Malerei und Skulptur im Wettstreit

AUSSTELLUNG 01.02 – 05.05.02

Das Nachdenken von Künstlern über ihr Medium ist so alt wie die Kunst selbst. Nicht nur gelehrte Diskussionen und literarische Abhandlungen machten die Kunst zu ihrem Thema, sondern immer wieder auch die Kunstwerke selbst. Das Porträt des Künstlers bei der Arbeit, die gemalte Bildergalerie oder der Sammler mit seinen Fundstücken sind Formen der Selbstdarstellung, die vom 15. bis zum 19. Jahrhundert vorkamen und von Künstlern aller Zeiten – von Dürer, Spranger, Giambologna über Francken, Rubens, Rembrandt, Ribera, Giordano und Bernini bis hin zu Falconet, Tiepolo, Watteau, Chardin, Turner und Daumier – aufgegriffen wurden. 
Wo es der Kunst seit der frühen Neuzeit um ihre Selbstdarstellung ging, spielte der Wettstreit (Paragone) zwischen den Gattungen Bildhauerei und Malerei eine zentrale Rolle. Im Bild des Menschen und der Welt konkurrierten sie um Realitätsnähe und Wirkungskraft ihrer Darstellungen und betrieben einen Wettbewerb, an dem auch die Zeichnung, die Architektur, die Musik und die Literatur teilnahmen. Die Ausstellung "Malerei und Skulptur im Wettstreit" legt den Schwerpunkt auf die Zeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, als Malerei, Grafik und Skulptur ihr Selbstverständnis aus der Abgrenzung von den anderen Künsten bezogen und den "Paragone"zum zentralen Motiv der Darstellung machten. Erstmals widmet sich eine Ausstellung umfassend dem Phänomen der Selbstdarstellung und Selbstreflexion der Künste im Bild. In vier Kapiteln werden die wesentlichen Themenkreise dargestellt. Den Ausgangspunkt bildet die Kunst des 16. Jahrhunderts. Antike Legendendarstellungen von Merkur und Athena-Minerva führen die Einheit der Künste auf dem Parnass vor, ehe sie zum Wettstreit um die überzeugendste Wiedergabe der Wirklichkeit antreten. Eine wichtige Rolle spielen hier die Künstler Apelles und Zeuxis sowie der Heilige Lukas mit seiner Wiedergabe der Madonna. 
Am Übergang zum 17. Jahrhundert konzentriert sich der Wettstreit auf die Allegorien der Malerei (Pictura) und der Skulptur (Sculptura) und stellt Idee und Entwurf, Wissenschaft und Freiheit der Kunst in den Mittelpunkt. Die Nachahmung der Natur und deren Überhöhung mit den Mitteln der Kunst findet als gemalte Theorie Eingang in verschiedene Themen. Dazu gehören etwa die Personifikationen der Künste bei der Arbeit, die Allegorien der Sinne, die Akademie- und Atelierdarstellungen, welche Skulptur und Malerei nicht mehr als Handwerk begreifen, sondern als freie Künste der geistigen Tätigkeit zuordnen. Selbstbildnisse, Galeriebilder sowie Atelier- und Akademieszenen demonstrieren den Geist und den Geschmack sowie den gestiegenen Status der Künstler und ihrer Kunden. Die Aufwertung künstlerischer Praxis spielt ebenso eine Rolle wie die Beziehung zu höfischen und bürgerlichen Auftraggebern und Sammlern oder das Verhältnis von Künstler und Modell. In den Galeriebildern und Sammlerporträts werden im 17. Jahrhundert häufig Kunstsammlungen wiedergegeben sowie der Verkauf von Kunstwerken dargestellt. Die kunsttheoretischen Diskussionen des 18. Jahrhunderts und die Kultur des Sammelns antiker Kunstwerke veranschaulichen die berühmten Bildwerke des Herkules Farnese, des Apoll und des Torso vom Belvedere ebenso wie das Motiv des Bildhauers Pygmalion, der die Skulptur der Galatea unter seinen Händen zum Leben erweckt. Mit Honoré Daumiers Travestien auf die klassischen Themen Laokoon und Pygmalion und ihren ironischen Zitaten endet die Ausstellung. 

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Wallraf-Richartz-Museum – Fondation Corboud, Köln.

Malerei und Skulptur im Wettstreit – Von Dürer bis Daumier, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Malerei und Skulptur im Wettstreit – Von Dürer bis Daumier, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Malerei und Skulptur im Wettstreit – Von Dürer bis Daumier, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Malerei und Skulptur im Wettstreit – Von Dürer bis Daumier, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Malerei und Skulptur im Wettstreit – Von Dürer bis Daumier, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Malerei und Skulptur im Wettstreit – Von Dürer bis Daumier, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Malerei und Skulptur im Wettstreit – Von Dürer bis Daumier, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Malerei und Skulptur im Wettstreit – Von Dürer bis Daumier, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Malerei und Skulptur im Wettstreit – Von Dürer bis Daumier, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Malerei und Skulptur im Wettstreit – Von Dürer bis Daumier, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Malerei und Skulptur im Wettstreit – Von Dürer bis Daumier, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Malerei und Skulptur im Wettstreit – Von Dürer bis Daumier, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi

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