Richard Artschwager!

Ausstellung 11.10.13 – 26.01.14

Die bislang umfangreichste Retrospektive des amerikanischen Künstlers Richard Artschwager (1923-2013) zeigt über hundert Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen und Editionen. Sie untersucht ein Gesamtwerk, das danach fragt, wie wir uns visuell und physisch mit der Welt auseinandersetzen. Artschwagers Werk steht Pop-Art und Minimalismus ebenso nahe wie der Konzeptkunst und vereint in sich Elemente aller drei Strömungen. Nach einem Studium der Chemie und Mathematik wurde er zunächst Schreiner, entwarf und fertigte Möbel. Sein Interesse an kommerziellem und industriellem Material wie Resopal oder Celotex-Dämmplatten datiert aus dieser Zeit. Er verwendete diese Materialien, um die Grenzen zwischen Bild, Skulptur und Gebrauchsgegenstand zu verwischen und unseren Realitätssinn zu verwirren. Ein Beispiel ist "Description of Table" (1965), ein Kubus aus Melaninharz-Laminat auf Sperrholz. Die schwarzen, weißen und braun gemaserten Bereiche lassen das Objekt als Tisch mit vier Beinen erscheinen, auf dem ein weißes Tischtuch liegt. Indes ist es nicht als Tisch zu verwenden: Die schwarzen Bereiche simulieren nur den leeren Raum "unter" einem Tisch – den es jedoch gar nicht gibt. Mit solch "nutzlosen Gegenständen" zielt Artschwager auf eine unscharfe Wahrnehmung der Welt ab; der Betrachter wird gezwungen, ihr nicht nur visuell zu begegnen, sondern auch physisch. Artschwagers Objekte lenken die Aufmerksamkeit auf das Unvertraute im Vertrauten und erforschen somit auch Wertvorstellungen der modernen Gesellschaft. Sowohl "Double Dinner" (1988) als auch "Lunch for Two" (2007) zeigen – einmal als Skulptur und einmal als Gemälde – eine Esszimmergarnitur. Das Alltagsleben in der amerikanischen Konsumgesellschaft erscheint als entfremdete Daseinsform, in der die Personen merkwürdig isoliert wirken. Die Gemälde Richard Artschwagers sind meist in Graustufen gehalten und zeichnen sich durch eine ungleichmäßige Linienstruktur aus, die das gesamte Bild bedeckt und die Formen von Gesichtern, Körpern und Gegenständen gleichermaßen zerfließen lässt. 2003 begann Artschwager mit Farbverläufen zu experimentieren; seine jüngsten Arbeiten sind von einer neuen, leuchtenden Farbintensität, wie sie bisher in seinem Werk nicht vorgekommen war.

Die Ausstellung wurde organisiert vom Whitney Museum of American Art, New York, in Zusammenarbeit mit der Yale University Art Gallery, New Haven; aktuelle Präsentation in Zusammenarbeit mit dem Haus der Kunst, München. 

Besonderer Dank gilt der Dr. Karl Wamsler Foundation sowie Gagosian Gallery, New York, und Sprüth Magers Berlin London für die zusätzliche Unterstützung der Ausstellung in München.

Richard Artschwager, Description of Table, 1964, Whitney Museum of American Art, New York 66.48 © VG Bild-Kunst, Bonn 2013, photo by Steven Sloman © 2000 Whitney Museum of American Art, New York
Richard Artschwager, Description of Table, 1964, Whitney Museum of American Art, New York 66.48 © VG Bild-Kunst, Bonn 2013, photo by Steven Sloman © 2000 Whitney Museum of American Art, New York
Richard Artschwager, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2013, Foto Wilfried Petzi
Richard Artschwager, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2013, Foto Wilfried Petzi
Richard Artschwager, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2013, Foto Wilfried Petzi
Richard Artschwager, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2013, Foto Wilfried Petzi
Richard Artschwager, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2013, Foto Wilfried Petzi
Richard Artschwager, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2013, Foto Wilfried Petzi
Richard Artschwager, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2013, Foto Wilfried Petzi
Richard Artschwager, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2013, Foto Wilfried Petzi
Richard Artschwager, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2013, Foto Wilfried Petzi
Richard Artschwager, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2013, Foto Wilfried Petzi
Richard Artschwager, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2013, Foto Wilfried Petzi
Richard Artschwager, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2013, Foto Wilfried Petzi

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