Julião Sarmento. Werke 1981–1996.

AUSSTELLUNG 24.10.97 – 18.01.98

Julião Sarmento (geb. 1948) gilt als einer bedeutendsten portugiesischen Künstler der Gegenwart. Mit rund 80 Gemälden bietet die Ausstellung im Haus der Kunst einen Überblick über sein bisheriges Schaffen, wobei der Schwerpunkt auf den großformatigen Gemälden der 1980er- und 1990er-Jahre liegt. 

Nachdem sich Sarmento zunächst als Konzeptkünstler mit Fotoinstallationen und Experimentalfilmen einen Namen gemacht hatte, wandte er sich 1980 der Malerei zu. Seine Ausdrucksformen reichen von den zeichenhaften und expressiven Malereien auf Packpapier aus den frühen 1980er-Jahren über die dunkeltonigen, malerisch opulenten Ölgemälde mit ihren rätselhaften Figuren und Symbolen bis zu den "Weißen Bildern" der 1990er-Jahre. 

Auf den ersten Blick zufällig und fragmentarisch wirkend, entwickeln die Bilder bei näherer Betrachtung einen erzählerischen Reichtum. Voll rätselhafter Zeichen, handeln sie von menschlichen Beziehungen, verflochten zwischen Erinnerung, Sehnsucht und Fantasie. Die Werke der 1980er-Jahre, insbesondere die Liebesszenen, sind getragen von einer Atmosphäre der Wildheit und Triebhaftigkeit und erinnern, wie bei "Estratégias de sobrevivencia" (1984), an filmische Bilder. Häufig beziehen sie sich auf Rituale, die die Nacht mit Licht erhellen, um das Verborgene zu enthüllen. Die Tiere, die Sarmentos Werk von Anfang an bevölkern, verkörpern das Naturhafte im Menschen, seine Triebnatur und Instinkthaftigkeit. Sie sind den menschlichen Figuren darin so nahe, dass sie nicht nur zu Zeugen, sondern auch zu Mitspielern werden wie in dem mystischen Paar "David and Devil" (1986). 

Seit Mitte der 1980er-Jahre gehören kopflose und gesichtslose Figuren zum Motivrepertoire Sarmentos, wie etwa die weiblichen Figuren in der 1990 begonnenen Werkgruppe der "Weißen Bilder". Als Figurenfragmente fordern sie dazu auf, das Bild der Gestalt im Geiste zu vervollständigen. Die Strategie des Verbergens zur Herausforderung unseres Vorstellungsvermögens wird in den folgenden Jahren durch die Mehrfachkonturierung der Figuren in den transparent übermalten Zeichnungen und den Schattenbildern fortgeführt. Sarmentos Bilder verdecken ebensoviel wie sie enthüllen. Die Erotik vieler Darstellungen weist dem Betrachter die Rolle des Voyeurs zu. In der Konzentration auf den weiblichen Körper wird ein wirkungsvolles Spiel in Gang gesetzt zwischen der Verführung des Betrachters zum Schauen und der Verweigerung des Bildes, sich diesem Sehen ganz zu öffnen. 

Unter den zeitgenössischen Künstlern, die den menschlichen Körper zu ihrem Thema machen, gehört Sarmento zu den wenigen, die diesen Körper nicht nur als Objekt von Manipulationen behandeln. Der portugiesische Künstler stellt den Körper vielmehr als Empfindungs- und Ausdrucksträger dar, als liebenden, leidenden und begehrenden, als aggressiven und empfangenden Körper, der den Menschen in seiner Gesamtheit ausmacht (Laura und Alice, 1994) - voller Begehren und Verletzlichkeit, sich selbst und den anderen ein Mysterium.

Julião Sarmento, Descem por Ela as Maos da Noite, 1987, Detail, Sammlung Giorgio Persano, Torino
Julião Sarmento, Descem por Ela as Maos da Noite, 1987, Detail, Sammlung Giorgio Persano, Torino
Julião Sarmento, ohne Titel, 1981, Detail, Fundacao Luso-Americana, Lisboa
Julião Sarmento, ohne Titel, 1981, Detail, Fundacao Luso-Americana, Lisboa
Julião Sarmento, Azul da Prussia, 1987, Sammlung Giorgio Persano, Torino
Julião Sarmento, Azul da Prussia, 1987, Sammlung Giorgio Persano, Torino
Julião Sarmento. Werke 1981–1996, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi
Julião Sarmento. Werke 1981–1996, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi
Julião Sarmento. Werke 1981–1996, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi
Julião Sarmento. Werke 1981–1996, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi
Julião Sarmento. Werke 1981–1996, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi
Julião Sarmento. Werke 1981–1996, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1997, Foto Wilfried Petzi

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AUSSTELLUNG

Hughie O'Donoghue

10.01 – 11.02.97

Wie Francis Bacon, konzentriert sich auch Hughie O'Donoghue auf den menschlichen Körper, seine Fleischlichkeit, Verwundbarkeit und sinnliche Kraft. MEHR


AUSSTELLUNG

Richard Prince

15.11.96 – 06.01.97

Richard Prince erzielte erste Erfolge mit "refotografierten" Bildern aus den Medien, die, wie etwa die "Cowboys", Motive der Konsumwelt aufgreifen und zu Mythen stilisieren. MEHR


AUSSTELLUNG

Joel Shapiro

24.10.97 – 18.01.98

Joel Shapiro zählt zu den wichtigsten amerikanischen Bildhauern der Gegenwart. Die Ausstellung zeigt elf Werke, die seine künstlerische Entwicklung der Jahre 1993-1997 erkennen lassen. MEHR


AUSSTELLUNG

Mythos Weimar

15.05 – 27.06.99

Anlässlich des 250. Geburtstags des Dichters Johann Wolfgang von Goethe begab sich die Fotografin Ute Klophaus 1998 in Weimar auf seine Spuren und schuf ein Porträt der Stadt. MEHR


AUSSTELLUNG

Cardiff & Miller — Werke aus der Sammlung Goetz

13.04 – 08.07.12

Die Ausstellung zeigt acht Arbeiten des kanadischen Künstler-Duos Janet Cardiff und George Bures Miller, die durch die Kombination von Bild, Ton und nachgebildeten Räumen möglichst viele Sinne des Betrachters ansprechen, um das Geschehen so real wie möglich erscheinen zu lassen. 2012 nahmen Cardiff/Miller an der dOCUMENTA (13) in Kassel teil. MEHR


AUSSTELLUNG

Das zweite Gesicht

14.02 – 27.04.97

Als Sammlung afrikanischer Skulptur dokumentiert die Sammlung Barbier-Mueller den Schwarzen Kontinent in seinem schöpferischen Reichtum so lückenlos wie kaum eine andere. MEHR


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Beauty now

10.02 – 01.05.00

Lange Zeit war das Schöne keine Kategorie der modernen Kunst – Mode, Werbung und Massenmedien hatten es für sich beansprucht. Seit einigen Jahren jedoch zeichnet sich die Rückkehr der Schönheit in die Kunst der Gegenwart ab. MEHR


AUSSTELLUNG

Francis Bacon

01.11.96 – 26.01.97

Francis Bacon wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum bedeutendsten Erneuerer der figurativen Malerei. In der Zeit des Abstrakten Expressionismus und des Informel konzentrierte er sich auf die Darstellung des Menschen. MEHR


AUSSTELLUNG

Spuren des Geistigen

19.09.08 – 11.01.09

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AUSSTELLUNG

Imi Knoebel

23.08 – 20.10.96

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Essay

Die Bedingungen der Spektralität und des Sehens in den Fotografien von Thomas Ruff

Aufsatz von Okwui Enwezor MEHR


AUSSTELLUNG

Andreas Gursky

17.02 – 13.05.07

Die Bilder des international renommierten Fotografen Andreas Gursky sind keine Darstellungen der Wirklichkeit; sie sind künstlerisch begründete Ideale – von der Zeit losgelöste Momente. MEHR


Video, Gespräch

Thomas Ruff im Interview mit Thomas Weski

16.02.12

Das Werk Thomas Ruffs ist hinsichtlich seiner Vielschichtigkeit und Komplexität in der Geschichte der künstlerischen Fotografie einzigartig. Kurator Thomas Weski befragte den Künstler MEHR


AUSSTELLUNG

Hand-Arbeit

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Kurt Schwitters

09.03 – 27.05.01

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Sean Scully

14.06 – 16.09.01

Im Zentrum der Ausstellung im Haus der Kunst, die rund 100 Gemälde, Pastelle, Aquarelle und Fotografien zeigt, steht Sean Scullys Schaffen in den 1990er-Jahren. MEHR


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28.03 – 23.06.02

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Jana Sterbak

21.06 – 22.09.02

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AUSSTELLUNG

Albert Renger-Patzsch — Retrospektive

01.02 – 13.04.98

Neben August Sander und Karl Blossfeld zählt Albert Renger-Patzsch (1897-1966) zu den bedeutendsten Vertretern der Fotografie in Deutschland. MEHR