Im Licht von Claude Lorrain — Landschaftsmalerei aus drei Jahrhunderten

AUSSTELLUNG 12.03 – 29.05.83

Anlässlich des 300. Todestags von Claude Lorrain (1600-1682) widmete sich die Ausstellung im Haus der Kunst einem Maler, dem die Kunst "eines der bedeutendsten Kapitel in der Geschichte der europäischen Landschaftsmalerei" verdankt (Erich Steingräber, Bayerische Staatsgemäldesammlungen). Erstmals in Deutschland präsentierte der Kurator Marcel Roethlisberger rund 90 Gemälde, Zeichnungen und Radierungen des Meisters der "idealen Landschaft". Unter dem Titel "Im Licht von Claude Lorrain" verwies die Ausstellung in einem zweiten Teil mit rund 100 Werken anderer Maler vom 16. bis ins 19. Jahrhundert auf Lorrains weitreichende Nachfolge in Italien, Niederlande, England, Frankreich, Deutschland und Amerika und bot damit einen Überblick über "Landschaftsmalerei aus drei Jahrhunderten".
Claude Gellée, der sich wegen seiner lothringischen Herkunft Claude Lorrain nennt, kommt als Bauernsohn zur Welt und reist in jungen Jahren nach Rom, wo er die Malerei erlernt und wo er ab 1627 lebt. Mit poetisch empfundenen, noch kulissenhaft komponierten Wiedergaben der römischen Campagna in mildem Licht folgt er zunächst der Vorstellung von der "klassischen" Landschaft. Frühen Ruhm beschert ihm die Erfindung von Hafenansichten mit volkstümlicher oder mythologischer Figurenstaffage. Seine große künstlerische Leistung zeigt sich schließlich in streng komponierten Bildern, in denen er die naturgetreue Wiedergabe der Natur durch eine ins Ideal erhobene Landschaft ersetzt – jene nuancenreichen weiten Landschaften, die laut Roethlisberger "zu den beeindruckendsten Bilderfindungen des Künstlers" zählen (wie etwa "Landschaft mit der Verstoßung der Hagar", 1668). Eine besondere Rolle kommt dem Licht zu, das über den Beleuchtungseffekt hinaus metaphysische Bedeutung erlangt und in feinsten Abstufungen einen weiten, geradezu kosmischen Raum erschließt: "Claudes Landschaften", so Steingräber, "sind Abglanz der vom Schöpfer durchwirkten und in sich vollkommenen Welt", die sie in der Geschichte der Landschaftsmalerei einzigartig macht.
Das besondere Interesse des Ausstellungskurators gilt der Frage der Nachfolge, die sich am Beispiel von Claude Lorrain "in idealster Weise" darlegen lässt und zum ersten Mal den Einfluss eines Malers über ganz Europa bis in die Neue Welt aufzeigt. Lorrain wirkt sich am unmittelbarsten im italienischen Umfeld aus: Dort zählen sein Gehilfe Giovanni Domenico Desiderii und seine Schüler Viviano Codazzi und Gaspard Dughet zu den getreuesten Nachahmern. Auch die in Rom lebenden Niederländer, darunter Jan Frans van Bloemen und Hendrik Frans van Lint, sind in Motiv und Farbigkeit von Lorrain inspiriert. Besonderen Anklang findet sein Erbe in England, wo namhafte Sammlungen herausragende Bilder besitzen. Sie faszinieren Maler wie Richard Wilson und Wright of Derby, fördern im 18. Jahrhundert das Interesse für das "Pittoreske" und üben im 19. Jahrhundert Einfluss auf den bedeutendsten englischen Landschaftsmaler William Turner aus, der als sein "überragendster Interpret" gilt ("Seelandschaft", um 1827). Claude Lorrains Einfluss auf die französische Landschaftsmalerei ist weniger deutlich, lässt sich aber im Werk von Pierre Patel, Claude-Joseph Vernet bis zu Camille Corot ("Landschaft mit Nymphen und Faunen", 1870) und Claude Monet nachweisen. In Deutschland ist die Rezeption im 18. Jahrhundert am intensivsten und schlägt sich vor allem im Werk jener Maler nieder, die wie Jacob Philipp Hackert ("Südliche Flusslandschaft", 1789) oder Johann Georg von Dillis länger in Italien leben oder die, wie der Münchner Maler Karl Rottmann, ihre formalen Bezüge auf Reproduktionen gründen.
Die Ausstellung untersuchte erstmals auch den Einfluss Claude Lorrains auf die amerikanische Landschaftsmalerei. Dieser erstreckt sich primär über die Zeitspanne von 1800 bis 1890 und schlägt sich zum Beispiel in der Vorliebe für Ruinen und lyrisch-lichtvolle Stimmung bei den Vertretern der Hudson-River-Schule und ihren Nachfolgern nieder (Frederic Edwin Church, "Mittelmeerküste", 1882).

Ausstellung in Zusammenarbeit mit den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, München.

Der Hardcover-Katalog im großen Format umfasst 290 Seiten und zeigt auf der Vorderseite Claude Lorrains Gemälde "Landschaft mit der Verstoßung der Hagar" (1668). Der Einleitung von Marcel Roethlisberger folgen Aufsätze von Erich Steingräber zu "Natur – Landschaft – Landschaftsmalerei", Christian Lenz zu "Claude Lorrain im Urteil Goethes" und Eva-Maria Marquart zu "Das Claude-Denkmal in Harlaching" sowie Lebensbeschreibungen von Lorrains Zeitgenossen Joachim von Sandrart und Filippo Baldinucci. Der insgesamt rund 200 Nummern umfassende Katalog enthält im Anhang eine Zeittafel, das Literaturverzeichnis, eine Liste der Maler sowie das "Verzeichnis der im Liber Veritatis enthaltenen Gemälde von Claude Lorrain". Der Katalog enthält zahlreiche Farb- und s/w-Fotos und ausführliche Texte.

Claude Lorrain, Landschaft mit Hagar und Ismael in der Wüste, 1668, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © bpk Bildagentur
Claude Lorrain, Landschaft mit Hagar und Ismael in der Wüste, 1668, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © bpk Bildagentur
Claude Lorrain, Hirtenlandschaft bei untergehender Sonne, 1670, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © bpk Bildagentur
Claude Lorrain, Hirtenlandschaft bei untergehender Sonne, 1670, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © bpk Bildagentur
Camille Corot, Ein Morgen, Tanz der Nymphen, 1850, Musée d'Orsay, Paris © bpk Bildagentur
Camille Corot, Ein Morgen, Tanz der Nymphen, 1850, Musée d'Orsay, Paris © bpk Bildagentur
Johann Georg von Dillis, Ansicht von Grottaferrata, um 1795, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © bpk Bildagentur
Johann Georg von Dillis, Ansicht von Grottaferrata, um 1795, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © bpk Bildagentur
John Wootton, Küstenlandschaft am Abend, 1754, Yale Center for British Art, New Haven, Sammlung Paul Mellon © Bridgeman Images
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