Klang lesen und Sprache verkörpern. Ein Gespräch zwischen Christine Sun Kim und JJJJJerome Ellis

Künstler*innengespräch,


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Sprache
Künstler*innengespräch auf Englisch und Amerikanische Gebärdensprache
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Die Veranstaltung findet online via Zoom und in englischer Lautsprache und in Amerikanischer Gebärdensprache statt.

Die Künstler*innen Christine Sun Kim und JJJJJerome Ellis untersuchen, wie Sprache und Zeitvorstellungen die Teilhabe an Gesellschaften und Konzepten von politischer Stimme prägen. Diesen unausgesprochenen Regeln der Kommunikation setzen sie multisensorische Kompositionen entgegen, die Perspektiven auf verkörperte Sprachsysteme und nicht-lineare Zeitlichkeiten eröffnen. In dem Gespräch werden die Künstler*innen Einblicke in ihre Werke geben und sich über die Zugänglichkeit interdisziplinärer Kunst austauschen. Sie thematisieren dabei Partituren, Untertitelung und akustische Transkriptionen als visuelle Poesie sowie Unterbrechung, Wiederholung und Dehnung als Formen des Widerstandes und viele weitere Aspekte.

Angesichts einer Welt, die verbale und auditive Kommunikation privilegiert, übersetzt Christine Sun Kim Stimme und Klang in visuelle Ausdrucksformen.
In diesen konzeptionellen Kompositionen kombiniert die Künstlerin persönliche Darstellungen der Amerikanischen Gebärdensprache (ASL) mit englischer Schriftsprache, musikalischer Notation und Techniken der visuellen Poesie. Kims ortsspezifisches, multimediales Werk Every Life Signs (2022), das aktuell in der Mittelhalle des Hauses der Kunst zu sehen ist, visualisiert den Vorgang des Zählens in Zeit- und Geldeinheiten in ASL. Indem die Künstlerin den öffentlichen Raum in eine sensorische und zeitbasierte Partitur transformiert, richtet sie die Aufmerksamkeit auf den Alltagsrhythmus Tauber* Menschen, der durch die Erfahrung von Wiederholung und Verzögerungen in der Kommunikation mit einer vorwiegend hörenden Umwelt geprägt ist.

Durch das Verweben von Musik, Video, Dichtung und Performance untersucht JJJJJJerome Ellis das Verhältnis zwischen Schwarzer Subjektivität und Sprechbehinderungen, insbesondere des Stotterns. Lücken, Dehnungen und Improvisation werden dabei zum künstlerischen Material mit politischem Potential, das sich vorherrschenden Ökonomien der Zirkulation, Repräsentation und Messbarkeit entzieht. Als aktueller „Tune“-Resident wird Ellis eine Reihe von Improvisationsperformances, so genannte Clearings, aufführen. Im Zusammenspiel aus Klavier, Saxophon, Hackbrett und Stimme lässt Ellis akustische „Lichtungen“ entstehen. Diese würdigen die Fähigkeit des Stotterns, sich linearer Zeit zu widersetzen und Räume für Reflexion über Schwarze Geschichte(n) zu eröffnen.


*Sowohl die Bezeichnungen „gehörlos“ als auch „taub” werden im deutschen Sprachraum verwendet. Im Rahmen von „Every Life Signs“ verwendet das Haus der Kunst nach Empfehlungen des Deutschen Gehörlosen-Bundes e.V. die Bezeichnung „Taub“ anstatt „Gehörlos“. In Anlehnung an den im englischen Sprachraum verwendeten Begriff „Deaf“ wird der Begriff "Taub" auch in der Gehörlosen-Community in Deutschland immer beliebter, da dieser sprachlich keinen Mangel impliziert (anders als das Suffix: „-los”). Die Großschreibung verweist entsprechend dem Selbstverständnis der Künstlerin auf Taubheit („Deafness“) als kulturelle Identität.


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