Die Femeschau "Entartete Kunst": Rezeption, Rekonstruktion und Erinnerung

Vortrag 13.12.12

Vorträge von Sabine Brantl und Mario-Andreas von Lüttichau

Die Femeschau "Entartete Kunst" und die damit einhergehende Beschlagnahmung moderner Kunst gehört zu den dunkelsten Kapiteln deutscher Kunst- und Museumsgeschichte. Im Juli 1937 eröffnete sie wenige hundert Meter vom damaligen "Haus der Deutschen Kunst" entfernt im Münchner Hofgartengebäude. Bis heute beschäftigen sich Forschungs- und Ausstellungsprojekte mit der Propagandaschau. 
1962 - 25 Jahre nach Eröffnung der Femeschau, erinnerte erstmals eine Ausstellung im Haus der Kunst an den beispiellosen Bildersturm der Nationalsozialisten. Die Ausstellung zeigte rund 400 Werke, die größtenteils während des NS-Regimes aus deutschen Museen beschlagnahmt und als "entartet" abgeurteilt worden waren, und sollte "ein Memento sein, ein eindrucksvolles Zeichen nachdrücklichen und besinnlichen Gedenkens". "Entartete Kunst - Bildersturm vor 25 Jahren" war jedoch keine Rekonstruktion der Femeschau von 1937 – eine solche wurde erst 25 Jahre später, aus Anlass des 50. Gedenktages, von dem Kunsthistoriker Mario-Andreas von Lüttichau unternommen und war Grundlage der Ausstellung "Die ,Kunststadt'  München 1937. Nationalsozialismus und ,Entartete Kunst'", die 1987 wiederum im Haus der Kunst gezeigt wurde. 
Sabine Brantl spricht in ihrem Vortrag über die Ausstellung von 1962, über Vorbereitungen, Hintergründe und Reaktionen, die sie anhand bislang unveröffentlichter Dokumente recherchierte. Mario-Andreas von Lüttichau erläutert den komplizierten Prozess, die Münchner Femeschau von 1937 zu rekonstruieren. Im Anschluss führt Ulrich Wilmes ein Gespräch mit den Referenten.

Mario-Andreas von Lüttichau, geboren 1952, studierte Kunstgeschichte in München, 1983 Promotion. Nach Stationen an den Staatlichen Museen in München, der Berlinischen Galerie für Kunst des 20. Jahrhunderts und des  Städtischen Kunstmuseum Bonn, arbeitet er seit 1991 als Kustos für Gemälde und Skulpturen des 19. und 20. Jahrhunderts am Museum Folkwang, Essen. Lehraufträge für Kunstgeschichte in Bonn und Düsseldorf.

Sabine Brantl ist Historikerin und leitet seit 2005 das Historische Archiv im Haus der Kunst. Sie ist Autorin der Monografie "Haus der Kunst, München. Ein Ort und seine Geschichte im Nationalsozialismus", die sich mit der ebenso belasteten wie lange Zeit verdrängten Geschichte des Haus der Kunst auseinandersetzt. Gemeinsam mit Ulrich Wilmes hat sie die Ausstellung "Geschichten im Konflikt: Das Haus der Kunst und der ideologische Gebrauch von Kunst 1937-1955" kuratiert. 

In deutscher Sprache

Ulrich Wilmes, Sabine Brantl und Mario-Andreas von Lüttichau, Haus der Kunst, 2012, Foto Marion Vogel
Ulrich Wilmes, Sabine Brantl und Mario-Andreas von Lüttichau, Haus der Kunst, 2012, Foto Marion Vogel
Ausstellung
Ausstellung "Entartete Kunst" in München, Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin © bpk / Arthur Grimm
Ausstellung
Ausstellung "Entartete Kunst. Bildersturm vor 25 Jahren", 25.10.1962 - 16.12.1962 im Haus der Kunst (Archiv Ausstellungsleitung e.V.) mit Werken u.a. von Otto Dix, Marc Chagall, Oskar Schlemmer und Max Ernst

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