Das Automobil in der Kunst 1886-1986

AUSSTELLUNG 09.08 – 05.10.86

Das hundertjährige Jubiläum führte zur Überlegung, dass das Automobil seit seiner Erfindung 1886 "nicht nur Geschichte, sondern auch Kunstgeschichte gemacht hat." Die Ausstellung rückte damit ein Produkt der Massenindustrie in den Blickpunkt, das bis dato als trivial angesehen wurde, auch wenn es vielfach als Motiv der Kunst aller Stilrichtungen auftauchte. Der Kurator Reimar Zeller führte hierzu Beispiele aus Malerei, Grafik, Skulptur, Happening, Plakat, Karikatur, Fotografie, Design und Architektur zusammen. Er spannte den Bogen vom frühesten Auftauchen des Autos in der Malerei über den Autokult in Art Déco und Fotorealismus bis zur Transformation des Mythos im Nouveau Réalisme und Happening. Ziel der Ausstellung war nicht eine "Verherrlichung chromblitzenden Blechs", sondern auch die Darstellung der Kehrseite und Negation, wie sie sich etwa in den "Autokompressionen" des Künstlers César niederschlug.
Der Zeitgeist einer Technisierung der Umwelt schlägt sich – nach der Faszination der Impressionisten für Bahnhof, Lokomotive, Dampfschiff – zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch im Motiv des Automobils nieder. Roger de la Fresnaye stellt es in den Mittelpunkt eines Jugendstil-Gemäldes (Akazienallee im Bois de Boulogne, 1908), für die Expressionisten ist es Symbol für das Großstadtleben (Lesser Ury, Paris, Champs-Élysées, 1928) und den Futuristen dient es zur Visualisierung von Tempo (Luigi Russolo, Dynamismus eines Automobils, 1911). Ob im Konstruktivismus, im Surrealismus (René Magritte, Der Zorn der Götter, 1960) oder in der Neuen Sachlichkeit (Tamara de Lempicka, Selbstporträt im Auto, 1928) – das Auto avanciert zum ikonografischen Sujet. Es dient den Künstlern allenthalben als Sinnbild der Moderne in ihrer Ambivalenz zwischen Fortschrittsglauben und -skepsis, zwischen Realismus und Abstraktion.
Nach Zerstörung und Wiederaufbau erreicht das Automobil ab 1945 in Europa zu einer einzigartigen Symbolfunktion im Streben nach Freiheit, Wohlstand und Erfolg. Da abstrakte und informelle Tendenzen der Nachkriegskunst nicht in Frage kommen, gelangt das Auto erst in der Pop Art zu neuen Ehren, einer Kunstrichtung, die ein Zeitbild anhand der Alltagsgegenstände der Massenkultur und Konsumwelt entwirft. Mel Ramos, Tom Wesselmann und Robert Rauschenberg haben ihm mit großflächigen, plakativen und bunten Bildern ebenso gehuldigt wie die deutschen Künstler Sigmar Polke und Konrad Klapheck, während Andy Warhol die Kehrseite des Mythos in Form eines Verkehrsunfalls zeigt (Grünes Desaster, 1963). Die Darstellungen der 1970er- und 1980er-Jahre hingegen sind eher geprägt von der Umweltthematik und der Diskussion um die "Vernichtung von Lebensraum" (Martin Kippenberger, Kein Capri bei Nacht, 1981).
Der Katalog enthält zahlreiche Aufsätze unterschiedlicher Autoren. Einleitend skizziert Hermann Glaser "die Kulturgeschichte des Automobils" von seiner Erfindung durch Carl Benz im Jahr 1886 als dreirädriges Benzin-Fahrzeug mit Motor und einer Leistung von 0,9 PS über das Blühen des "Mythos Auto" als Utopie von Freiheit, Leichtigkeit und Mobilität bis zur Krise des automobilen Verkehrs in den 1980er-Jahren. Ekkehard Mai fasst die grundsätzliche Darstellung des "Automobils in Malerei, Zeichnung und Grafik" zusammen. Raimar Zeller befasst sich in einem weiterführenden Aufsatz mit "Skulpturen, Installationen und Happenings". Er schlägt den Bogen von den Kühlerfiguren, über die Auto-Skulpturen von Panamarenko, Chamberlain und Vostell bis zum Happening von Allan Kaprow, das dieser 1961 mit  Autoreifen inszenierte (Hof, 1961). Andere Beiträge befassen sich mit dem Autodesign (Ralf J. F. Kieselbach), der Bedeutung der "Automobilmachung" für die Architekten (Wolfgang Pehnt), der Verbindung des Autos zu "Schönen Mädchen" (Elke Pflugradt) sowie den Bezügen zwischen "Auto, Gesellschaft und Kunst" (Thomas Krämer-Badoni).
Dem mit 236 Abbildungen großzügig bebilderten Katalog ist außerdem eine Anthologie von Originaltexten folgender Künstler angefügt: F. T. Marinetti, Walter Gropius, J. J. P. Oud, Kurt Schwitters, Bruno Munari, Alberto Giacometti, Wolf Vostell, Arman, Friedensreich Hundertwasser und Allen Kaprow. 

Die Ausstellung wurde von BMW München gefördert.

Der broschierte Katalog im DIN A4-Format zeigt auf dem Cover das Gemälde "Der Zorn der Götter" von René Magritte (1960). Er wurde von Reimar Zeller herausgegeben und umfasst insgesamt 350 Seiten. Neben einem Vorwort von Hermann Glaser enthält der Katalog Aufsätze von: Ekkehard Mai, Ruth Malhotra, Ingeborg Güssow, L. Fritz Gruber, Ralf Kieselbach, Wolfgang Pehnt, Elke Pflugradt und Thomas Krämer-Badoni. Der Katalog umfasst 236 Objekte aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Grafik, Skulptur, Happening, Plakat, Karikatur, Fotografie, Trivialkunst, Design und Architektur; diese sind durch zahlreiche Farb- und s/w-Abbildungen illustriert.

Roger de la Fresnaye, Akazienallee im Bois de Boulogne, 1908, Musee de la Ville de Paris, Musee Carnavalet, Paris © Bridgeman Images
Roger de la Fresnaye, Akazienallee im Bois de Boulogne, 1908, Musee de la Ville de Paris, Musee Carnavalet, Paris © Bridgeman Images
James Rosenquist, Der gewählte President, 1960-61, Musee National d'Art Moderne, Centre Pompidou, Paris ©  bpk Bildagentur
James Rosenquist, Der gewählte President, 1960-61, Musee National d'Art Moderne, Centre Pompidou, Paris © bpk Bildagentur

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