„ich bin interessiert an der verbreitung von physischen vehikeln in form von editionen, weil ich an der verbreitung von ideen interessiert bin."
joseph beuys
seit beginn der 1970er jahre ist münchen neben new york und london führend in den bereichen editionen und multiples. die ausstellung „made in munich“ zeigt arbeiten von 1968 bis heute, die u.a. von engagierten münchner galerien und editeuren initiiert und produziert wurden; sie boten künstlern in den vergangenen 40 jahren immer wieder die möglichkeit, ihr künstlerisches vokabular in ein neues medium zu übersetzen – und so nicht selten zu verdichten. was aber macht eine edition oder ein multiple aus? sind es kunstwerke, experimente oder vehikel, um ein größeres publikum zu erreichen?
grafische editionen – drucke, radierungen, fotogravüren – bieten dem künstler möglichkeiten zum experimentieren; konzeption und herstellungsprozess sind eng verflochten, und der künstler arbeitet nicht selten wochenlang in der werkstatt bis zur druckfreigabe – mit oft außergewöhnlichem resultat. hermann nitsch brauchte für seine edition „die architektur des orgien mysterien theaters I + II“, in der er materialien und techniken wie tusche, kreidezeichnung und radierung mischte, mehr als sieben jahre; 16 drucke werden in der ausstellung zu sehen sein, in zwei blöcken und mit insgesamt zwölf metern breite. ein multiple hat eher objekt-charakter, wird nach der idee des künstlers produziert oder vom ihm selbst in mehreren exemplaren angefertigt: etwa die porzellan-editionen von rosenthal, die lucio fontana oder roy lichtenstein gestalteten; skulpturen oder einladungen – als von künstlern selbst gestaltete mini-kunstwerke. joseph beuys beschränkte sich bei einigen seiner multiples darauf, das material aufzuspüren und die ideen zu verknüpfen. bei anderen gestaltete er jede einzelheit selbst, wie z.b. beim multiple „freitagsobjekt '1a gebratene fischgräte hering’“ von 1970, das er in einer auflage von 25 stück selbst herstellte: „bei gewissen arbeiten muss die auflage limitiert sein, (...) denn ich bin nicht daran interessiert, mein leben lang fischgräten zu braten!" beuys schuf eine fülle von multiples, so dass ihm in der ausstellung ein ganzer raum gewidmet ist.
„made in munich" zeigt herausragende arbeiten von internationalen wie deutschen künstlern: u.a. von georg baselitz, joseph beuys, marcel broodthaers, dan flavin, lucio fontana, richard hamilton, carsten höller, jeff koons, hermann nitsch, blinky palermo, gerhard richter, dieter roth und andy warhol.