Die vietnamesisch-amerikanische Künstlerin Diane Severin Nguyen (geb. 1990, Kali­for­nien, USA) präsentiert erstmals eine völlig neue Werk­reihe, in deren Zentrum ein neuer Film­ steht, der durch Fotografien, Skulpturen und eine partizipative kine­ti­sche Installation ergänzt wird. Die Ausstellung vertieft Nguyens Auseinandersetzung mit den Politiken der Opferrolle und dem, was sie als „Zwickmühle des sentimentalen Blicks“ beschreibt: eine paradoxe Situation, in der brutalisierte Personen ermutigt werden, ihre Verletzlichkeit zu zeigen und diese Offenheit gleichzeitig bestraft wird. Die Künstlerin untersucht, wie die Wahrnehmungen von Krieg und Gewalt sich in unser zeitgenössisches Selbstverständnis einschreiben und Identität mitformen.

Im Mittelpunkt von Nguyens Praxis steht der Drang, neue ästhetische Sprachen zu entwickeln. Für sie stellt sich nicht die Frage, wie man den Bildern entkommen kann, sondern wie man durch sie lebt. „Wir gestalten unser Leben durch Bilder“, sagt sie und schlägt vor, Schönheit, Affekt und Fantasie nicht als Flucht vor der Wahrheit zu betrachten, son­dern als Modi ihrer Konstruktion.

Der neue Film nimmt Fahrt auf, als die Zuschauer*innen während einer wilden Verfolgungsjagd zwischen Himmel und Erde gefangen sind. Gefühl und Maschinerie verschmelzen, die Musik entfaltet eine Kraft. Das Publikum findet sich in einer Atmosphäre wieder, in der Mitgefühl und Unterwerfung nicht mehr Gegensätze sind, sondern fließend ineinander übergehen. Die Ausstellung überführt diese Instabilität in den physischen Raum und positioniert uns inmitten der Mechanismen von Zeug*innenschaft selbst.

Der Film ist ein Auftragswerk des Haus der Kunst München und des Hessel Museum of Art am Center for Curatorial Studies, Bard College, New York, sowie der Vega Foundation, Toronto.

Kuratiert von Xue Tan und Lydia Antoniou

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