Die wahren Geschichten der Sophie Calle.

AUSSTELLUNG 26.08 – 12.11.00

Als die französische Konzeptkünstlerin Sophie Calle (geb. 1953) – deren Werk das Haus der Kunst mit einer ersten Retrospektive würdigt – 1979 von einer siebenjährigen Weltreise in die ihr fremd gewordene Stadt Paris zurückkehrte, begann sie als Autodidaktin, mit der Kamera Passanten zu beschatten. Bald darauf lud sie 45 ihr bekannte und unbekannte Menschen ein, in ihrem Bett zu übernachten, um sie zu fotografieren, zu beobachten und zu befragen. Es entstand die von Interviewtexten und Beschreibungen begleitete Foto-Serie "Die Schläfer" (1979). Die Strategie der Künstlerin war es, einen intimen Bereich öffentlich zu machen, der genügt, um sich mit Fantasie ein Bild zu machen. Sie kombiniert Formen der Verhaltensforschung mit detektivischen Mitteln wie Verfolgung und Spurensuche. Für die Arbeit "Der Schatten" (1981) beauftragte Calle ihre Mutter, einen Privatdetektiv zu engagieren, der sie einen Tag lang beschatten sollte. In der daraus entstandenen Installation stellt sie dem fotografischen Bericht des Detektivs ihre eigenen Beobachtungen gegenüber: Der Beobachtende wird zum Beobachteten und als dritte Instanz kommt der Ausstellungsbesucher als Betrachter ins Spiel. Die Suche nach der eigenen Identität zeichnet auch hier kein klares Bild. Niemals sieht man auf den Fotografien Sophie Calles Gesicht, nur als Schattengestalt zeigt sie sich in den Aufnahmen des Detektivs.
Immer offensiver verfolgte Sophie Calle ihre künstlerische Idee: 1983 nahm sie in Venedig eine Stelle als Zimmermädchen an und nutzte die Abwesenheit der Gäste, um die Zimmer nach privaten Utensilien zu durchforsten, Gegenstände, Kleider und Dokumente zu fotografieren, Briefe, Tagebucheintragungen und Terminkalender zu lesen, Taschen und Geldbeutel zu durchsuchen. Die Ergebnisse ihrer Spurensuche breitete sie im Rahmen ihrer Arbeit "Hotel" (1981) als Indizien für die Gewohnheiten, Lebensumstände, Vorlieben und Verhaltensweisen bestimmter Personen aus. Ihre Geschichte, ihr Bild, vervollständigt der Betrachter anhand von bestechend schönen Fotos als Voyeur einer intimen Szenerie. Dass es sich um reale Begebenheiten und nicht um eine Inszenierung handelt, ist für die Künstlerin und ihre Arbeit entscheidend.
Neben den Strategien der Beobachtung und Befragung vollführt die Künstlerin ein Rollenspiel, das sie zur Voyeurin, Detektivin, Journalistin, Drehbuchautorin und Regisseurin werden lässt. Die Regeln stellt sie selbst auf oder lässt sie sich auferlegen. Nachdem der amerikanische Schriftsteller Paul Auster Sophie Calle zum Vorbild für die Künstlerin in seinem Roman "Leviathan" nahm, schickte er ihr "persönliche Instruktionen für Sophie Calle, wie das Leben in New York zu verbessern ist." Eine der Aufgaben, die Paul Auster ihr stellte, lautete, sie möge sich selbst einen öffentlichen Raum in New York schaffen. Calle verschönerte eine Telefonzelle und verteilte Essen. "Resultate der Operation: 125 Lächeln gegeben, 72 empfangen. 2 Sandwiches akzeptiert, 10 zurückgewiesen". Daraus ging Calles Werk "Gotham Handbook" (1994/2000) hervor.
Immer stellt Calle Bild und Text gleichwertig nebeneinander. Die Schwarzweiß-Fotografien erinnern an Dokumentations- oder Beweisaufnahmen. Sophie Calle sieht sich als "erzählende Künstlerin" und betont, dass ihr die Inhalte ihrer Geschichten, die Recherche, die Erzählform und das Endergebnis gleich wichtig sind. Sie sucht sich für jede Arbeit neue Regeln, um dann die Situation entscheiden zu lassen. "Einmal angefangen, muss man den Regeln folgen, und wohin einen das führt, weiß man nicht."

In Zusammenarbeit mit dem Museum Fridericianum, Kassel.

Sophie Calle, aus der Serie
Sophie Calle, aus der Serie "B, C, W,", 1998, Galerie Arndt & Partner, Berlin, Foto Jean-Babptiste Mondino, Paris © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Sophie Calle, aus der Serie
Sophie Calle, aus der Serie "Der Schläfer", 1979, Collection Jay Chiat, New York © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Die wahren Geschichten der Sophie Calle, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi, alle Werke © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Die wahren Geschichten der Sophie Calle, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi, alle Werke © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Die wahren Geschichten der Sophie Calle, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi, alle Werke © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Die wahren Geschichten der Sophie Calle, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi, alle Werke © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Die wahren Geschichten der Sophie Calle, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi, alle Werke © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Die wahren Geschichten der Sophie Calle, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi, alle Werke © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Die wahren Geschichten der Sophie Calle, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi, alle Werke © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Die wahren Geschichten der Sophie Calle, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi, alle Werke © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Die wahren Geschichten der Sophie Calle, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi, alle Werke © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Die wahren Geschichten der Sophie Calle, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi, alle Werke © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000

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