FAQs - Frequently Asked Questions

Hier finden Sie häufig gestellte Fragen zur Geschichte des Haus der Kunst sowie die jeweiligen Antworten.

Welchen Zusammenhang gab es zwischen dem "Haus der Deutschen Kunst" und der Femeschau "Entartete Kunst"?
Am 18. Juli 1937 eröffnete Adolf Hitler das "Haus der Deutschen Kunst" an der Münchner Prinzregentenstraße mit der ersten "Großen Deutschen Kunstausstellung". Das Gebäude war das erste architektonische Vorzeigeprojekt der NS-Propaganda und diente der Etablierung einer allgemein verbindlichen deutschen „artreinen“ Kunst. Gleichzeitig war mit dieser "neuen" deutschen Kunst die Ausgrenzung und Diffamierung der Moderne verbunden. In seiner Eröffnungsrede rechnete Hitler auf geradezu fanatische Weise mit der zutiefst verhassten Moderne ab und drohte ihren Vertretern und Förderern einen "unerbittlichen Säuberungskrieg" an. Dass dies keine leere Phrase war, sollte sich am darauffolgenden Tag zeigen. Am 19. Juli 1937 wurde – als gezielte Kontrastveranstaltung zur ersten "Großen Deutschen Kunstausstellung" – in den Räumen des Archäologischen Instituts (heute: Theatermuseum und Kunstverein) im Münchner Hofgarten die Femeausstellung "Entartete Kunst" eröffnet. In entstellender Aufmachung führte die von Joseph Goebbels verantwortete Schau rund 600 Werke der Moderne als "entartet" vor. Alle ausgestellten Gemälde, Plastiken und Zeichnungen waren zuvor aus deutschem Museumsbesitz entfernt worden. Durch das 1938 erlassene "Gesetz über Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst" wurde die Enteignung nachträglich legalisiert. Etwa 17.000 Kunstwerke von mehr als 1.000 Künstlern wurden beschlagnahmt und größtenteils als Devisenbringer auf dem internationalen Kunstmarkt veräußert. Die Ausstellung "Entartete Kunst", die bis 1941 in zwölf weiteren Städten gastierte, war nicht die erste Veranstaltung, in der die Nationalsozialisten die Moderne auf empörende Weise diffamierten. Schon seit 1933 veranstalteten einzelne Gruppen des "Kampfbundes für deutsche Kultur" sogenannte "Schreckenskammern der Kunst", um das "gesunde Volksempfinden" gegen missliebige Künstler und deren Händler und Sammler öffentlich zu mobilisieren.

Was passierte mit den Exponaten, die zwischen 1937 und 1944/45 im "Haus der Deutschen Kunst" ausgestellt wurden?
Die "Großen Deutschen Kunstausstellungen" waren Verkaufsausstellungen. In den acht Schauen nach 1937 wurden insgesamt 12.550 Werke der Plastik, Malerei und Grafik ausgestellt - über 7.000 davon kaufte die nationalsozialistische Parteiprominenz und ihre Organisationen, aber auch Behörden, Firmen, Museen und Privatpersonen.
Gemäß den Beschlüssen der Potsdamer Konferenz wurden nach dem Zusammenbruch des "Dritten Reiches" Kunstwerke mit nationalsozialistischen Darstellungen und militärischen Inhalten eingezogen. Im Oktober 1945 beauftragte die amerikanische Militärregierung ehemalige Mitarbeiter des "Hauses der Deutschen Kunst" mit der Abwicklung der noch im Gebäude verbliebenen Werke. Eine Rückgabe an die Künstler bzw. Käufer erfolgte nur nach Vorlage einer politischen Unbedenklichkeitsbescheinigung (Spruchkammerbescheid). Ab August 1946 bzw. Mai 1947 wurden die im Depot lagernden Exponate sowie die Ankäufe Adolf Hitlers und des ehemaligen Deutschen Reiches in den "Central Collecting Point" im ehemaligen "Verwaltungsbau" (heute: Haus der Kulturinstitute) und "Führerbau" (heute: Hochschule für Musik und Theater) am Münchner Königsplatz überführt; es war die größte zentrale Sammelstelle Süddeutschlands für nationalsozialistische Raubkunst. 1949 kam ein Teil der Werke an die Treuhandverwaltung für Kultur; 1963 gingen sie an die Oberfinanzdirektion München und wurden im Münchner Hauptzollamt gelagert. Seit 1998 gehören die rund 700 Werke – als Sammlung zeitgeschichtlicher Dokumentation - zum Bestand des Deutschen Historischen Museums in Berlin. 

Seit wann heißt das Gebäude "Haus der Kunst"?
Die Umbenennung des "Hauses der Deutschen Kunst" in "Haus der Kunst" steht im Kontext einer Reihe von Maßnahmen und Bemühungen, das historisch belastete Gebäude zu "entnazifizieren". Die Bezeichnung "Haus der Kunst" wurde ab 1946 verwendet. Durch die Streichung des Adjektivs sollte zudem Weltoffenheit suggeriert werden, da man in der Nachkriegszeit den Anschluss an die internationale Moderne suchte.

Stimmt es, dass das Gebäude in der Nachkriegszeit ein Basketballfeld beherbergte?
Nach dem Zusammenbruch des "Dritten Reiches" und der Befreiung Münchens durch die amerikanischen Truppen beschlagnahmte die amerikanische Militärregierung das ehemalige "Haus der Deutschen Kunst" und richtete dort einen Officers’ Club mit Restaurant, Tanzsaal, mehreren Shops sowie Sportmöglichkeiten für höhere Offiziersränge ein. "Auf den spiegelglatten Marmorboden des Mittelsaales wurde mit weißer Ölfarbe die Markierung für Basketball-Spiele gepinselt. Einzelne Farbreste sind heute noch zu sehen", schrieb der Journalist Friedrich Müller 1958 in der "Süddeutschen Zeitung" (Friedrich Müller, Kunstpalast mit braunen Flecken, in: Süddeutsche Zeitung, 15. Oktober 1958).

Ab wann zeigte man nach Ende des Zweiten Weltkriegs Kunstausstellungen im Haus der Kunst?
Bereits Ende 1945 wurde von der amerikanischen Militärregierung ein Teil des Westflügels freigeräumt und den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen zur Verfügung gestellt. Dort zeigte man im Januar 1946 eine Ausstellung "altdeutscher Meister" mit Werken von Dürer, Altdorfer und Grünewald aus den Beständen der kriegszerstörten Pinakotheken. Im November 1948 wurde das Haus der Kunst aus der Vermögensverwaltung der Kontrollratsbehörde entlassen und dem Bayerischen Staat übergeben (das Restaurant, die ehemalige "Ehrenhalle" sowie ein Teil der angrenzenden Ausstellungs- und Verwaltungsräume blieben jedoch noch bis 1955 als "Officers’ Club" unter amerikanischer Besatzung). So konnte sich im Ostflügel eine rege Ausstellungsaktivität entwickeln. In der Zwischenzeit hatten sich die lokalen Künstlerverbände neu gegründet und in der "Ausstellungsleitung e.V." zusammengeschlossen. Zweck und Aufgabe der Ausstellungsleitung war die Veranstaltung der "Großen Kunstausstellung München" und die Durchführung von bedeutenden Themenausstellungen und Retrospektiven der Klassischen Moderne. Im September 1949 veranstalteten die "Neue Gruppe", die "Secession" und die "Münchener Künstler-Genossenschaft" im Ostflügel ihre erste "Große Kunstausstellung", an der u.a. auch Max Beckmann, Otto Dix und Karl-Schmidt-Rottluff beteiligt waren.

Sollte das Haus der Kunst Anfang der 1990er Jahre tatsächlich abgerissen werden?
Gegen Ende der 1980er Jahre wurde immer deutlicher, dass das Haus der Kunst aufgrund seines baulichen Zustandes seiner Rolle als einer der renommiertesten Stätten des internationalen Ausstellungsbetriebes nicht mehr gewachsen war. Dies löste eine öffentliche Kontroverse über die Zukunft des Gebäudes aus, die nicht zuletzt auch den Umgang mit den baulichen Hinterlassenschaften der NS-Zeit widerspiegelte. Der Münchner Architekt Stefan Braunfels plädierte vehement dafür, das neoklassizistische Gebäude in die Luft sprengen zu lassen und stattdessen einen zweigeschossigen Neubau zu errichten. Andere, wie z.B. der Maler und Kunstsammler Lothar Günther Buchheim hielten mit dem Argument dagegen, das Haus der Kunst sei "fraglos ein Denkmal, im negativen Sinne ein Dokument für das Dritte Reich" (Abendzeitung, 13./14.01.1990). Schlussendlich entschloss sich der Freistaat Bayern für eine Teilsanierung, die 1993 abgeschlossen war.  
Eine ähnliche Debatte hatte sich schon einmal 1965 entzündet, als der Landesbau-Kunstausschuss den Vorschlag einbrachte, das Haus der Kunst im Zuge der Verbreiterung der Prinzregentenstraße und des Ausbaus des Altstadtrings abzubrechen. 1971 wurde schließlich die Freitreppe vor dem Gebäude entfernt und durch schmalere Stufen ersetzt.

Wie lange diente der Westflügel des Haus der Kunst den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen als Ausstellungsort? 
Nach 1946 wurde der Westflügel des Haus der Kunst mit Ausstellungen der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen bespielt; nach der Instandsetzung der Alten Pinakothek (1957) und des Neubaus der Neuen Pinakothek (1981) zog dort die "Staatsgalerie moderner Kunst" ein. Die Unterbringung dieser Sammlung der Kunst des 20. Jahrhunderts war als Provisorium gedacht und dauerte bis ins Jahr 2000. Seit 2003 haben die Werke in der neu eröffneten Pinakothek der Moderne ihren festen Platz gefunden. Von 2001 bis 2007 befand sich im Westflügel das "Theater im Haus der Kunst" des Bayerischen Staatsschauspiels.

Besitzt das Haus der Kunst eine eigene Sammlung?
Das Haus der Kunst besitzt keine eigene Sammlung. Es werden ausschließlich Wechselausstellungen gezeigt. Die Entwicklung des Gebäudes und des Ausstellungsbetriebes wird jedoch im Historischen Archiv dokumentiert. 

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Bitte schicken Sie uns eine Nachricht an: archiv (at) hausderkunst.de

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