Ausstellung Steinas lebenslanges Streben nach dem, was sie als „maschinelles Sehen“ bezeichnet: eine spielerische, nicht anthropozentrische Perspektive, die die Wahrnehmung über die Grenzen des Menschlichen hinaus erweitert. Ihre Praxis verlagerte sich von den Landschaften Islands in die experimentellen Infrastrukturen von New York und Buffalo. Heute werden ihre Arbeiten in den wichtigsten Institutionen der Medienkunst in ganz Europa gezeigt.
„Playback“ steht in Resonanz mit unserem weiteren Programm, das generationsübergreifend ausgerichtet ist und bei dem Klang und Musik ein polyfones Rückgrat der Ausstellungsgestaltung bilden. Steinas Environments entfalten sich wie Partituren: Stimmen brechen in Loops, Bilder dehnen sich in rhythmischen Intervallen aus, und Landschaften schwingen kontrapunktisch mit. Jedes Werk komponiert sich gleichsam selbst in Abhängigkeit von seinem Beziehungsgeflecht – es verändert sich, wird fragmentiert und polyfon. Steinas Werke bleiben stets offen, sind nie abgeschlossen und tragen ihren Rhythmus weiter wie Echos in einer fortlaufenden Partitur, in der Kunst und Wahrnehmung lauschen, sich anpassen und ständig neu orchestriert werden.
Die Ausstellung wird vom MIT List Visual Arts Center in Zusammenarbeit mit dem Buffalo AKG Art Museum organisiert. Sie wird co-kuratiert von Natalie Bell, MIT List Visual Arts Center, und Helga Christoffersen, Buffalo AKG Art Museum. Die koordinierenden Kuratorinnen im Haus der Kunst sind Lydia Antoniou und Marlene Mützel.
Künstler*innen-Info
Steina
Steina, geboren 1940 als Steinunn Briem Bjarnadóttir in Island, lebt in Santa Fe, New Mexico. Sie studierte Violine und Musiktheorie in Reykjavík. Nach Abschluss ihres Studiums war sie Mitglied des Iceland Symphony Orchestra. 1965 emigrierte sie nach New York und arbeitete dort zunächst als freischaffende Musikerin. 1980 ließ sich Steina mit ihrem Lebenspartner Woody Vasulka in Santa Fe, New Mexico, nieder, wo Steina seither lebt und arbeitet.
Steinas Arbeiten wurden international gezeigt, unter anderem im Centre Georges Pompidou, Paris; im Museum of Art, Carnegie Institute, Pittsburgh (heute Carnegie Museum of Art); in der Jonson Gallery des University of New Mexico Art Museum, Albuquerque; und im Whitney Museum of American Art, New York. Ihre Werke befinden sich in den Sammlungen des Museum of Modern Art, New York; des Smithsonian American Art Museum, Washington; der National Gallery of Canada, Ottawa; des San Francisco Museum of Modern Art; der Julia Stoschek Foundation, Düsseldorf; sowie der Thyssen-Bornemisza Art Contemporary, Wien.