Moderne Französische Malerei von den Impressionisten bis zur Gegenwart

AUSSTELLUNG Ende 1946 — März 1947

Zwei Jahre nach dem Krieg bot die vom französischen Kultusministerium zusammengestellte Ausstellung "Moderne französische Malerei" im Haus der Kunst den Deutschen Gelegenheit, ihre von Hitler geschürten Ressentiments gegen den ehemaligen Feind aufzugeben. Der von den Nationalsozialisten verfemte Kulturhistoriker und spätere französische Botschafter Wilhelm Hausenstein erinnert in seinem Katalogbeitrag "München und das Französische" an all jene Münchner Künstler, die in Frankreich ausgebildet wurden und nachfolgend die Bau- und Kunstgeschichte der bayerischen Hauptstadt prägten – von Joseph Effner und Francois Cuvilliés bis zu Carl Spitzweg und Wilhelm Leibl. In der Einleitung zum bescheidenen Katalog, der ganz auf Abbildungen verzichtet, zeichnet Jean Cassou, Direktor des Pariser Nationalmuseums für Moderne Kunst, anhand von 180 Gemälden und Zeichnungen namhafter französischer Künstler die Kunstentwicklung in Frankreich "Von den Impressionisten bis zur Gegenwart" nach.
Ausgehend von Jean-Auguste-Dominique Ingres und Eugène Delacroix als Vertretern des französischen Klassizismus und der Romantik im 19. Jahrhundert, entstanden mit dem Realismus und dem Impressionismus zwei parallel verlaufende Stilrichtungen, die den Beginn der Moderne markieren. Auguste Renoir, Claude Monet, Camille Pissarro und Edouard Manet gelten als die Hauptvertreter einer neuen, durch die Pleinair-Malerei der "Schule von Barbizon" vorbereiteten Stilrichtung. Ihre Werke zeugen von der Abkehr vom Gegenstand zugunsten des Interesses am Augenblick und seinem spezifischen Licht. Als Wegbereiter der Moderne gilt auch Paul Cézanne, dessen "Bahndurchstich" (um 1870) seine Auffassung von der konstruktiven Funktion von Form und Farbe erkennen lässt. Während die Künstlergruppe der "Nabis" mit Pierre Bonnard ("Femme devant un miroir", um 1908), Edouard Vuillard, Maurice Denis, Paul Sérusier u.a. die Auflösung des gegenständlichen Motivs in farbigen Bildflächen zelebrierte, suchte die folgende Generation von französischen Malern durch die abstrahierende Vereinfachung der Bildmittel zum Ausdruck von Empfindungen zu gelangen. In Paul Gauguins Motiven aus Tahiti sind es große, durch Konturen begrenzte Farbflächen, während sich Vincent van Goghs Bilder von Arles durch leidenschaftliche Bewegtheit auszeichnen. Beide bereiteten den Boden für den Expressionismus und den Fauvismus, zu dem sich ab 1905 Künstler wie Raoul Dufy und Albert Marquet um Henri Matisse scharten, der mit seinen Darstellungen von Frauen auf flächig-ornamentalem Grund der autonomen Farbgebung den Weg bahnte ("Figure décorative sur fond fleuri", 1925/26).
Mit einer lebhaften Kunstszene um Pablo Picasso, Georges Braque, Amedeo Modigliani, Giorgio de Chirico, Chaim Soutine, Marc Chagall und Max Ernst etablierte sich zu Anfang des 20. Jahrhunderts die "École de Paris" und trug dazu bei, dass die französische Hauptstadt zum europäischen Zentrum der Kunst avancierte. Dem von Picasso propagierten Kubismus ("Tête de femme", 1903) stand eine neue Figuration entgegen, wie sie sich in dem von Max Ernst vertretenen Surrealismus manifestierte ("Ils sont restés dormir en forêt trop longtemps", 1926). Mit einem abstrakten Bild von Jean Fautrier als Vertreter des französischen Informel schließt der Überblick über die "Moderne französische Malerei" die Ausstellung ab. Als Resümee zieht Direktor Jean Cassou den Schluss, dass "Unruhe und Bewegung die bleibenden Kennzeichen unserer modernen Malerei" sind. Wilhelm Hausenstein hingegen sieht in Urbanität, Geschmack und dem Sinn für Tradition den Grund für den unvergleichlichen "esprit de corps" der französischen Künstler.

Der Katalog im broschierten DIN A5-Format umfasst 35 Seiten. Den einleitenden Text verfasste Jean Cassou, Direktor des Nationalmuseums für Moderne Kunst, Paris. Der Kunsthistoriker Wilhelm Hausenstein schrieb über "München und das Französische". Das Verzeichnis der ausgestellten Werke im Anhang führt in alphabetischer Reihenfolge die etwa 100 beteiligten Künstler und ca. 180 Titel auf (ohne Angabe von Datum, Technik und Maßen). 

In der Ausstellung vertretene Künstler:
Maurice Asselin, Jean Aujame, André Bauchant, Jean Bazaine, André Beaudin, Christian Bérard, Paul Bercot, Bermann, Emile Bernard, Camille Bombois, Pierre Bonnard, Eugène Boudin, J. L. Boussingault, Georges Braque, Yves Brayer, Maurice Brianchon, Cavailles, Edmond Céria, Paul Cézanne, Marc Chagall, Giorgio de Chirico, Louis Corbellini, Lucien Coutaud, Salvador Dalí, Edgar Degas, Maurice Denis, Francois Desnoyer, Jean Deyrolle, Charles Dufresne, Raoul Dufy, Max Ernst, Georges D'Espagnat, Maurice Estève, Jean Eve, Fautrier, André Fougeron, Paul Gauguin, Léon Gischia, Edouard Goerg, Vincent van Gogh, Robert Grange, Juan Gris, Marcel Gromaire, Francis Gruber, J. B. Guillaumin, Henri Héraut, Pierre Ino, Jannot, Eugène de Kermadec, Jean Lafont, Roger de La Fresnaye, Pierre Laprade, Marie Laurencin, Henri Lebasque, Jules Lefranc, Fernand Léger, Léonide, André Lhote, Gustave Loiseau, Robert Lotiron, Jean Lurcat, Aristide Maillol, Alfred Manessier, Edouard Manet, Albert Marchand, Albert Marquet, André Masson, Henri Matisse, Maufra, Jean Metzinger, Amedeo Modigliani, Claude Monet, Adolphe Monticelli, Moret, Berthe Morisot, Jules Pascin, A. de la Patellière, Pablo Picasso, Edouard Pignon, Camille Pissarro, André Planson, Quizet, J. F. Raffaelli, Odilon Redon, Auguste Renoir, Rimbert, Gabriel Robin, Georges Rouault, X. K. Roussel, Henri Rousseau, Gaston Louis Roux, Pierre Roy, Emile Sabouraud, Paul Sérusier, Paul Signac, Gustave Singier, Alfred Sisley, Chaim Soutine, Jean Souverbie, Francis Tailleux, Touchagues, Henri de Toulouse-Lautrec, Maurice Utrillo, Suzanne Valadon, Louis Valtat, Jacques Villon, Louis Vivin, Edmond Vuillard, Henri de Waroquier

Moderne Französische Malerei von den Impressionisten bis zur Gegenwart, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1947, Foto Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München

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AUSSTELLUNG

Paul Cézanne 1839–1906

Der 50. Todestag Cézannes bot im Jahr 1956 Gelegenheit, zu Ehren des Malers eine Retrospektive auszurichten und mit ihr die Reihe von Ausstellungen wegweisender Künstlerpersönlichkeiten der Moderne fortzusetzen. MEHR


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Giorgio de Chirico — Der Metaphysiker

17.11.82 – 30.01.83

Die Retrospektive über Giorgio de Chirico zeichnet das Oeuvre des Künstlers bis in die 1930er-Jahre nach, wo der kurzzeitig intensivierte Kontakt des Künstlers zu den Pariser Surrealisten eine neue malerische Orientierung mit sich brachte. MEHR


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Barnes Collection

23.06 – 22.10.95

Die Ausstellung zeigt die legendäre Sammlung moderner Kunst, die Alfred C. Barnes zusammengetragen hat. Gezeigt werden berühmte Schlüsselwerke der rund 2000 Werke umfassenden Sammlung. MEHR


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Kunst über Grenzen

07.03 – 30.05.99

Die Ausstellung charakterisiert die Sammlung des Schweizers Josef Müller, die zu den bedeutendsten privaten Kunstsammlungen der Welt gehörte. MEHR


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Französische Meisterwerke

07.10.05 – 08.01.06

Das groß angelegte deutsch-französische Ausstellungsprojekt bietet erstmals einen facettenreichen Einblick in die Geschichte der französischen Malerei von der Caravaggio-Nachfolge bis zu den neoklassizistischen Künstlern um 1800. MEHR


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Picasso 1900–1955

Die Ausstellung vollzog die künstlerische Entwicklung Pablo Picassos anhand von insgesamt 256 Gemälden, Zeichnungen, Grafiken, Skulpturen und Keramiken nach. MEHR


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Dora Maar

13.10.01 – 06.01.02

Bekannt als Gefährtin, Modell und Muse Pablo Picassos und als solche Motiv vieler seiner berühmtesten Bilder, wird allzu oft außer Acht gelassen, dass Dora Maar selbst eine herausragende Künstlerin war. MEHR


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Werke Europäischer Plastik

Die Ausstellung rückte nicht nur die Gattung Bildhauerei in den Mittelpunkt, sondern auch deren Interpretation durch Künstler in europäischen Ländern. MEHR


AUSSTELLUNG

Vincent van Gogh 1853–1890

Als einem der populärsten Maler in Deutschland und als Wegbereiter der Moderne widmete das Haus der Kunst Vincent van Gogh 1956 eine Retrospektive mit einer Auswahl von 166 Werken. MEHR


AUSSTELLUNG

Henri de Toulouse-Lautrec

In Zusammenarbeit mit dem Musée Toulouse-Lautrec gedachte das Haus der Kunst des großen französischen Malers und Begründers der Plakatkunst. Ein Kritiker hatte ihm bereits zu Lebzeiten vorausgesagt: "Er ist klein, und er wird Großes vollbringen". MEHR


AUSSTELLUNG

Georges Braque

Die Retrospektive zum Werk von Georges Braque erhielt durch den Tod des Künstlers wenige Monate vor der Eröffnung besondere Aktualität. MEHR


AUSSTELLUNG

Joan Miró

Anhand von 238 Objekten – neben 118 Gemälden eine Vielzahl von Gouachen, Collagen, Druckgrafiken, Skulpturen, Keramiken und illustrierten Büchern – umriss die Ausstellung die Etappen von Mirós bis dato fünfzigjährigem Schaffen. MEHR


AUSSTELLUNG

Fernand Léger 1881–1955

Ein Jahr nach seinem Tod widmete das Musée des Arts Décoratifs in Paris dem Künstler Fernand Léger eine Ausstellung seiner Gemälde und Zeichnungen. MEHR


AUSSTELLUNG

Eine Reise ins Ungewisse

06.02 – 03.05.98

München ist der Ort, an dem die Fäden der Künstlerbiografien und die Linien der Werkentwicklung von Arnold Böcklin, Giorgio de Chirico und Max Ernst zusammenlaufen. MEHR


AUSSTELLUNG

Marc Chagall

Mit der Fülle von Leihgaben aus aller Welt wollte man die ganze Breite von Chagalls vielfältigem Oeuvre abdecken und zugleich "die innere Einheit, das in jedem Bild zutage tretende unverwechselbare Wesen dieses großen Künstlers" begreifbar machen. MEHR


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Wege zur Abstraktion

12.08 – 09.10.88

Anstelle der wiederholten Präsentation berühmter Werke der Alten Kunst konzentrierte man sich in der Ausstellung auf "80 Meisterwerke" der Klassischen Moderne aus der Sammlung Thyssen-Bornemisza, um an ihnen die "Wege zur Abstraktion" exemplarisch nachzuvollziehen. MEHR


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Corot, Courbet und die Maler von Barbizon.

04.02 – 21.04.96

250 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Grafiken bezeugen ein neues Naturverständnis, das die Voraussetzung für die Malerei des Impressionismus und der Moderne in Europa geschaffen hat. MEHR


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Lovis Corinth — Retrospektive

04.05.96 – 21.07.97

In der ambivalenten Stellung zwischen Tradition und Moderne entfaltet Lovis Corinths Werk seinen Facettenreichtum in einem breiten Themenspektrum. MEHR


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Tivadar Kosztka Csontváry 1853–1919

18.11.94 – 29.01.95

Tivadar Kosztka Csontváry (1853–1919) gilt als einer der bedeutendsten Künstler Ungarns und als einer der eigenwilligsten Maler seiner Zeit. MEHR


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Spuren des Geistigen

19.09.08 – 11.01.09

Ausgehend von der Mystik im Werk eines Caspar David Friedrich führte die künstlerische Suche nach geistigen und spirituellen Inhalten im Laufe des 20. Jahrhunderts zu herausragenden künstlerischen Positionen, die versuchten, dem Kosmischen und Unendlichen Ausdruck zu verleihen. MEHR