Deep Storage — Arsenale der Erinnerung. Sammeln, Speichern, Archivieren in der Kunst.

AUSSTELLUNG 03.08 – 12.10.97

Seit den 1960er-Jahren reagieren viele Künstler auf die Herausforderung durch die zunehmende massenmediale Bilderflut. Im Zeitalter digitaler Datenspeicher und beschleunigter Medienkommunikation stellen neben Naturwissenschaftlern, Philosophen und Historikern auch Künstler die Frage nach dem Gedächtnis und der Bedeutung von Erinnerung. Sie machen das Speichern von Informationen, das Sammeln von Bildern und Archivieren von Dingen zum Thema ihrer Arbeiten. Die Allgegenwart digitaler Datenverarbeitung führte in den vergangenen Jahren zu einer erneuten künstlerischen Auseinandersetzung mit der Entlastung bzw. Enteignung des menschlichen Gedächtnisses. In Frage steht die lebendige Erinnerungsarbeit als Grundlage unseres Bewusstseins.

Die Ausstellung "Deep Storage — Arsenale der Erinnerung" zeigt in Werken von mehr als 40 international renommierten Künstlerinnen und Künstlern aus drei Generationen die vielfältigen Formen ihrer Auseinandersetzung mit der Idee des Sammelns und Archivierens von Dingen wie des Speicherns von Informationen. Die Verfahren des künstlerischen Archivierens bestehen im Verpacken von Einzelobjekten oder im Reihen bzw. Stapeln von Bildern, Texten und Materialien in seriellen Strukturen. Systematisch oder chaotisch gruppierte Dinge des täglichen Lebens werden in Regalen, großräumigen Bodenarbeiten und Künstlerräumen gelagert. Zu diesen Objektarchiven gesellen sich Werke, die wie fotografische, filmische und digitale Datenspeicher funktionieren.

Über ein von Karsten Bott inszeniertes Warenlager aus Fundstücken, gelangt der Besucher auf einem Steg in den Raum von Hanne Darboven. Ihr "Wunschkonzert" macht das Verfließen der Zeit und den Versuch ihrer Konservierung ebenso sichtbar wie On Kawaras "One Million Years Past"/"One Million Years Future" und die "Time Capsules" von Andy Warhol. Im Videoraum von Jochen Gerz vernehmen wir das Geprassel der massenmedialen Nachrichtenschwemme, die zugleich jede essentielle Botschaft unterdrückt. So kann die Vernichtung von Informationen zugleich als Verlust und Befreiung von Ballast empfunden werden. Mit der Bilderflut und dem Informationsmüll beschäftigen sich die Arbeiten von Arman und Robert Rauschenberg aus den 1960er-Jahren sowie die von Douglas Blau und Wilhelm Mundt aus den 1990er-Jahren. In den Räumen von Christian Boltanski und Bernd & Hilla Becher sieht sich der Besucher mit Archiven verschwundener Personen und vom Untergang bedrohter Bauten konfrontiert. Auch die gemalten Kuppeln des Amerikaners David Deutsch sind als Ausschnitte aus einem Pantheon der Bilder zu verstehen, in dem unzählige Gemälde aufbewahrt werden. Das Verschwinden der Welt im schwarzen Loch der elektronischen Bilder führt uns die Videoprojektion von Peter Kogler vor Augen. Die Objekte von Richard Artschwager und die Fotografien von Louise Lawler beschäftigen sich mit dem Verschwinden des Kunstwerkes in seiner Verpackung, die ihrerseits zum Kunstwerk wird. Dem traditionellen Wissensspeicher des Buches und der Bibliothek widmen sich die Arbeiten von David Bunn, Meg Cranston und Peter Wüthrich. In den 1990er-Jahren entstanden, greifen sie zurück auf Ideen der Pop Art und des Nouveau Réalisme, als Künstler wie Christo, Claes Oldenburg und Daniel Spoerri einzelne Bildwerke, aber auch das Museum als Ganzes in ihrer Funktion als Speicher thematisierten. In ihrer Tradition, der auch Nam June Paiks "Koffer" als Nachrichtenbehälter angehört, stehen die Objektassemblagen von Lynn Hershman, Karen Kilimnik, Paul McCarthy und Jason Rhoades, die persönliche Geschichten mit der Zeitgeschichte zu einem dreidimensionalen Bilderteppich verweben, in dem sich die Grenzen zwischen Dichtung und Wahrheit verwischen.

Im Gegensatz zur Fülle steht die Leere in den Arbeiten von Joseph Beuys, Reinhard Mucha und des Duos Arndt & Moonen, die Projektionsflächen für die im Betrachter gespeicherten Erinnerungen an seine eigene Geschichte oder für sein eigenes Körpergedächtnis erzeugen. Stefan Hoderlein legt mittels Diaprojektionen eine Kleidersammlung an, die mit der Idee systematischer Sammlungen spielt. Das Verschwinden als Voraussetzung des Erinnerns wird in Sophie Calles poetischer Kombination von Fotos und Texten ebenso angesprochen wie in der computerisierten Selbstbespiegelung von Monika Fleischmann, dem elektronischen Tagebuch Lynn Hershmans, dem Internet-Projekt von Vera Frenkel zur Rekonstruktion des verlorenen Bildbestandes eines von Hitler geplanten Führermuseums und in der dramatischen Videoinstallation von Steinle/Rosefeldt. Selbstreferentielle Speicher der Kunstsphäre bilden Marcel Broodthaers' Tafelwerk zum Museum als Kunstlager und die Installation von Sabine Groß, die ein fantastisches Archiv aller erdenklichen Künstlertypen erstellt.

Neben den erwähnten Künstlern sind in der Ausstellung folgende Namen vertreten: Eugène Atget, Hannelore Baron, Jennifer Bolande, Joseph Cornell, Marcel Duchamp, Hans-Peter Feldmann, George Legrady, Piero Manzoni, Annette Messager, Ed Ruscha, Jeanne Silverthorne, Thomas Virnich und H. C. Westermann.

Eine Initiative des Siemens Kulturprogramms "Memoria erhält neue Kleider".

Andy Warhol, Inhalt der
Andy Warhol, Inhalt der "Time Capsule" Nr. 17, 1960er-Jahre, The Andy Warhol Museum, Pittsburgh
Karen Kilimnik, The Czars, 1991, Privatsammlung
Karen Kilimnik, The Czars, 1991, Privatsammlung
Marcel Duchamp, La Mariée Mise à Nu par ses Célibataires Mêmes (The Bride Stripped by her Bachelors, Even/ The Green Box), 1934, Luxusexemplar 4/XX, Sammlung Roni Van der Velden, Staatliches Museum Schwerin
Marcel Duchamp, La Mariée Mise à Nu par ses Célibataires Mêmes (The Bride Stripped by her Bachelors, Even/ The Green Box), 1934, Luxusexemplar 4/XX, Sammlung Roni Van der Velden, Staatliches Museum Schwerin
Claes Oldenburg, Mouse Museum, 1965/77, Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien
Claes Oldenburg, Mouse Museum, 1965/77, Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien
H.C. Westermann, The Second Shotgun, 1977, Lennon, Weinberg Gallery, New York  © VG Bild-Kunst, Bonn, 1997
H.C. Westermann, The Second Shotgun, 1977, Lennon, Weinberg Gallery, New York © VG Bild-Kunst, Bonn, 1997

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Audioguide zu "Hanne Darboven. Aufklärung"

Zur Ausstellung "Hanne Darboven. Aufklärung" wird ein Audioguide angeboten, der Sie durch die Ausstellung führt. Hier können Sie die Tracks anhören. MEHR


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