Ein Blick für das Volk — Die Kunst für Alle

AUSSTELLUNG 14.06 – 03.09.06

Die Kunstzeitschrift mit dem programmatischen Titel "Die Kunst für Alle" erschien zwischen 1885 und 1944; sie steht im Mittelpunkt der Ausstellung "Ein Blick für das Volk". Durch Einsatz des neuen Mediums der fotografischen Bildreproduktion wurde vom Bruckmann-Verlag in München eine der auflagenstärksten Kunstzeitschriften herausgebracht, die sich über die gesellschaftlichen Veränderungen und die Umbrüche in der Kunst hinweg fast sechs Jahrzehnte lang halten konnte.
In der Verknüpfung von Marktinteressen und volkserzieherischen Gedanken liegt ein Spezifikum dieser Hefte. Kurze Artikel, häufig zu einzelnen zeitgenössischen Künstlern, kontrastieren mit einer reichen Bebilderung. Die Zeitschrift vertritt die populäre Kunst ihrer Zeit. Maler wie beispielsweise Hans Thoma, Franz von Defregger, Arthur Kampf, Gabriel Max, Anton von Werner oder Franz von Stuck sind Vertreter dieser Kunst.
Die Ausstellung "Ein Blick für das Volk. Die Kunst für Alle" bringt die Zeitschrift mit den in ihr veröffentlichten Gemälden zusammen. Besonders markante und typische Werke, die heute vielfach in Depots verwahrt werden, sind zu sehen. Dazu kommen Postkarten und Kunstdrucke, die als weitere Verwertungsformen die Bilder und ihre Motive "unters Volk" brachten. Der Fokus liegt auf dem Motiv des Volkes selbst. So zeigt die Ausstellung die Strategien der Maler, das Volk im Blick zu haben und ihm gleichzeitig einen Blick zu geben. Diese Strategien sind keineswegs so harmlos, wie manche Motive es scheinbar vermitteln. Durch die Kommentierung in der Zeitschrift können die Bilder in ihrer damaligen Deutung entschlüsselt werden. Die Kommentare jedoch beschwören Gesundheit, Rasse und Nation als die Grundlagen einer wahren Kunst – und liefern schon lange vor 1933 Blaupausen für die völkische Kunstpropaganda der Nationalsozialisten. Sie wurde unter direkter Einflussnahme Adolf Hitlers ab 1937 auf den "Großen Deutschen Kunstausstellungen" präsentiert.
Die Linie, die 1885 mit der Zeitschrift "Die Kunst für Alle" beginnt, führt am Ende zu den Werken der "Großen Deutschen Kunstausstellungen", aber auch zu dem hilflosen Versuch, einen bürgerlichen Kunstanspruch zu bewahren.

Weitere Informationen zur Ausstellung "Ein Blick für das Volk" sowie den digitalen Katalog zum Download und ein digitales Register der Zeitschrift "Die Kunst für Alle" erhalten Sie unter www.arthistoricum.net

Gabriel von Max, Kränzchen (Affen als Kunstrichter), um 1889, München, Bayerische Staatsgemäldesammlung, Neue Pinakothek
Gabriel von Max, Kränzchen (Affen als Kunstrichter), um 1889, München, Bayerische Staatsgemäldesammlung, Neue Pinakothek
Lovis Corinth, Kreuztragung, 1909, Frankfurt/Main, Städelsches Kunstinstitut
Lovis Corinth, Kreuztragung, 1909, Frankfurt/Main, Städelsches Kunstinstitut
Sascha Schneider, Vision des Propheten Ezechiel, 1895, Schwerin, Staatliches Museum, Foto Elke Walford
Sascha Schneider, Vision des Propheten Ezechiel, 1895, Schwerin, Staatliches Museum, Foto Elke Walford
Paul Wilhelm, Paar mit Früchten, 1910, Galerie Neue Meister, Staatliche Kunstsammlung Dresden, Foto Elke Estel / Hans-Peter Klut
Paul Wilhelm, Paar mit Früchten, 1910, Galerie Neue Meister, Staatliche Kunstsammlung Dresden, Foto Elke Estel / Hans-Peter Klut
Installationsansicht Ein Blick für das Volk. Die Kunst für Alle, Haus der Kunst, 2006, Foto Wilfried Petzi
Installationsansicht Ein Blick für das Volk. Die Kunst für Alle, Haus der Kunst, 2006, Foto Wilfried Petzi
Installationsansicht Ein Blick für das Volk. Die Kunst für Alle, Haus der Kunst, 2006, Foto Wilfried Petzi
Installationsansicht Ein Blick für das Volk. Die Kunst für Alle, Haus der Kunst, 2006, Foto Wilfried Petzi
Installationsansicht Ein Blick für das Volk. Die Kunst für Alle, Haus der Kunst, 2006, Foto Wilfried Petzi
Installationsansicht Ein Blick für das Volk. Die Kunst für Alle, Haus der Kunst, 2006, Foto Wilfried Petzi

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