Die Maler am Bauhaus

AUSSTELLUNG Mai bis Juni 1950

Das Bauhaus gilt als die bedeutendste Kunstschule des 20. Jahrhunderts. Es wurde 1919 unter der Leitung von Walter Gropius (1883–1969) in Weimar gegründet und seit 1925 in Dessau fortgeführt, bevor es 1933 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde. Zum Gründungskonzept gehörte, Bildende, Angewandte und Darstellende Kunst zu verbinden, um allen Künstlern und Handwerkern eine theoretisch fundierte Schulung in Farb- und Formenlehre zuteil werden zu lassen. Ziel war es, eine funktionalistische Formgebung von Industrieprodukten durchzusetzen und damit stilbildend auf die Gesellschaft einzuwirken. Der Einfluss des Bauhauses war so bedeutend, dass es seither häufig mit der Moderne schlechthin gleichgesetzt wird – auch im Jahr 1950 ein wichtiger Impuls für die Ausstellung "Die Maler am Bauhaus".
Die von Ludwig Grote organisierte Ausstellung mit 276 Gemälden, Zeichnungen, Aquarellen und Grafiken richtete das Augenmerk auf jene Maler, die zwischen 1919 und 1933 als Meister am Bauhaus lehrten. Der Kunsthistoriker Grote (1893–1974) war von 1924 bis 1933 Landeskonservator in Sachsen-Anhalt und als solcher eng in die Dessauer Verhandlungen mit dem Bauhaus einbezogen, bevor er 1933 aus dem Amt entlassen wurde. Nach dem Krieg zeigte er mehrere Aufsehen erregende Ausstellungen im Haus der Kunst (u.a. zum Blauen Reiter, Beckmann und Kokoschka). Sein Ausstellungskonzept hebt insbesondere die künstlerische Leistung von Wassily Kandinsky, Paul Klee, Lyonel Feininger und Oskar Schlemmer für den Bauhaus-Gedanken hervor. Er bezieht darüber hinaus die malerisch-grafischen Werke von Gerhard Marcks, Georg Muche und Laszlo Moholy-Nagy ebenso mit ein wie die Werke von Josef Albers, Herbert Bayer und Alfred Arndt, die bereits zur nächsten Bauhaus-Generation gehörten. Trotz ihrer unterschiedlichen stilistischen Ausrichtung verbindet die Künstler, so Grote, ein theoretisch fundiertes Kunstverständnis, das auf Ordnung, Klarheit und Gesetzmäßigkeit zielt. An der eigentlichen Produktion des Bauhauses nur indirekt beteiligt, war ihr Einfluss auf das geistige und schöpferische Klima von großer Bedeutung.
Wassily Kandinsky (1866–1944) war von 1922 bis 1933 als Lehrer für Wandmalerei am Bauhaus tätig und gab Unterricht in analytischem Zeichnen. Als Gründer des "Blauen Reiters" hatte er bereits um 1911 zur Abstraktion gefunden und mit seiner Schrift "Das Geistige in der Kunst" (1910) den Bauhaus-Gedanken vorbereitet. Grotes Ausstellung illustrierte anhand von rund 50 Werken Kandinskys mit vorwiegend geometrisch-konstruktiven Kompositionen – darunter "Spitzen im Bogen" (1927) – dessen kunstpädagogische Vorstellungen von malerischer Harmonielehre und Kontrapunktik, die er 1926 in der Bauhaus-Schrift "Punkt und Linie zu Fläche" beschrieben hat.
In seiner Bauhaus-Zeit zwischen 1921 und 1930 übernahm Paul Klee (1879–1940) als Meister zeitweise die Werkstätten für Buchbinderei, Goldschmiedekunst, Glasmalerei und Weberei. Zusätzlich gab er Unterricht in "Formlehre" und Aktzeichnen und leitete Malklassen. Seine Grundgedanken zu den bildnerischen Beziehungen von geometrischen Formen, Linien und Farben im Bildraum, bzw. ihre geistigen Ausdruckswerte im kosmischen Raum spiegeln sich auch im eigenen Werk jener Jahre. Neben dem Aquarell "Kojen" (1918) zeigte die Ausstellung rund 60 Arbeiten Paul Klees.
Lyonel Feininger (1871–1956), als erster Bauhaus-Meister und Leiter der Druckwerkstätten 1919 nach Weimar berufen und dort bis 1932 tätig, gestaltete mit seinem Holzschnitt "Kathedrale unter drei Sternen" (1919) das Sinnbild für das Bauhaus-Manifest – gilt doch die Kathedrale als Symbol für die Erneuerung der Kultur und als Gesamtkunstwerk, das alle Künste vereint. Unter den rund 40 Werken Feiningers in der Ausstellung, befanden sich neben dem berühmten Motiv des Kirchturms von "Gelmeroda VIII" (1921) zahlreiche Beispiele für seine visionären Architekturen und Meerlandschaften im typischen Prisma-Stil.
Von Oskar Schlemmer (1888–1943), Leiter der Werkstatt für Bildhauerei und Wandmalerei sowie für die Bauhaus-Bühne in den Jahren 1920 bis 1929, wurden rund 40 Bilder und Zeichnungen ausgestellt, die erkennen lassen, dass der Höhepunkt im Schaffen des vielseitigen Künstlers mit seinen Bauhaus-Jahren identisch ist. Wie das Aquarell "Fünf Frauen und Vorübergehender" (1925) zeigt, machte er in der Malerei ebenso wie in seiner berühmten Inszenierung des "Triadischen Balletts" (1926) die menschliche Figur zum Träger seiner Untersuchungen des Verhältnisses von Figur und Raum.

In der Ausstellung vertretene Künstler:
Josef Albers, Alfred Arndt, Herbert Bayer, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Gerhard Marcks, Laszlo Moholy-Nagy, Georg Muche, Oskar Schlemmer, Lothar Schreyer

Die Ausstellung wurde ermöglicht durch die Unterstützung von American Overseas Airlines sowie der illustrierten Wochenschrift "Quick".

Der vom Prestel Verlag München herausgegebene Katalog ist broschiert und umfasst ca. 60 Seiten. Das Titelblatt ist von Stefan P. Munsing (1915–1994) gestaltet, einem amerikanischen Innenarchitekten und Grafiker, der während des Zweiten Weltkriegs in Europa diente. Er wurde 1947 zum Direktor der Münchner Sammelstelle für Raubkunst und zum Direktor des neu gegründeten Amerikahauses ernannt und war Mitglied des Arbeitsausschusses der Ausstellung im Haus der Kunst. Das Cover zeigt die stilisierte Fassade des Bauhauses in Schwarz-Weiß und darauf in Rot den Titel der Ausstellung. Ludwig Grote verfasste das Vorwort und die Essays "Vom Bauhaus" und "Die Maler im Bauhaus". Der Katalog ist mit 32 s/w-Fotos und vier Farbabbildungen illustriert; eine Liste der gezeigten Werke findet sich im Anhang.

Wassily Kandinsky, Komposition VIII, 1923, New York, The Solomon R. Guggenheim Museum, New York © bpk Bildagentur

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Wege zur Abstraktion

12.08 – 09.10.88

Anstelle der wiederholten Präsentation berühmter Werke der Alten Kunst konzentrierte man sich in der Ausstellung auf "80 Meisterwerke" der Klassischen Moderne aus der Sammlung Thyssen-Bornemisza, um an ihnen die "Wege zur Abstraktion" exemplarisch nachzuvollziehen. MEHR


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Der Blaue Reiter München und die Kunst des 20. Jahrhunderts

Wenige Jahre nach Kriegsende rückte das Haus der Kunst mit der Ausstellung "Der Blaue Reiter" jene Kunst in den Mittelpunkt, die einst einen wesentlichen Anteil an der europäischen Avantgarde hatte und später als "entartet" diffamiert wurde. MEHR


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Lyonel Feininger

01.11.98 – 24.01.99

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Grotesk!

27.06 – 14.09.03

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Die Ausstellung rückte nicht nur die Gattung Bildhauerei in den Mittelpunkt, sondern auch deren Interpretation durch Künstler in europäischen Ländern. MEHR


AUSSTELLUNG

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24.03 – 13.05.73

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AUSSTELLUNG

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1977 ehrte das Haus der Kunst den Gründer des "Blauen Reiter" und Wegbereiter der Abstraktion als einen "prophetischen" Künstler, dessen "Bedeutung als Maler und Denker bis heute noch nicht gebührend gewürdigt worden ist". MEHR


AUSSTELLUNG

Elan Vital oder Das Auge des Eros.

20.05 – 14.08.94

Entsprechend der Vorstellung vom Leben als einheitlichem, aber verzweigten Strom verfolgt die Ausstellung das Phänomen der organischen Abstraktion bei Kandinsky, Klee, Arp, Miró und Calder zwischen 1920 und 1945. MEHR


AUSSTELLUNG

Paul Klee 1879–1940

10.10.70 – 03.01.71

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AUSSTELLUNG

Umbo

24.05 – 28.07.96

Otto Umbehr, genannt Umbo, gilt neben Laszlo Moholy-Nagy als einer der großen Fotografen des Weimarer Bauhauses. MEHR


AUSSTELLUNG

Paul Klee — In der Maske des Mythos

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AUSSTELLUNG

Julius Bissier 1893–1965

16.12.78 – 21.01.79

Mit Julius Bissier wählte man einen deutschen Künstler, dessen malerisches Werk aus der Stille der meditativen Versenkung schöpfte und in der radikalen Abstraktheit seiner Tuschzeichnungen erst um 1960 breitere Anerkennung fand. MEHR