Podiumsdiskussion zur Eröffnung: "Aufstieg und Fall der Apartheid"

Diskussion 14.02.13

Mit Rory Bester, Okwui Enwezor, Peter Magubane und Jurgen Schadeberg

Das Panel zur Eröffnung der Ausstellung "Aufstieg und Fall der Apartheid: Fotografie und Bürokratie des täglichen Lebens" widmete sich der Zeitschrift "Drum" – der ersten ernstzunehmenden Publikation unter dem Regime der Apartheid, in der Arbeiten schwarzer, weißer und indischer Fotografen im selben medialen Kontext erschienen. Drum, deren erste Ausgabe 1951 unter dem Titel "The African Drum" erschien, war Katalysator und zentrale Plattform für die Arbeit afrikanischer Fotografen, die seit den späten 1940-er Jahren verstärkt das Bild ihrer Welt prägten. Drum verzichtete auf den ländlichen "Eingeborenen" und zeigte stattdessen urbane schwarze Kultur. Die zum Teil schonungslose Dokumentarfotografie, die Drum zeigte, mischte sich mit Bildern der Popkultur und des Lebens in den Townships. Unter anderem verlegte die Zeitschrift, die auch investigative Beiträge veröffentlichte, die eindrückliche Dokumentarfotografie u.a. von Peter Magubane und des Deutschen Jurgen Schadeberg, von denen mehrere Aufnahmen und Filme in der Ausstellung zu sehen sind.

Teilnehmer:
Gemeinsam mit Okwui Enwezor, Direktor des Haus der Kunst, hat der Kunsthistoriker, Kritiker und Dokumentarfilmer Rory Bester die Ausstellung "Aufstieg und Fall der Apartheid: Fotografie und Bürokratie des täglichen Lebens" kuratiert. 
Peter Magubane, geb. 1932 in einem Vorort von Johannesburg, ist einer der am häufigsten ausgezeichneten Bildjournalisten Südafrikas. 1954 wurde er Assistent von Jurgen Schadeberg, dem hauptverantwortlichen Fotografen und Bildredakteur der Zeitschrift "Drum". Ein Jahr später erhielt er den ersten eigenen Auftrag. Seine Arbeit machte Magubane zu einem der Protagonisten der legendären "Drum generation", zu der Autoren, Künstler, Musiker und Fotografen gehörten. Er war ein enger Freund Nelson und Winnie Mandelas und wurde zu einer Ikone im Kampf von Journalisten und Fotografen gegen repressive Regimes. Seit den ersten freien Wahlen im Jahr 1994 widmet sich Peter Magubane verstärkt Ausstellungen und Publikationen seines umfangreichen Werks.
Jurgen Schadeberg, geb. 1931 in Berlin, emigrierte 1950 nach Südafrika, wo er bis 1964 als hauptverantwortlicher Fotograf, Bildredakteur und Art Director von "Drum" arbeitete. Seine Aufnahmen dieser Zeit zeigen das Leben und den täglichen Kampf der Südafrikaner unter dem Regime der Apartheid, zentrale Figuren der südafrikanischen Geschichte wie Nelson Mandela, Moroka oder Walter Sisulu sowie Schlüsselfiguren- und -ereignisse aus Jazz und Literatur, wie etwa Dolly Rathebe, Miriam Makeba und Hugh Masekela. Von 1964 bis 1985 lebte er in London, Spanien, New York und Frankreich. Die Fotografien dieser Jahre sind ein reiche Mischung aus sozialdokumentarischer Fotografie und abstrakten Aufnahmen. Im Laufe seiner mehr als 60-jährigen Tätigkeit hat Schadeberg eine Fülle ebenso ikonischen wie zeitlosen Bildern geschaffen; 2007 erhielt er von Bundespräsident Horst Köhler das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse.
Diskussion in Englisch

Podiumsdiskussion zur Eröffnung der Ausstellung
Podiumsdiskussion zur Eröffnung der Ausstellung "Aufstieg und Fall der Apartheid", Rory Bester, Peter Magubane und Jurgen Schadeberg, Haus der Kunst, 2013, Foto: Marion Vogel
Peter Magubane, Nanny and Child, Johannesburg, 1956, courtesy the artist.
Peter Magubane, Nanny and Child, Johannesburg, 1956, courtesy the artist.
Jurgen Schadeberg, The 29 ANC Women’s League women are being arrested by the police [...], 26th August 1952, courtesy the artist.
Jurgen Schadeberg, The 29 ANC Women’s League women are being arrested by the police [...], 26th August 1952, courtesy the artist.
Peter Magubane, Sharpeville Funeral [...], May 1960, courtesy Baileys African History Archive.
Peter Magubane, Sharpeville Funeral [...], May 1960, courtesy Baileys African History Archive.

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