Amerikanische Malerei 1930-1980

AUSSTELLUNG 14.11.81 – 31.01.82

Die Geschichte der künstlerischen Tradition in Amerika ist kurz im Vergleich zu Europa. Nachdem sich die Künstler des 18. Jahrhunderts weitgehend auf die Nachahmung europäischer Vorbilder beschränkten, wies Thomas Eakins gegen Ende des 19. Jahrhunderts (1844-1916) den Weg zu einer neuen Darstellung des amerikanischen Alltags. Doch erst mit der um 1930 einsetzenden Entwicklung emanzipierte sich die amerikanische Malerei von der europäischen Kunst. In den 1940er-Jahren gelangte sie von der geometrischen und biomorphen Abstraktion zum Abstrakten Expressionismus, auf den in den 1960er-Jahren Pop Art und Minimal Art antworteten und die Gegenwartskunst der 1980er-Jahre vorbereiteten. Tom Armstrong, der Direktor des Whitney Museum of American Art, New York, als Kurator der Ausstellung bot dem deutschen Publikum einen repräsentativen Überblick über die Entwicklung der "Amerikanischen Malerei 1930-1980" – jene Epoche also, in der erstmals in der Kunstgeschichte die maßgeblichen Impulse nicht von Europa, sondern von Amerika ausgingen.
Ausstellung und Katalog illustrieren die letzten fünf Jahrzehnte amerikanischer Malerei anhand von acht Kapiteln. Nachdem 1913 die Armory Show in New York den Anstoß für die Entwicklung der abstrakten Malerei in Amerika gab, beginnen Künstler wie Arthur Dove, Marsden Hartley und Georgia O'Keeffe (Sommertage, 1936) Bilder einer "Abstrahierten Natur" zu malen.
"Amerika aus der Nähe betrachtet" versammelt Maler, die wie Charles Sheeler und George Ault als "Präzisionisten" und "Regionalisten" ihre städtische oder ländliche Umwelt idealisierend wiedergeben. Der "Harmonikalen Geometrie" widmen sich, angeregt durch das Vorbild von Piet Mondrian, zunächst die deutschen Emigranten Hans Hofmann und Josef Albers (Huldigung an das Quadrat: Aufsteigend, 1953). In ihrer Nachfolge stehen die Vertreter der Geometrischen Abstraktion wie Barnett Newman, Frank Stella, Ad Reinhardt und Ellsworth Kelly mit "Red, Yellow, Blue, White" (1952). Das Gegengewicht liefert die von Pablo Picasso und Joan Miró angeregte "biomorphe Abstraktion", wie sie in den Werken von Arshile Gorky zum Tragen kommt. Von den im Surrealismus wurzelnden Motiven ist es nur ein kleiner Schritt zu den "Individuellen Visionen" eines Richard Lindner, in denen sich die Realität mit dem Unterbewussten und Sexuellen verbindet (Eis, 1966).
Das Streben amerikanischer Künstler, sich von europäischen Einflüssen zu befreien, lässt sich besonders gut im "Stillleben" erkennen; es wird insbesondere in der Pop Art zur beliebten Bildform, wie Beispiele von Robert Motherwell (Ich liebe dich, IV, 1955/57) und Andy Warhol (Blumen, 1964) belegen. Zahlreiche "Bilder des Menschen" illustrieren die variantenreiche Darstellung der menschlichen Figur als Hauptthema vieler amerikanischer Künstler. Aus ihren Reihen ragt Edward Hopper hervor, der genauer als andere realistische Maler die unter dem Optimismus lauernde Angst zu fassen versteht (Morgensonne, 1954). Demgegenüber hinterfragt Andy Warhols Porträt von "Marilyn" (1964) als Inbegriff der Pop Art das mediale Image von Stars.
Seit den 1930er-Jahren spielt die "Malerei der Gesten" eine zunehmend wichtige Rolle und wird für Jackson Pollocks Gewebe aus Linien und Farben endgültig zum Ursprung und Ziel (Nummer 20, 1950). Nicht minder radikal zeigt sich die spontane, zugleich zufällige wie reflektierte Freiheit des Farbauftrags in den Bildern von Willem de Kooning, Franz Kline, Cy Twombly, Sam Francis und Clyfford Still. Schließlich schlagen Robert Rauschenberg und Jasper Johns zu Beginn der 1960er-Jahre die Brücke vom Abstrakten Expressionismus zu den Materialien und Motiven des Alltagslebens und begründen so die Pop Art.

In Zusammenarbeit mit dem Whitney Museum of American Art, New York.

Der Hardcover-Katalog im großen Format umfasst 300 Seiten. Auf der Vorderseite trägt er über dem Titel "Amerikanische Malerei" Richard Lindners "Eis" (1966) und auf der Rückseite das Werk "Violett, Schwarz, Orange, Gelb auf Weiß und Rot" (1946) von Mark Rothko. Der Textteil enthält ausführliche kunsthistorische Darstellungen Tom Armstrongs zu den einzelnen Stilrichtungen sowie einen Aufsatz "Tradition und Exodus – die amerikanische Malerei im Blick auf Europa" von Bernd Growe. Der Katalog umfasst circa 215 Nummern und ist mit zahlreichen Farb- und s/w-Abbildungen illustriert. Im Anhang finden sich ausführliche Künstlerbiografien mit Fotos.

Robert Motherwell, Ich liebe dich IV, 1955/57, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © VG Bild-Kunst, Bonn, 1981 / bpk Bildagentur
Robert Motherwell, Ich liebe dich IV, 1955/57, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © VG Bild-Kunst, Bonn, 1981 / bpk Bildagentur
Edward Hopper, Oktober am Kap Cod, 1946, Privatsammlung © Christie's Images / Bridgeman Images
Edward Hopper, Oktober am Kap Cod, 1946, Privatsammlung © Christie's Images / Bridgeman Images

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AUSSTELLUNG

Giorgio Morandi

18.07 – 06.09.81

Die Retrospektive zum Werk von Giorgio Morandi würdigte einen Künstler, der damals nahezu als "Heiliger der modernen italienischen Malerei" verehrt wurde (Werner Haftmann). MEHR


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Ernst Wilhelm Nay — Bilder und Dokumente

26.07 – 21.09.80

Ernst Wilhelm Nay (1902-1968) gilt wegen der abstrakten Bildsprache und der Auffassung vom "Gestaltwert der Farbe" als führender Vertreter der Nachkriegsmoderne. MEHR


AUSSTELLUNG

Picasso 1900–1955

Die Ausstellung vollzog die künstlerische Entwicklung Pablo Picassos anhand von insgesamt 256 Gemälden, Zeichnungen, Grafiken, Skulpturen und Keramiken nach. MEHR


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Edvard Munch

Mit einer umfangreichen Retrospektive ehrten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie in Oslo den großen norwegischen Maler Edvard Munch (1863–1944). MEHR


AUSSTELLUNG

Internationale Plakate 1871–1971

09.10.71 – 02.01.72

Hundert Jahre nach dem Plakat Fred Walkers "Woman in White" (1871) und in einer Zeit, in der sich Andy Warhol im Rahmen der Pop Art die Darstellung von Konsumprodukten zu eigen machte, machte sich die Ausstellung daran, die Kunstgeschichte des Plakats nachzuzeichnen. MEHR


AUSSTELLUNG

Der Surrealismus 1922–1942

11.03 – 07.05.72

Rund 50 Jahre nach der Entstehung des Surrealismus in Paris rückte die Ausstellung jene Künstler in den Mittelpunkt der Betrachtung, die für diese Zeit prägend gewesen waren. MEHR


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Die Kunst der Naiven. Themen und Beziehungen

01.11.74 – 12.01.75

Zu Beginn der 1970er-Jahre ging eine Welle der Begeisterung für "Die Kunst der Naiven" durchs Land – figurativ-bunte Bilder in stark vereinfachter Darstellung aus der Hand von Laien. MEHR


AUSSTELLUNG

Hundertwasser – Friedensreich – Regentag

22.02 – 11.05.75

Mit der Ausstellung des Werks von Friedensreich Hundertwasser widmete sich das Haus der Kunst dem vielfältigen künstlerischen Schaffen eines zeitgenössischen österreichischen Künstlers. MEHR


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Die dreißiger Jahre. Schauplatz Deutschland

11.02 – 17.04.77

Golo Mann würdigte die Ausstellung zur deutschen Malerei, Skulptur und angewandten Kunst in den "Dreißiger Jahren" als ein kühnes Unterfangen – war doch die Epoche bis dahin mit einem Tabu belegt gewesen. MEHR


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Wege zur Abstraktion

12.08 – 09.10.88

Anstelle der wiederholten Präsentation berühmter Werke der Alten Kunst konzentrierte man sich in der Ausstellung auf "80 Meisterwerke" der Klassischen Moderne aus der Sammlung Thyssen-Bornemisza, um an ihnen die "Wege zur Abstraktion" exemplarisch nachzuvollziehen. MEHR


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Elan Vital oder Das Auge des Eros.

20.05 – 14.08.94

Entsprechend der Vorstellung vom Leben als einheitlichem, aber verzweigten Strom verfolgt die Ausstellung das Phänomen der organischen Abstraktion bei Kandinsky, Klee, Arp, Miró und Calder zwischen 1920 und 1945. MEHR


AUSSTELLUNG

Roy Lichtenstein — Die Retrospektive.

14.10.94 – 08.01.95

Roy Lichtenstein gilt neben Andy Warhol als Begründer der Pop Art, die von Robert Rauschenberg und Jasper Johns vorbereitet worden war. MEHR


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Brassai — Vom Surrealismus zum Informel.

21.01 – 26.03.95

Die Fotografien von Gyula Halász, der sich Brassai nannte, führen ins Paris der 1930er-Jahre, wo er zunächst als Journalist arbeitete und dann autodidaktisch zur künstlerischen Fotografie fand. MEHR


AUSSTELLUNG

Barnes Collection

23.06 – 22.10.95

Die Ausstellung zeigt die legendäre Sammlung moderner Kunst, die Alfred C. Barnes zusammengetragen hat. Gezeigt werden berühmte Schlüsselwerke der rund 2000 Werke umfassenden Sammlung. MEHR


AUSSTELLUNG

Pierrot — Melancholie und Maske.

15.09 – 03.12.95

Die melancholische Komödiantenfigur des Pierrot fasziniert seit rund 400 Jahren die Künstler. Als facettenreiche Figur steht sie im Mittelpunkt dieser Ausstellung und belegt ihre bis heute anhaltende Aktualität. MEHR


AUSSTELLUNG

Frantisek Kupka und Otto Gutfreund

15.05 – 20.07.97

Die Ausstellung präsentiert über 200 Arbeiten František Kupkas aus sämtlichen Werkphasen. Seinen Werken sind 18 Bronzeskulpturen Otto Gutfreunds gegenübergestellt. MEHR


AUSSTELLUNG

Ellsworth Kelly. Retrospektive.

17.10.97 – 20.01.98

Ellsworth Kelly gehört zur Generation derer, die in den 1950er-Jahren den Abstrakten Expressionismus überwanden und eine neuartige Bildsprache entwickelten. MEHR


AUSSTELLUNG

Joel Shapiro

24.10.97 – 18.01.98

Joel Shapiro zählt zu den wichtigsten amerikanischen Bildhauern der Gegenwart. Die Ausstellung zeigt elf Werke, die seine künstlerische Entwicklung der Jahre 1993-1997 erkennen lassen. MEHR


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Christian Boltanski — Verloren in München.

14.11.97 – 11.01.98

Die im Zusammenhang mit der "Edition No. 46" des SZ-Magazins für das Haus der Kunst entstandene Installation führt die Ausstellungsbesucher in eine temporäre Filiale des Münchner Fundbüros. MEHR


AUSSTELLUNG

Albert Renger-Patzsch — Retrospektive

01.02 – 13.04.98

Neben August Sander und Karl Blossfeld zählt Albert Renger-Patzsch (1897-1966) zu den bedeutendsten Vertretern der Fotografie in Deutschland. MEHR