Scharf im Schauen — Aktuelle Kunst in München

AUSSTELLUNG 10.09 – 30.10.94

Unter dem Titel "Scharf im Schauen" – einem Zitat aus Lion Feuchtwangers Roman "Erfolg" – widmete sich das Haus der Kunst der "aktuellen Kunst in München". Kuratiert von Hubertus Gaßner und Bernhart Schwenk bot sie fünfzehn jungen Künstlern eine Plattform für Werke aus den 1990er-Jahren, die jene "analytische Schärfe" erkennen lassen, "mit der Fragen der Gegenwart im Medium der Kunst artikuliert werden, ohne dass dabei spielerische Reflexionen, Ironie, Ambivalenz und Komplexität zu kurz kämen".
Anknüpfend an die konstruktiven und systematischen Tendenzen in Konzeptkunst, Minimalismus und Aktionskunst der 1960er-Jahre geht es den Künstlern der 1990er-Jahre weniger um die Gesellschaft und das System der Kunst als vielmehr um den unmittelbaren, subjektiven Erfahrungsbereich als Projektionsfläche gesellschaftlicher und politischer Erscheinungen.
Der institutionelle Rahmen der Gegenwartskunst beschäftigt Ralf Peters ("Modelle", 1994), Barbara Probst ("Scanna Digital Spray Print auf Leinwand, Holzrahmen, 1033 x 291 cm, DM 25.000.-", 1994) und Michael Hofstetter. Seine Installation "von allem entfernt/alles beherrschend" (1994) kombiniert die Nachbildung des historisch belasteten Ausstellungsraums Haus der Kunst mit Fotos seiner eigenen Ateliersituation und stellt, durchaus selbstkritisch, die Frage nach der Abwendung von der Realität.
Von zentraler Bedeutung für die Künstler der Gegenwart und insbesondere für die Generation der um 1950 Geborenen ist die Veränderung unserer Wirklichkeitswahrnehmung im Vergleich zur Wirklichkeit selbst. Die Werke von Verena Kraft/Kurt Petz ("Der große Volksempfänger", 1994), Beate Passow ("Frau P.", 1994) und Matthias Wähner ("Das große Fressen/ein Abendmahl", 1989/90) kreisen um die Frage nach einer authentischen Erfahrung, indem sie Anleihen bei den Massenmedien machen und mit den technisch modernisierten Mitteln der Kunst Aussagen über die Wirklichkeit in ihren historischen und gesellschaftlichen, politisch-ökonomischen Dimensionen treffen. Stephan Hubers Installation "Die Wahrheit bin ich" (1994) stellt mit dem steil aufragenden herrschaftlichen Parkettfußboden und der am Boden liegenden klassizistischen Kassettendecke die Welt buchstäblich auf den Kopf. Andreas von Weizsäcker dokumentiert in "Gezeiten" (1994) anhand der Büsten von Leitfiguren des zerfallenen Ostblocks den Zusammenbruch des totalitären Staates und den Prozess des schnellen Vergessens, aber ebenso die verhängnisvolle Rolle des Künstlers als deren Propagandist.
Die ein Jahrzehnt später, um 1960 geborenen Künstler machen zwischen Realität und Fiktion keinen Unterschied mehr, sie scheinen sich mit dem Schwinden der Dinge abgefunden zu haben. Thomas Demands Fotografien von aus Papier gebauten Gegenständen und Räumen ("Zimmer", 1994) dokumentieren ebenso eine Scheinrealität wie Sabrina Hohmanns fotografisch präparierter Teppich ("Schritt um Schritt", 1994), der die Geschichte des Haus der Kunst einbezieht, oder Can Yasargils Installation aus Gummistiefeln "Ohne Titel (Haus)" (1994). Michael Weselys synthetische Fotoporträts aus der Reihe "Schule" (1994) stellen durch Mehrfachbelichtung Fragen nach der individuellen Identität. Den Körper als Konstrukt behandelt Sabine Groß in ihren "Farbcodetafeln I-VII" (1994), in denen der fehlende Körper durch Texteinschreibungen mit den Persönlichkeitsmerkmalen ersetzt wird. Auch Michaela Meliáns Wand mit den gestempelten Computerporträts (Goldman Bunke Moorman, 1994) zeugt von der Notwendigkeit einer Neufassung persönlicher Identität.

Der broschierte Katalog im kleinen Format umfasst 80 Seiten. Er zeigt auf dem roten Cover das Stummfilm-Foto einer Frau mit aufgerissenen Augen. Das Vorwort verfassten die Kuratoren Hubertus Gaßner und Bernhart Schwenk. Jedem der 14 Künstler ist ein Kapitel gewidmet, bestehend aus farbigen Abbildungen ihrer Arbeiten und einem kurzen Aufsatz. Im Anhang finden sich ihre Biografien sowie das Verzeichnis der 21 ausgestellten Werke.

Scharf im Schauen – Aktuelle Kunst in München, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1994, Foto Wilfried Petzi
Scharf im Schauen – Aktuelle Kunst in München, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1994, Foto Wilfried Petzi
Scharf im Schauen – Aktuelle Kunst in München, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1994, Foto Wilfried Petzi
Scharf im Schauen – Aktuelle Kunst in München, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1994, Foto Wilfried Petzi

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AUSSTELLUNG

Per Kirkeby — Vorahnung Nordpol.

16.11.94 – 15.01.95

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Magazin der Süddeutschen Zeitung, das in seiner alljährlichen Novemberausgabe "Nummer 46" den eigens dafür geschaffenen Zyklus nach Art eines mit Pastellkreide gezeichneten Bildromans präsentierte. MEHR


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Tivadar Kosztka Csontváry 1853–1919

18.11.94 – 29.01.95

Tivadar Kosztka Csontváry (1853–1919) gilt als einer der bedeutendsten Künstler Ungarns und als einer der eigenwilligsten Maler seiner Zeit. MEHR


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Widerstand — Denkbilder für die Zukunft

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20.05 – 14.08.94

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Roy Lichtenstein — Die Retrospektive.

14.10.94 – 08.01.95

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Die Münchner Schule 1850–1914

28.07 – 07.10.79

Die von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen organisierte Ausstellung widmete sich einer umfassenden Darstellung der Münchner Malerei zwischen 1850 und 1914. MEHR


Presseecho

Geschichten im Konflikt

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Entartete Kunst — Bildersturm vor 25 Jahren

Die Ausstellung erinnerte an die von Adolf Hitler angeordnete Femeausstellung "Entartete Kunst", die 1937 parallel zur pompösen Eröffnung des "Hauses der Deutschen Kunst" stattfand. MEHR


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Der Blaue Reiter München und die Kunst des 20. Jahrhunderts

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Aschemünder

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15.05 – 20.07.97

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Joel Shapiro

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Paul Klee — In der Maske des Mythos

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