Geschichten im Konflikt: Das Haus der Kunst und der ideologische Gebrauch von Kunst 1937-1955

Ausstellung 10.06.12 – 13.01.13

"Dieses Jahr wird das Haus der Kunst 75 Jahre alt. Der Jahrestag gibt uns Gelegenheit, über das Gebäude nachzudenken - über seine Geschichte, seine Geschichten und darüber, was es heute ist." (Okwui Enwezor, 2012)

Mit der Ausstellung "Geschichten im Konflikt: Das Haus der Kunst und der ideologische Gebrauch von Kunst 1937-1955" erinnert das Haus der Kunst an den 75. Jahrestag seiner Eröffnung am 18. Juli 1937. Dieses Datum bietet den Ausgangspunkt für die Frage nach der eigenen Vergangenheit, das Nachdenken über den komplexen historischen Prozess, der das Haus der Kunst in seiner heutigen Form hervorgebracht hat.

Die historischen Eckdaten der Ausstellung sind die Jahre 1937 und 1955. Sie umspannen eine gesellschaftliche und politische Entwicklung, an deren Anfang die Ideologie der Nationalsozialsten stand und an deren Ende die Transformation zu einem demokratisch verfassten Staat begonnen hatte. In diesen 18 Jahren veränderte sich nicht nur die inhaltliche Ausrichtung des Haus der Kunst entscheidend; durch die kulturhistorischen Wendungen dieser Zeit wurden auch die Weichen für die weitere Entwicklung als internationales Ausstellungshaus gestellt. Heute spielt das Haus der Kunst bei der Diskussion über relevante Positionen der zeitgenössischen Kunst eine gestaltende Rolle.

Das Haus der Kunst wurde von 1933 bis 1937 nach Plänen von Adolf Hitlers bevorzugtem Architekten Paul Ludwig Troost als "Haus der Deutschen Kunst" errichtet. Das neoklassizistische Gebäude war Symbol für die Durchsetzung der nationalsozialistischen Kunstpolitik. Während man hier die Zurschaustellung eines vorwiegend biederen Realismus als einzig wahre "deutsche" Kunst zelebrierte, wurde die Moderne als "entartet" abgeurteilt und ihr jegliches Existenzrecht abgesprochen. Bezeichnenderweise fand die Eröffnung der Femeschau "Entartete Kunst" im Galeriegebäude am Hofgarten einen Tag nach der pompösen Einweihung des "Hauses der Deutschen Kunst" statt. Die von der Kulturpolitik verbannte und beschlagnahmte Kunst hinterließ eine Lücke, die man sich nach Kriegsende schnell zu schließen bemühte. So diente das Haus der Kunst wiederum als Symbol: diesmal für die Rückkehr der Moderne an den Ort, an dem Hitlers Säuberungsfeldzug gegen die Avantgarde seinen Anfang genommen hatte. Zu den wichtigsten Ausstellungen in dieser Reihe gehörten "Der Blaue Reiter" (1949), "Die Maler am Bauhaus" (1950), Max Beckmann (1951), Frank Lloyd Wright (1952), Wassily Kandinsky und Paul Klee (1954) sowie die Picasso-Retrospektive im Jahr 1955. 

"Geschichten im Konflikt" erforscht die Stationen der Geschichte des Hauses im Kontext politischer und kultureller Veränderungen, aber auch in ihren internationalen Parallelen und Bezügen. Großausstellungen, die für die Topografie der Kunst des 20. Jahrhunderts maßgebend waren, wie die Pariser Weltausstellung 1937, die Biennalen von Venedig und die erste documenta 1955, bilden die Koordinaten der internationale Dimension der Geschichte des Haus der Kunst. So beleuchtet die Ausstellung nicht nur die Bezüge zwischen der "Großen Deutschen Kunstausstellung" und der Femeschau "Entartete Kunst", sondern zeigt auch jene zwischen dem von Albert Speer gestalteten deutschen Pavillon der Pariser Weltausstellung, in dem das Modell des Hauses der Deutschen Kunst gezeigt wurde, und dem spanischen Pavillon, der Picassos "Guernica" – eine Ikone der Antikriegskunst – ausstellte. Die Ausstellung "Picasso" im Haus der Kunst, die das Bild "Guernica" erstmals in Deutschland zeigte, fiel in das Jahr 1955 - dasselbe Jahr, in dem auch Arnold Bodes documenta 1 in Kassel stattfand; sie versuchte mit Werken von Künstlern, die 1937 in der Ausstellung "Entartete Kunst" abgeurteilt worden waren, wieder den Anschluss an die internationale Moderne zu finden.
Das Nachdenken über den komplexen und komplizierten historischen Prozess, der das Haus der Kunst in seiner heutigen Form hervorgebracht hat, setzt sich bis in die Gegenwart fort. So verdeutlicht "Geschichten im Konflikt" exemplarisch, was Okwui Enwezor, seit 2011 Direktor des Hauses, unter einem "reflexiven Museum" versteht: der zeitgenössischen Kunst verpflichtet zu sein und die historische Dimension der Gegenwart zu untersuchen und zu vermitteln. Für "Geschichten im Konflikt" hat das Haus der Kunst den Schweizer Konzeptkünstler Christian Philipp Müller eingeladen, zur Geschichte des Gebäudes eine Dramaturgie zu entwickeln. 
Weitere Informationen über 75/20

Eine umfassende Publikation zur Ausstellung erscheint Mitte 2013.

 

Modell Haus der Deutschen Kunst auf dem Festzug
Modell Haus der Deutschen Kunst auf dem Festzug "Glanzzeiten deutscher Geschichte" zum Tag der Deutschen Kunst 1933, aus: Verzeichnis der Aufnahmen verschiedener Arbeiten von Paul Ludwig Troost, ca. 1935. Aufnahme: Atelier Troost © Zentralinstitut für Kunstgeschichte
Geschichten im Konflikt, Installationsansicht Haus der Kunst, Foto Maximilian Geuter
Geschichten im Konflikt, Installationsansicht Haus der Kunst, Foto Maximilian Geuter
Geschichten im Konflikt, Installationsansicht Haus der Kunst, Foto Maximilian Geuter
Geschichten im Konflikt, Installationsansicht Haus der Kunst, Foto Maximilian Geuter
Geschichten im Konflikt, Installationsansicht Haus der Kunst, Foto Maximilian Geuter
Geschichten im Konflikt, Installationsansicht Haus der Kunst, Foto Maximilian Geuter
Geschichten im Konflikt, Installationsansicht Haus der Kunst, Foto Maximilian Geuter
Geschichten im Konflikt, Installationsansicht Haus der Kunst, Foto Maximilian Geuter
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Geschichten im Konflikt, Installationsansicht Haus der Kunst, Foto Maximilian Geuter
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Bildergalerie


Ehemaliger Luftschutzkeller im Haus der Kunst

PDF, Essay

Der ehemalige Luftschutzkeller im Haus der Kunst — ein Text der Historikerin Sabine Brantl. MEHR


Geschichten im Konflikt

Presseecho

Zur Ausstellung sind in Rundfunk, Presse und Onlinemedien zahlreiche Berichte erschienen. MEHR


Haus der Kunst, München. Ein Ort und seine Geschichte im Nationalsozialismus

Allitera Verlag München, 2007. Hrsg. von Haus der Kunst. MEHR


Begleitheft "Geschichten im Konflikt"

Booklet

Der bebilderte Online-Parcours führt in sechs Stationen durch die Ausstellung „Geschichten im Konflikt“, die sich kritisch mit dem historischen Erbe des Haus der Kunst auseinandersetzt. MEHR


Sanierung des Haus der Kunst

Am 03. Juli 2012 wurde grünes Licht für die Sanierung des Haus der Kunst gegeben. MEHR


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Kunst im "Dritten Reich": Hitlers Pinselführer

Essay

SPIEGEL-Artikel zu Adolf Ziegler, Maler und Präsident der Reichskunstkammer, dessen Akt „Die vier Elemente“ in der Ausstellung „Geschichten im Konflikt“ gezeigt wurde MEHR


Beschlagnahme der "Entarteten Kunst" 1937/1938

Online-Datenbank zu allen 1937/38 aus deutschen Museen beschlagnahmten Werken "entarteter Kunst" - ein Projekt der FU Berlin MEHR


Geschichten im Konflikt

Arbeitsblätter

Zur Ausstellung "Geschichten im Konflikt" (10.06.12-13.01.13) können Sie Arbeitsblätter zu verschiedenen Themenbereichen downloaden (in Deutsch). MEHR


Nic Hess

Ausstellung 26.03 – 06.06.04

Die Ehrenhalle, ein Raum von über 500m², ist die zentrale Halle im Haus der Kunst und wurde erstmals mit nur einer einzigen Installation bespielt. Ein Raum von solchen Ausmaßen war für Nic Hess eine große Herausforderung. MEHR


Christoph Schlingensief

Ausstellung 25.05 – 16.09.07

Für die zentrale Mittelhalle im Haus der Kunst hat Christoph Schlingensief (1960–2010), Film-, Theaterregisseur und Künstler, eine raumgreifende Installation geschaffen: "18 Bilder pro Sekunde". Zwei Filmarbeiten sind eingebettet in eine Installation, die von einer überdimensionalen Abendmahlszene mit Mohammed beherrscht wird. MEHR


Konstantin Grcic

Ausstellung 16.03 – 30.07.06

Der Münchner Designer Konstantin Grcic gilt als international führend im Bereich Design und Industriedesign. In der Ausstellung im Haus der Kunst inszeniert er seine Produkte erstmals so, wie er sie selbst sieht – subjektiv und frei. Eine Ausstellung in der Mittelhalle im Haus der Kunst MEHR


Aschemünder

Ausstellung 09.04 – 04.09.11

Seit Frühjahr 2011 zeigt das Haus der Kunst in den Räumen seines ehemaligen Luftschutzkellers Film- und Medienkunst aus der umfangreichen Sammlung von Ingvild Goetz. Die erste Gruppenausstellung trägt den Titel „Aschemünder“ und zeigt Werke von David Claerbout, Willie Doherty, Harun Farocki, Omer Fast, Mona Hatoum, Anri Sala u.a. MEHR


Germaine Krull

Ausstellung 22.01 – 12.03.00

Germaine Krull profilierte sich als große Fotografin vor dem Hintergrund einer kosmopolitischen Biografie. Geboren in Ostpreußen, aufgewachsen in Italien, Frankreich und der Schweiz, begann sie 1915 ihre Fotografie-Ausbildung in München und eröffnete dort 1917 ihr erstes Fotoatelier, wo u. a. ihr berühmtes Porträt von Kurt Eisner entstand. MEHR


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Ausstellung 10.09 – 30.10.94

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Ben Willikens — Bilderzyklus "Orte".

Ausstellung 27.06 – 20.07.97

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Christian Boltanski — Verloren in München.

Ausstellung 14.11.97 – 11.01.98

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Hand-Arbeit

Ausstellung 02.12.00 – 18.03.01

Unter dem mehrdeutigen Titel "Hand-Arbeit“ rückt die Ausstellung den Anteil der Hand an Malerei und Bildhauerei in den Mittelpunkt der Kunstbetrachtung. Hier geht es um das Hand-Werk des Künstlers und seine Abgrenzung vom Kunsthandwerk, aber auch um die häufig als Basteln abgewertete Handarbeit sowie die kindlichen und weiblichen Rollenmuster im kreativen Prozess. MEHR


Gut gewachsen — Aktuelle Kunst in München.

Ausstellung 08.11.95 – 21.01.96

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