Stephan von Huene — Tune the World. Die Retrospektive

AUSSTELLUNG 18.10.02 – 06.01.03

Die Werke des Künstlers Stephan von Huene (1932–2000) entziehen sich einer einfachen Kategorisierung. Nach dem Studium der Malerei und Kunstgeschichte in Los Angeles schuf der Deutsch-Amerikaner seit den 1960er-Jahren vorwiegend Klangskulpturen. Er experimentierte mit der synästhetischen Wahrnehmung, die dem Betrachter zugleich visuelle, akustische und körperliche Erfahrungen ermöglicht. Seit 1980 in Hamburg ansässig, engagierte sich Huene als Künstler und Hochschullehrer für die Medienkunst. Das Haus der Kunst widmet ihm als einem ihrer deutschen Wegbereiter kurz nach seinem Tod erstmals eine umfassende Retrospektive.
Anfang der 1960er-Jahre fertigt Huene erste Bilder mit Assemblagecharakter und groteske Skulpturen ("Presistent Yet Unsuccessful Swordsman", 1964). Charakteristisch ist der Einsatz einzelner aus Holz gefertigter Beine oder Arme, die, losgelöst vom menschlichen Körper, den Bezug zum Surrealismus erkennen lassen ("Tap Dancer", 1967). 1967 setzt die Reihe der audio-kinetischen Objekte mit "Kaleidophonic Dog" (1964–67) ein, in denen präzise kalkulierte Klangprozesse mit spektakulärer Schaulust verbunden werden. Neben akustischen Untersuchungen von Musikinstrumenten entstehen große technische Apparate wie der "Rosebud Annunciator" (1967–69) und die "Washboard Band" (1967). Eine neue Schaffensphase leiten die "Totem Tones" (1969–70) ein, in denen sich bedrohliche Brunft- und Todesschreie mischen und den Ausstellungsraum dominieren.
Als Huene infolge eines DAAD-Stipendiums nach Berlin übersiedelt, entstehen die "Text Tones" (1979–82), sechs Klangskulpturen in Form von Metallröhren, die auf Sockel montiert sind. In ihnen verbinden sich sonore musikalische Klänge mit den menschlichen Stimmen und Alltagsgeräuschen im Ausstellungsraum zu einem Klangteppich, der unsere Hörgewohnheiten herausfordert. Huene geht es um die Schwingungen, die zwischen dem Kunstwerk und dem Besucher entstehen: "Kunstwerke können verstummen, wenn keiner an ihnen vorbeigeht" – sie werden belebt durch den Betrachter, der damit zum Teil des Kunstwerks wird.
Seine Klangrecherchen setzt der Künstler mit dem Werk "Erweiterter Schwitters" (1987) fort, das basierend auf der Ursonate von Kurt Schwitters eine Gliederpuppe zeigt, die sich zu synthetisierten Klängen bewegt, und im selben Jahr auf der Documenta 8 präsentiert wird. Die mechanisch animierten Unterkörper der "Tischtänzer" (1988) runden das Schaffen des Künstlers Stephan von Huene ab und damit ein Oeuvre, in dem sich das fragmentierte Menschenbild der Moderne zeigt, das er zu überwinden sucht.

In Zusammenarbeit mit dem Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg, und der Kunsthalle Hamburg.

Der broschierte Katalog im DIN A4-Format zeigt auf dem Titel das Objekt "Der Mann von Jüterbog" (1995). Er umfasst 304 Seiten und ist mit zahlreichen Abbildungen illustriert. Die Aufsätze in Deutsch und Englisch stammen von Christoph Brockhaus, William Wilson, Joan La Barbara, Achatz von Müller, Martin Warnke, Wolfgang Kemp und Horst Bredekamp. Das Ausstellungsverzeichnis listet 24 Skulpturen sowie Zeichnungen und Grafiken und ist ergänzt durch Biografie und Bibliografie. Der Katalog dient zugleich als Werkverzeichnis (Petra von Oelschlägel), das auch die unvollendeten Werke einbezieht.

Stephan von Huene – Tune the World. Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Stephan von Huene – Tune the World. Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Stephan von Huene – Tune the World. Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Stephan von Huene – Tune the World. Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Stephan von Huene – Tune the World. Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Stephan von Huene – Tune the World. Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Stephan von Huene, ohne Titel, 1961, Privatsammlung © Nachlass Stephan von Huene
Stephan von Huene, ohne Titel, 1961, Privatsammlung © Nachlass Stephan von Huene
Stephan von Huene – Tune the World. Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Stephan von Huene – Tune the World. Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Stephan von Huene – Tune the World. Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Stephan von Huene – Tune the World. Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Stephan von Huene – Tune the World. Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Stephan von Huene – Tune the World. Die Retrospektive, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi

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