Robert Ryman ̶ Retrospektive

Ausstellung 08.12.00 – 18.02.01

Der amerikanische Künstler Robert Ryman (*1930) zählt zu den Klassikern der Malerei des 20. Jahrhunderts. Seine Gemälde setzen Glanzpunkte in den bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt. Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen Robert Rauschenberg, Andy Warhol und Jasper Johns ist Robert Ryman jedoch ein Außenseiter geblieben, dessen stilles, aber radikales Werk für die Künstler der Nachfolgegeneration von enormer Aktualität ist.
Ryman wurde in Nashville/Tennessee, geboren, kam 1952 als Jazzmusiker nach New York und entdeckte dort die Malerei für sich, vor allem den Reichtum an Ausdrucksmöglichkeiten, den gerade das ungegenständliche Bild in sich birgt. Mit konzeptuellem Interesse begann er, die Grundlagen der Malerei - Farbe, Material und Ausführung – zu erforschen, bevor er die Farbgebung ganz auf Weiß als neutralen und zugleich nuancenreichen Farbwert reduzierte. In systematischen Serien untersuchte der Maler fortan das Weiß – seine Konsistenz, Transparenz, Tonwerte - auf den unterschiedlichsten Bildträgern in meist quadratischem Format. Dabei ging es dem Künstler nicht um eine symbolische Aufladung, für ihn ist Weiß vielmehr die Farbe, die „sichtbar macht“, zumal sie jede Illusion von Wirklichkeit ausschließt. Mit äußerster Konsequenz verfolgt Ryman seit Jahrzehnten die grenzenlose Wirkungsvielfalt, die sich in der selbst auferlegten Beschränkung entfaltet.
Die Ausstellung präsentiert rund 50 Werke aus allen Schaffensphasen. Sie zeigen uns Robert Ryman als Konzeptkünstler und Minimalisten, aber auch als großen Koloristen mit ausgeprägt sinnlichen wie  meditativen Qualitäten, dessen Schaffenskraft bis heute ungebrochen ist. Ein Großteil der ausgewählten Werke war bislang selten oder nie in Europa zu sehen, wie die noch immer radikale „Varese Wall“ (1975).
Wegen seiner wegweisenden formalen Qualitäten, wurde die Ausstellung mit Arbeiten Robert Rymans durch internationale Positionen jüngerer Kunst ergänzt: Ariane Epars, Clay Ketter, Albert Weis und Beat Zoderer sind keine Maler und doch rückt ihr künstlerischer Ansatz, ihre spezifische Auseinandersetzung mit dem Raum, sie in die Nähe des amerikanischen Künstlers. Ihre Werke entfalten sich im Spannungsfeld von sachlichem Materialumgang einerseits und einer emotionalen, bisweilen auratischen Bildwirkung andererseits, einer Mischung aus Rationalität und Intuition, die uns auch bei Ryman begegnet. 
Ariane Epars (*1959) bewegt sich mit ihrer Wandarbeit in Sgraffito-Technik im Zwischenbereich von Zeichnung, Malerei, Relief und Kunsthandwerk. Sie veranschaulicht den Arbeitsprozess als anstrengende körperliche und zeitraubende Handlung und lässt mit der bearbeiteten Wand im Haus der Kunst eine spezifische Raum-Zeit-Erfahrung zu.
Die Bilder von Clay Ketter (*1961) bestehen u.a. aus Gips und Spachtelmasse, wobei er das Ungestalte, Provisorische und Verunreinigte als malerische Komponenten einbezieht. Seine eigenwilligen Möbelskulpturen und Regalkonstruktionen handeln in spröder Schönheit von der Präsenz des Abwesenden. Ketters Werke lassen sich mit Rymans Realismus-Begriff in Verbindung bringen, doch haben sie deutlich narrative, poetische, ja sogar komische Seiten.
Albert Weis (*1969) fragmentiert einen Saal des Haus der Kunst durch die systematische Auskleidung mit Styropor. Das im Bau gebräuchliche Dämm-Material verändert Akustik und Raumtemperatur und damit auch die Wahrnehmung des Betrachters. 
Beat Zoderer (*1955) konstruiert aus Dutzenden weißer, quadratischer Holzplatten einen betretbaren Bildkubus, dessen Inneres den Blick auf ein kleines Bild von Robert Ryman freigibt. Das Weiß in Weiß der einzelnen Flächen wird durch die roh belassenen Stirnseiten des Materials unterbrochen, welche beim frontalen Blick als Schattenlinien in Erscheinung treten - eine Referenz an die Räumlichkeit der Bilder von Ryman und ein Angebot zum Dialog zwischen zwei verwandten künstlerischen Positionen.
Folgestation: Kunstmuseum Bonn

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