Stories — Erzählstrukturen in der zeitgenössischen Kunst

AUSSTELLUNG 28.03 – 23.06.02

Der Mensch lernt durch Geschichten, definiert sich über Geschichten und denkt in Geschichten. So war das Erzählen in Bildern über Jahrhunderte hinweg eine der wichtigsten Aufgaben der Kunst. Seit der Antike wurden Geschichten aus den klassischen Götter- und Heldensagen, aus der griechischen und römischen Geschichte dargestellt, später aus dem Alten und Neuen Testament oder den Heiligenlegenden. Seit dem 17. Jahrhundert widmete man sich in der Genremalerei der Schilderung von alltäglichen Begebenheiten und in der Historienmalerei des 19. Jahrhunderts der Darstellung von geschichtlichen Ereignissen. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts verschwanden parallel zur Entwicklung der abstrakten Malerei die Geschichten aus der Kunst. Zwar rückten die Pop Art in den 1960er-Jahren und die sogenannte Narrative Art bzw. Story Art in den 1970er-Jahren den erzählerischen Aspekt in der Kunst für kurze Zeit wieder ins Zentrum des Interesses, doch fanden diese Tendenzen keinen wesentlichen Nachhall.
Erst seit Anfang der 1990er-Jahre beschäftigen sich Künstler wieder mit den Möglichkeiten, die der Einsatz von narrativen Elementen eröffnet. Sie greifen dabei nicht auf abgeschlossene Geschichten zurück, ihre Erzählweisen sind nicht linear, chronologisch und logisch, sondern gehen völlig frei mit Raum und Zeit um. Ihr Ziel ist die Kommunikation mit dem Betrachter, der zeitliche und kausale Ordnungen häufig selbst herstellen muss und sich so in der Rolle des Autors wiederfindet. 
Die Ausstellung gibt einen Einblick in den Facettenreichtum der Erzählweisen und die Vielfalt der Gattungen und Medien in der zeitgenössischen Kunst. Auch das Themenspektrum ist weit gefächert. So erzählen manche Künstler aus dem eigenen Leben (Calle, Emin, Grigely, Kentridge, Scurti), dem Erleben anderer (Harrison, Loktèv, Mik, Siekmann, Taylor-Wood), von historischen Ereignissen (Green, Merkel, Ohanian), von frei Erfundenem (Ahtila, Arrhenius, Brenner, Heisenberg, Henning, Hershman, M+M, Parreno, Tschäpe,) oder beziehen sich auf eine Erzählung aus Film und Literatur (Gaskell, O'Brien, Pettibon). Technisch lassen sich pluriszenische Einzelbilder und monoszenische Bildreihen unterscheiden, häufig finden wir den geschriebenen Text als Erzählmittel und seine Kombination mit Zeichnungen und Fotos. Video ist ein besonders geeignetes Medium, da es narrative Strukturen mit zeitlicher Entwicklung koppelt, und die Rauminstallation macht als Erzählraum die Unmittelbarkeit des Erlebten direkt erfahrbar. 
Die Künstler spielen mit der tiefen Sehnsucht des Menschen nach Geschichten. Der Betrachter wird zur Teilnahme aufgefordert, indem ihm neben der Position des Gegenübers die Rolle des Lesers zugewiesen wird, aber auch die des Regisseurs, des Detektivs oder des Autors. Für alle Werke jedoch gilt gleichermaßen: Ohne den Betrachter gibt es keine Geschichten.

Rachel Harrison, ohne Titel (aus der Serie Perth Amboy), 2001, Courtesy Grenne Naftali Gallery, New York
Rachel Harrison, ohne Titel (aus der Serie Perth Amboy), 2001, Courtesy Grenne Naftali Gallery, New York
M + M, Von Ohr zu Ohr – querdurch (Braincrossing), 2002, Courtesy M + M
M + M, Von Ohr zu Ohr – querdurch (Braincrossing), 2002, Courtesy M + M
Florian Merkel, Ruhm und Schönheit, 2002, Courtesy Galerie Wohnmaschine, Berlin
Florian Merkel, Ruhm und Schönheit, 2002, Courtesy Galerie Wohnmaschine, Berlin
Franck Scurti, Insert, 2001, Courtesy Galerie Anne de Villepoix, Paris © VG Bild-Kunst, Bonn, 2002
Franck Scurti, Insert, 2001, Courtesy Galerie Anne de Villepoix, Paris © VG Bild-Kunst, Bonn, 2002
Lars Arrhenius, The Man Without Qualities, 2001, Detail, Courtesy Galerie Magnus Karlson, Stockholm
Lars Arrhenius, The Man Without Qualities, 2001, Detail, Courtesy Galerie Magnus Karlson, Stockholm
Tracey Emin, Feeling Pregnant, 2000, Detail, Privatsammlung, Courtesy carlier/gebauer, Berlin © VG Bild-Kunst, Bonn, 2002, Foto Wilfried Petzi
Tracey Emin, Feeling Pregnant, 2000, Detail, Privatsammlung, Courtesy carlier/gebauer, Berlin © VG Bild-Kunst, Bonn, 2002, Foto Wilfried Petzi
Anna Gaskell, ohne Titel #49 (sally salt says), 1999, Collection Tony Podesta, Washington D.C. © Courtesy Casey Kaplan 10-6, New York
Anna Gaskell, ohne Titel #49 (sally salt says), 1999, Collection Tony Podesta, Washington D.C. © Courtesy Casey Kaplan 10-6, New York
Julia Loktev, Said in Passing, 2001, Courtesy Galerie griedervonputtkamer, Berlin, Foto Wilfried Petzi
Julia Loktev, Said in Passing, 2001, Courtesy Galerie griedervonputtkamer, Berlin, Foto Wilfried Petzi

Stretch your view


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AUSSTELLUNG

TALK. Show

08.10.99 – 09.01.00

Der Titel bezieht sich auf das Format der Unterhaltungssendung in Form eines Gesprächs, wie wir es aus dem Fernsehen kennen. Die wörtliche Übersetzung erschließt die Dimension, die für die Ausstellung von zentraler Bedeutung ist: "Sprechen.Zeigen". MEHR


AUSSTELLUNG

Cardiff & Miller — Werke aus der Sammlung Goetz

13.04 – 08.07.12

Die Ausstellung zeigt acht Arbeiten des kanadischen Künstler-Duos Janet Cardiff und George Bures Miller, die durch die Kombination von Bild, Ton und nachgebildeten Räumen möglichst viele Sinne des Betrachters ansprechen, um das Geschehen so real wie möglich erscheinen zu lassen. 2012 nahmen Cardiff/Miller an der dOCUMENTA (13) in Kassel teil. MEHR


AUSSTELLUNG

Hughie O'Donoghue

10.01 – 11.02.97

Wie Francis Bacon, konzentriert sich auch Hughie O'Donoghue auf den menschlichen Körper, seine Fleischlichkeit, Verwundbarkeit und sinnliche Kraft. MEHR


AUSSTELLUNG

Das zweite Gesicht

14.02 – 27.04.97

Als Sammlung afrikanischer Skulptur dokumentiert die Sammlung Barbier-Mueller den Schwarzen Kontinent in seinem schöpferischen Reichtum so lückenlos wie kaum eine andere. MEHR


AUSSTELLUNG

Beauty now

10.02 – 01.05.00

Lange Zeit war das Schöne keine Kategorie der modernen Kunst – Mode, Werbung und Massenmedien hatten es für sich beansprucht. Seit einigen Jahren jedoch zeichnet sich die Rückkehr der Schönheit in die Kunst der Gegenwart ab. MEHR


AUSSTELLUNG

Julião Sarmento

24.10.97 – 18.01.98

Julião Sarmento gilt als einer der bedeutendsten portugiesischen Künstler der Gegenwart. Mit rund 80 Gemälden bietet die Ausstellung im Haus der Kunst einen Überblick über sein bisheriges Schaffen. MEHR


AUSSTELLUNG

Mythos Weimar

15.05 – 27.06.99

Anlässlich des 250. Geburtstags des Dichters Johann Wolfgang von Goethe begab sich die Fotografin Ute Klophaus 1998 in Weimar auf seine Spuren und schuf ein Porträt der Stadt. MEHR


AUSSTELLUNG

Imi Knoebel

23.08 – 20.10.96

Imi Knoebel zählt zu den wichtigsten deutschen Künstlern der Generation nach Joseph Beuys. Die Ausstellung stellt als erste große Retrospektive dieses Künstlers sämtliche Werkphasen vor. MEHR


AUSSTELLUNG

Thomas Mayfried

21.05 – 22.08.10

2003 wurden neben bildender Kunst auch Architektur, Design, Mode, Film und Fotografie zu programmatischen Schwerpunkten des Haus der Kunst. Dem erweiterten Programm folgte ein neues Erscheinungsbild von Thomas Mayfried. Die Ausstellung ermöglicht einen Blick in das Studio des Designers und zeigt den Prozess des Entwerfens; sie stellt Einflüsse und Favourites vor. MEHR


AUSSTELLUNG

Hand-Arbeit

02.12.00 – 18.03.01

Unter dem mehrdeutigen Titel "Hand-Arbeit" rückt die Ausstellung den Anteil der Hand an Malerei und Bildhauerei in den Mittelpunkt der Kunstbetrachtung. MEHR


AUSSTELLUNG

Robert Ryman

08.12.00 – 18.02.01

Der amerikanische Künstler Robert Ryman zählt zu den Klassikern der Malerei des 20. Jahrhunderts. Mit Räumen von Ariane Epars, Clay Ketter, Albert Weis, Beat Zoderer MEHR


AUSSTELLUNG

Kurt Schwitters

09.03 – 27.05.01

Die Ausstellung ist eine umfangreiche Retrospektive des Künstlers und Antikünstlers, des Revolutionärs und Traditionalisten, des Bürgerschrecks und Kleinbürgers Kurt Schwitters. MEHR


AUSSTELLUNG

Sean Scully

14.06 – 16.09.01

Im Zentrum der Ausstellung im Haus der Kunst, die rund 100 Gemälde, Pastelle, Aquarelle und Fotografien zeigt, steht Sean Scullys Schaffen in den 1990er-Jahren. MEHR


AUSSTELLUNG

Jana Sterbak

21.06 – 22.09.02

Die Objekte Jana Sterbaks bewegen sich im Grenzbereich von Installation, Performance, Video und Film. Die Retrospektive zeigt Arbeiten Jana Sterbaks aus den Jahren 1974-2001. MEHR


AUSSTELLUNG

Allora & Calzadilla

13.06 – 14.09.08

Das in Puerto Rico lebende Künstlerpaar Jennifer Allora und Guillermo Calzadilla arbeitet in den unterschiedlichsten künstlerischen Medien. In der ehemaligen "Ehrenhalle" des Haus der Kunst präsentieren Allora & Calzadilla nun eine Arbeit, die sich mit der Geschichte dieses Raums befasst. MEHR


AUSSTELLUNG

Michel François

15.12.00 – 04.03.01

Der belgische Künstler Michel François spielt mit dem von Carlos Castaneda entlehnten Ausstellungstitel "La plante en nous – Die Pflanze in uns" auf dessen Erfahrungen mit bewusstseinserweiternden Halluzinogenen an. MEHR


AUSSTELLUNG

Neo Rauch — Randgebiet

16.03 – 27.05.01

Die nach dem Bildtitel "Randgebiet" (1999) benannte Ausstellung vereint rund 40 Hauptwerke der vergangenen sieben Jahre und bietet so erstmalig einen Überblick über Neo Rauchs malerisches Schaffen. MEHR


AUSSTELLUNG

Mike Kelley — Katholische Vorlieben.

11.02 – 17.04.95

Mike Kelley hat mit seinen Installationen und Performances der amerikanischen Gegenwartskunst einen Stachel ins Fleisch getrieben. MEHR


AUSSTELLUNG

Ends of the Earth

11.10.12 – 20.01.13

Als erste große Museumsausstellung über Land Art liefert "Ends of the Earth" den bisher umfassendsten Überblick über die Kunstbewegung, die die Erde als Material benutzte und das Land als Medium. Sie zeigt rund 200 Arbeiten von über 100 Künstlern, die außerhalb der vertrauten Handlungsräume des Kunstsystems entstanden. MEHR