Angelika Kauffmann (1741–1807). Retrospektive

AUSSTELLUNG 07.02 – 18.04.99

Angelika Kauffmann wurde 1741 in Chur/Schweiz geboren und erhielt eine für Mädchen ungewöhnlich sorgfältige Erziehung. Der Vater förderte als Maler das künstlerische Talent seiner Tochter, während die Mutter ihre Musik- und Sprachbegabung unterstützte. Im Alter von 12 Jahren malte Angelika ihr erstes Selbstbildnis und erhielt erste Porträtaufträge. Als Sechzehnjährige war sie an der Ausmalung der Schwarzenberger Kirche im Bregenzer Wald, der Heimat ihres Vaters, beteiligt. 

Ausbildung in Italien
Von 1760 bis 1766 ging Angelika Kauffmann in Italien auf Ausbildungsreise, um das Malen nach Alten Meistern zu lernen. Der Möglichkeit für Frauen, am akademischen Geschehen teilzunehmen, waren jedoch moralische Grenzen gesetzt. So durften sie nicht an der Lehre und schon gar nicht am Aktzeichnen teilnehmen, und Angelika war gezwungen, getrennt von ihren männlichen Kollegen in einem separaten Raum zu arbeiten. In Florenz entstanden die ersten Radierungen; hier lernte sie Benjamin West, den späteren Direktor der Londoner Royal Academy und einen ihrer Förderer kennen. In Rom traf sie die Wegbereiter des Klassizismus Johann Joachim Winckelmann, Gavin Hamilton, Anton von Maron, Giovanni Battista Piranesi und Pompeo Batoni. Ihr viel bewundertes Bildnis von Winckelmann verhalf Angelika Kauffmann schließlich zum künstlerischen Durchbruch. In der Folge sicherten wohlhabende Engländer auf Grand Tour durch Aufträge für Porträts und Historienbilder ihren Unterhalt als Malerin. 

Die Karriere in England
Im Frühjahr 1766 ging Angelika Kauffmann nach London und richtete am Golden Square ein repräsentatives Atelier ein. Ihre Bildnisse von Damen der guten Gesellschaft, die sie der Mode folgend im türkischen Kostüm wiedergab, waren bis in höfische Kreise gefragt. Zugleich fand sie als Historienmalerin mit Gemälden zur englischen Geschichte Anerkennung. Geschäftstüchtig ließ sie Stiche ihrer Werke anfertigen und sorgte so für weite Verbreitung und internationalen Ruhm.

Das Akademiemitglied
Als im Dezember 1768 in London die Royal Academy of Arts unter der Leitung von Sir Joshua Reynolds gegründet wurde, gehörten Angelika Kauffmann und ihre Freundin, die Stilllebenmalerin Mary Moser, zu den Gründungsmitgliedern. Die beiden Frauen blieben für die nächsten 200 Jahre die einzigen weiblichen Mitglieder der Akademie. Darüber hinaus war Kauffmann Mitglied der Akademien von Bologna, Florenz, Rom und Venedig. 

Die Historienmalerin
Schon während ihrer Lehrjahre in Italien setzte sich Angelika Kauffmann mit der Antikenbegeisterung und dem neuen klassizistischen Stil auseinander. Hier schuf sie ihre ersten großformatigen Historienbilder zu Themen nach Homer und Vergil. Geprägt vom Kult der Empfindsamkeit sind ihre Heldinnen meist opferbereite Frauen wie Penelope, Andromache und Cornelia. Ihre männlichen Helden schildert sie nicht in kriegerischer Pose, sondern als einfühlsame Liebhaber. In England wandte sich Kauffmann dem Thema der verlassenen Frau in Gestalt von Dido, Ariadne und Kalypso zu. Im Typus der einfigurigen Historie entwickelte sie ein Stimmungsbild, hinter dem die erzählte Geschichte zurücktritt.

Ruhm und Ehre
Im Sommer 1781 heiratete Angelika Kauffmann den venezianischen Vedutenmaler Antonio Zucchi und ging mit ihm nach Italien zurück. In Rom eröffnete sie nahe der Spanischen Treppe eines der renommiertesten Ateliers der Stadt und arbeitete für die prominenten Besucher der Stadt. Zu ihren Auftraggebern zählte die Hocharistokratie Europas, darunter der spätere Zar Paul I. von Russland, die Königin von Neapel, der Kaiser von Österreich und der König von Polen. Kauffmann organisierte ihre Arbeit professionell, war äußerst fleißig und überaus erfolgreich. 

Die zehnte Muse Roms
Die geistige Elite des 18. Jahrhunderts traf sich in Rom in Angelika Kauffmanns Salon. Kirchliche Würdenträger, Adlige und vor allem Künstler und Künstlerinnen kamen allabendlich in ihr Haus, das als Tempel der Musen galt. Zu ihren Freunden zählten Johann Wolfgang Goethe, Johann Gottfried Herder, Anna Amalie von Sachsen-Weimar und viele Künstlerinnen, die sie als "die zehnte Muse Roms", den Inbegriff des neuen Frauenideals, der "schönen Seele" verehrten.

Verrückt nach Angelika
Angelika Kauffmann prägte den Stil einer ganzen Epoche oder, wie es ein Zeitgenosse ausdrückte: "The whole world is angelicamad", die ganze Welt war verrückt nach Angelika. Die ungeheure Popularität dieser Malerin ließ sich auch an der Gestaltung von Gebrauchsgegenständen ablesen. Im England des späten 18. Jahrhunderts verzierte man Wohnräume mit Malereien nach Vorlagen ihrer Gemälde und auch auf Prunkvasen, Bildtellern und Tassen, auf Kaminverkleidungen, Mobiliar, Tapeten und Tabletts ließen sich Motive aus Angelika Kauffmanns Bildern finden.

In Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Düsseldorf und dem Hetjens-Museum, Düsseldorf.

Gefördert durch die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia 

Angelika Kauffmann, Bildnis Domenica Morghen als Tragödie mit Maddalena Volpato als Komödie, 1791, Warschau, Nationalmuseum
Angelika Kauffmann, Bildnis Domenica Morghen als Tragödie mit Maddalena Volpato als Komödie, 1791, Warschau, Nationalmuseum
Angelika Kauffmann, Die drei Sängerinnen, 1796, Chur, Bündner Kunstmuseum
Angelika Kauffmann, Die drei Sängerinnen, 1796, Chur, Bündner Kunstmuseum
Angelika Kauffmann (1741–1807). Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Angelika Kauffmann (1741–1807). Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Angelika Kauffmann (1741–1807). Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Angelika Kauffmann (1741–1807). Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Angelika Kauffmann (1741–1807). Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Angelika Kauffmann (1741–1807). Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Angelika Kauffmann (1741–1807). Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Angelika Kauffmann (1741–1807). Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Angelika Kauffmann (1741–1807). Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Angelika Kauffmann (1741–1807). Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Angelika Kauffmann (1741–1807). Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Angelika Kauffmann (1741–1807). Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Angelika Kauffmann (1741–1807). Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi
Angelika Kauffmann (1741–1807). Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1999, Foto Wilfried Petzi

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