Julius Bissier 1893–1965

AUSSTELLUNG 16.12.78 – 21.01.79

Mit Julius Bissier wählte man einen deutschen Künstler, dessen malerisches Werk aus der Stille der meditativen Versenkung schöpfte und in der radikalen Abstraktheit seiner Tuschzeichnungen erst um 1960, mit dem Aufkommen des Informel, breitere Anerkennung fand. Bissiers Werkretrospektive mit rund 100 kleinformatigen Papierarbeiten bot das Haus der Kunst eine würdige Plattform und mit Werner Schmalenbach, dem Direktor der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, einen kundigen Kurator, der als Monograph des Künstlers einen aktuellen Text zum Katalog beisteuerte.
Nach einer abgebrochenen Ausbildung an der Kunstakademie in Karlsruhe und malerischen Anfängen im Stil der Neuen Sachlichkeit gelangt Julius Bissier über die Freundschaft mit dem Sinologen Ernst Grosse, der ihn in die Kunst Ostasiens einführt, Mitte der 1920er-Jahre zur Tuschmalerei. Die ersten in der Ausstellung gezeigten Werke zeugen im Willen zur Abstraktion vom Einfluss Brancusis, den Bissier auf einer Parisreise kennenlernt, und von der Anregung durch seinen Künstlerfreund Willi Baumeister. Die Arbeiten sind gekennzeichnet durch wenige, gestisch auf den weißen Grund gesetzte Formen in reduzierter Farbigkeit ("Frucht", 1938). In freier Zeichenschrift kreisen sie um geistige Grunderfahrungen wie die "Bipolarität des Seienden" ("Viereck und Dreieck", 1948).
Von 1932 bis 1947 widmet sich Bissier – zeitweise als Lehrer an der Universität Freiburg und nach 1933 von den Nationalsozialisten zum Rückzug in die innere Emigration gezwungen – seinem "Mönchsgeschäft": der Tuschmalerei. Die Suche nach dem, was Kandinsky "Das Geistige in der Kunst" nannte, drängt ihn zur spirituellen Konzentration, um aus der Stille heraus und im Prozess des Intuitiv-Spontanen, Bilder zu schaffen, die im kleinsten Format, in der Gewichtslosigkeit des Papiers und im Schwarz-Weiß der Tusche ein Höchstmaß an Aussage enthalten: "Der Inhalt ist alles". Schmalenbach rühmt Bissier wegen seiner fast religiösen Ausrichtung auf "Weltgeist, Kosmos, Gott" als deutschen Maler einer Generation, deren geistiges Konzept er mit einer jüngeren künstlerischen Sprache verbindet ("Zwei Divergierende", 1949).
Die Nachkriegsjahre lassen mit einer Fülle von Tuschen, Aquarellen und Grafiken eine neue Schaffensfreude erkennen. Ab Mitte der 1950er-Jahre findet Julius Bissier mit den "Miniaturen" in Eiöltempera zur Farbe auf Leinwand in unregelmäßig beschnittenem Format zurück ("22. Juli 59 H", 1959). Der lasierende Farbauftrag steigert die Transparenz der Formen bis zur Auflösung der Materie. Im zart getönten Hintergrund fügt der Maler freie Gebilde zu einem System von Symbolen, die im Wechselspiel von Fülle und Leere, Bewegung und Ruhe, Entspannung und Konzentration weiterhin sein Festhalten an der chinesischen Weisheitslehre erkennen lassen. Er empfindet den meditativen Prozess und das Erlebnis des Hier und Jetzt als zentrale Bedingungen seiner Kunst, was sich in der Verwendung des Tagesdatums als Titel spiegelt ("Rondine 24. Jan. 62", 1962). Die Miniaturen seiner letzten Schaffensperiode gelten daher als Höhepunkt eines malerischen Lebenswerks, das u.a. durch große Ausstellungen (Venedig Biennale, 1960; Documenta, 1964) die Anerkennung der Kunstwelt findet.

Der broschierte Katalog im quadratischen Format zeigt auf dem weißen Glanzumschlag eine farbige Miniatur von 1962 und umfasst 93 Seiten. Der Textteil enthält das Vorwort des Kurators Werner Schmalenbach, ausgewählte Notizen aus den Tagebüchern des Künstlers, die mit Fotos illustrierte Biografie, ein Ausstellungsverzeichnis sowie eine Bibliografie. Der Katalog der ausgestellten Werke listet insgesamt 104 Nummern, unterteilt in Tuschen (55), Bilder in Eiöltempera und Aquarelle (59). Der Abbildungsteil enthält 12 Farbabbildungen und zahlreiche s/w-Fotografien.

Julius Bissier, Komposition 12 Oct. 63, 1963, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © bpk Bildagentur

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