Ausstellung Bayerischer Gemälde des 15. und 16. Jahrhunderts

AUSSTELLUNG 17.01.1946 — Sommer 1946

Kurz nach dem Krieg und der Zerstörung der Münchner Pinakotheken galt es, die hochkarätigen Bildbestände im Rahmen einer Ausstellung erstmals wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Gerade an einem Ort wie dem Haus der Kunst, an dem sich – so Eberhard Hanfstaengl im Vorwort zur Ausstellungsbroschüre – "manche für das Kunstleben unerfreuliche Dinge zugetragen haben", wollte man ein Zeichen für einen "künftigen völkerversöhnenden Frieden" setzen, "der auch Schutz gewährt einer freien, lebensvollen Kunst und ihren geschichtlichen Denkmälern".
Der Mittelalterexperte Peter Halm begründet die Auswahl der Werke mit den im 15. und 16. Jahrhundert gültigen geografischen Grenzen Bayerns. Innerhalb dieser Grenzen haben die drei "Volksstämme" der Bayern, Franken und Schwaben stilistische Eigenarten entwickelt, die als "Schulen" in Erscheinung treten. Die Ausstellung konzentriert sich dabei auf einen Zeitraum von rund 150 Jahren, vom frühen 15. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Sie illustriert anhand von rund 50 Künstlern und ihren Werken eine Epoche des geistigen und künstlerischen Wandels, in deren Verlauf sich der Künstler aus der Gebundenheit des mittelalterlichen Denkens löst und als Einzelpersönlichkeit in ein bewussteres Verhältnis zu seiner Umwelt tritt.
Der Münchner Maler Jan Polack ("Das Bärenwunder", 1489) vertritt ebenso wie der altbayerische Meister der Pollinger Tafeln ("Geburt Christi", um 1450) die Kunst der Spätgotik, die im thematischen Bezug zur christlichen Heilsgeschichte und der funktionalen Bestimmung als Altarschmuck noch vorwiegend kirchlich geprägt war. Innerhalb der bayerischen Kulturlandschaften haben vor allem die Städte die künstlerischen Kräfte an sich gezogen. In Schwaben trat die Memminger Künstlerfamilie Strigel hervor, während in Augsburg Hans Burgkmeier und Hans Holbein d. Ä. ("Darbringung im Tempel", Kaisheimer Altar, um 1502) ihre biblischen Darstellungen mit neuem Realismus füllten und den Weg zur Renaissance bereiteten.
Der bayerische Herzogshof in München beschäftigte eine Reihe einheimischer und zugewanderter Künstler. In diesem Rahmen entstand auch die "Alexanderschlacht" (1528/29) von der Hand des Regensburgers Albrecht Altdorfer, welche Wilhelm V. von Bayern in Auftrag gegeben hatte. Darin kommt, durch die Verbindung von dramatischem Schlachtengetümmel und himmlischen Erscheinungen ein neues, überhistorisches Weltgefühl zum Ausdruck.
Auf der Grundlage der höfischen bürgerlichen Kultur und der humanistischen Gelehrsamkeit brachte die Kunst der Renaissance im 16. Jahrhundert eine Erweiterung der Bildgattungen durch Bildnis, Historie, Allegorie und Landschaft mit sich. In Franken setzten Matthias Grünwald ("St. Erasmus und Mauritius", 1520–24) und Albrecht Dürer mit seinen "Vier Aposteln" (1526) revolutionäre Maßstäbe. Aus dem Geist der Reformation geschaffen, waren diese weder formal noch inhaltlich für kirchliche Zwecke bestimmt, sondern sollten in Zeiten religiös-politischer Wirrnis zur Mahnung dienen. In ihnen erweitert sich das Nationale zum Übernationalen und gerät zur Selbstdarstellung des abendländischen Geistes. Hier kulminiert das Ziel der Ausstellung "Bayerischer Gemälde des 15. und 16. Jahrhunderts", indem es den Blick eröffnet "in die Mitte einer jener Epochen, in der die deutsche Kunst sich zu europäischer Bedeutung erhoben hat".

Die Broschüre im DIN A5-Format (Bruckmann Verlag) umfasst 35 Seiten Text sowie 16 Seiten mit Abbildungen. Das Vorwort verfasste Eberhard Hanfstaengl, die Einführung stammt von Peter Halm. Die alphabetische Liste der Künstler und ihrer Werke umfasst etwa 50 Namen, sie ist durch 32 s/w-Abbildungen illustriert, darunter drei Fotos von der Ausstellung.

Ausstellung Bayerischer Gemälde des 15. und 16. Jahrhunderts, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1946, Foto Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München

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