Nofretete — Die Schöne

AUSSTELLUNG 15.12.84 – 10.02.85

Nofretete – legendär schöne Gemahlin des Pharao Echnaton und nach dessen Tod im 14. Jahrhundert v. Chr. Gebieterin von Ober- und Unterägypten – bildete den thematischen Aufhänger für eine Ausstellung im Haus der Kunst. Darüber hinaus ging es den Kuratoren Dietrich Wildung und Sylvia Schoske von der Staatlichen Sammlung Ägyptischer Kunst München allgemein um die Darstellung der Stellung der "Frau im Alten Ägypten". Im Vorwort zum Katalog betonen sie, dass sie die Fülle qualitätvoller Frauenbildnisse in der ägyptischen Kunst nicht als einseitige Belege weiblicher Emanzipation verstanden wissen wollen, sondern als "repräsentativ für eine Partnerschaft der Geschlechter, die modern und zukunftsweisend wirkt". Die Kunstwerke spiegeln eine Gleichrangigkeit, die der Welt der Frau die gleiche Bedeutung zuerkennt wie dem Aufgabenbereich des Mannes. Die Ausstellung skizzierte die Sozialgeschichte der Frau im Alten Ägypten im Spannungsfeld von Beruf und Familie, Außenwelt und Privatleben, Dauer und Vergänglichkeit, Geburt und Tod. 
Das Kapitel "Mann und Frau" legt anhand von Statuenpaaren dar, dass die Gemeinsamkeit der Geschlechter innerhalb der Ehe einer Lebensauffassung entsprach, welche die polare Gegensätzlichkeit als Bestandteil einer harmonischen Weltordnung begriff ("Statuenpaar", Sakkâra, um 2450 v. Chr.). Das Verhältnis von "Mutter und Kind" prägte die durch Schwangerschaft, Geburt und Kinderaufzucht charakterisierte Domäne der Frau, die unter dem besonderen Schutz weiblicher Gottheiten stand. Als Inbegriff des Mütterlichen galt die Göttin Isis, Gemahlin des Osiris und Mutter des Horus, die "einen Hauch himmlischen Glücks in jedes Menschenleben tragen konnte" und Motiv zahlreicher Votivdarstellungen war ("Isis mit dem Horuskind", 3. Jh. v. Chr.). "Die rechtliche Stellung der Frau" war durch das Gebot der Gleichrangigkeit gekennzeichnet und betraf vor allem vermögensrechtliche Fragen bei Eheschließung und Scheidung sowie die Möglichkeit von Schulbesuch und Berufstätigkeit. Die herausragende Stellung der Frau zeigte sich besonders auch im religiösen Bereich: Wichtige "Göttinnen" wie die für die Weltordnung "Maat" oder die Himmelsgöttin "Hathor" waren weiblich ("Hathorkopf", Memphis, um 850 v. Chr.) und Frauen spielten als "Priesterinnen" eine zentrale Rolle im Kult. Höchsten Rang erreichte "Die Frau am ägyptischen Königshof" als Königin, die in ihrer priesterlichen Eigenschaft als Gottesgemahlin die Kluft zwischen Gott und Mensch schließt und als Beraterin des Königs großen politischen Einfluss hatte ("Unfertiger Kopf der Nofretete", Amarna, um 1340 v. Chr.).
Neben den Kunstobjekten sind besonders die Gerätschaften aus dem häuslichen Bereich geeignet, das "Alltagsleben" der Frauen im alten Ägypten zu beleuchten, das sich jenseits privilegierter Schichten im häuslichen Rahmen, in der Landwirtschaft und im Handwerk abspielte ("Statue einer kornmahlenden Frau", Gisa, um 2250 v. Chr.). "Kleidung und Schmuck" waren ebenso ihre Domäne wie die Ausübung der viel gerühmten "Kosmetischen Künste" ("Gürtel", Grab der Königin Mereret, um 1840 v. Chr.). Als Sängerinnen, Musikerinnen und Tänzerinnen kam ihnen bei "Musik und Tanz" eine wichtige Rolle bei Festen zu, bei denen durchaus auch die "Erotik" als Elixier der Lebensfreude Ausdruck fand. Schließlich erhoben zahlreiche Bildnisse "Die Frau in der Kunst" zum beliebten Motiv, über das wir viel von der Lebenswirklichkeit der alten Ägypter erfahren.  

In Zusammenarbeit mit der Staatlichen Sammlung Ägyptischer Kunst München.

Der Hardcover-Katalog im quadratischen Format umfasst 200 Seiten und zeigt auf der Vorderseite den goldenen "Hathorkopf" (um 850 v. Chr.). Dem Vorwort der Kuratoren Dietrich Wildung und Sylvia Schoske schließt sich der Katalog mit rund 100 Objekten an, die mit erklärenden Texten versehen und durch 90 Farb- und 6 s/w-Abbildungen illustriert sind.

Kopf der Nofretete, Ägyptisches Museum, Kairo © bpk Bildagentur, Foto Margarete Büsing
Kopf der Nofretete, Ägyptisches Museum, Kairo © bpk Bildagentur, Foto Margarete Büsing
Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung "Nofretete - Echnaton", 1976, Foto Archiv Künstlerverbund im Haus der Kunst München e.V. (vormals Ausstellungsleitung e.V.)
Kopfstütze des Tutanchamun, Kairo, Ägyptisches Museum © Bridgeman Images
Kopfstütze des Tutanchamun, Kairo, Ägyptisches Museum © Bridgeman Images
Altarbild, Ägyptisches Museum, Kairo © Bridgeman Images
Altarbild, Ägyptisches Museum, Kairo © Bridgeman Images
Kopf einer Tochter Echnatons, Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, Staatliche Museen zu Berlin © bpk Bildagentur, Foto Jürgen Liepe
Kopf einer Tochter Echnatons, Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, Staatliche Museen zu Berlin © bpk Bildagentur, Foto Jürgen Liepe

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