Giorgio Morandi — Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen, Radierungen

AUSSTELLUNG 18.07 – 06.09.81

Die Retrospektive zum Werk von Giorgio Morandi (1890-1964) würdigte einen Künstler, der damals nahezu als "Heiliger der modernen italienischen Malerei" verehrt wurde (Werner Haftmann). Die aus einfachsten Requisiten komponierte Welt seiner Stillleben aus Gläsern, Flaschen, Krügen und Schalen wird zu sinnbildlicher Größe und vollkommener Schönheit stilisiert. Seine Malerei entfaltet ihre eindringliche Wirkung, Erich Steingräber zufolge, in der zeit- und ortlosen Zuständlichkeit und Harmonie, in der absoluten Stille.
In der Einleitung skizziert Franz Armin Morat als Kurator der Ausstellung Leben und Werk des aus Bologna stammenden Künstlers, der dort die Akademie der Schönen Künste absolviert, lange Jahre als Zeichenlehrer und später als Professor für Radiertechnik tätig ist. Er betont, dass der Großteil seines umfangreichen Oeuvres erst nach dem 50. Lebensjahr entstanden ist und begründet seine radikale Außenseiterposition in der Kunst des 20. Jahrhunderts mit dem stringenten malerischen Konzept. Dieses besteht darin, dass er in den Landschaften und besonders in den quantitativ vorherrschenden Stillleben nicht an der Wiedergabe der Wirklichkeit interessiert ist, sondern "über den Gegenstand hinaussehen" will. Die in den Zeichnungen und Aquarellen vorangetriebene Abstraktion (Kat. Nr. 119, "Natura Morta", 1960) führt in der Ölmalerei zur seriellen Produktion möglichst ähnlicher Kompositionen, die gleichwohl mehr als hundert Grundmuster variieren.
Lorenz Dittmann spürt der Beziehung zwischen "Morandi und Cézanne" nach, indem er aufzeigt, dass der Italiener sich in der Komposition an der Auffassung von geometrischen Elementarformen beim französischen Vorbild orientiert und doch zu abstrakteren Formen findet (Kat. Nr. 58, "Natura Morta", 1953). In seiner grundlegenden Beschreibung von "Morandis Stillleben" der späten Jahre kommt Gottfried Boehm zu dem Schluss, dass ihn weniger der Gegenstand selbst, sondern vor allem die "Beziehungen von Formen" interessieren im Spannungsfeld von Objekt und Zwischenraum, von Materialität und Leere, Ort und Raum. Seine Stillleben verweigern sich der traditionellen Vanitas-Symbolik, indem er die Dinge "mittels ihrer Zeitlichkeit dem Vergehen" entzieht. Statt eines Memento mori bringt er zum Ausdruck, die Zeit "vergeht in die Ruhe hinein", in der Stille liegt das "ereignislose Glück" (Kat. Nr. 25, "Natura Morta", 1939).
Zu Einzelheiten von Giorgio Morandis Werken nehmen andere Katalogbeiträge Stellung. Wie Ernst Strauss "Bemerkungen zur Bildanlage" macht, widmet sich Bernhard Growe unter dem Titel "Cosidetta realtà: Die Unverfügbarkeit der Welt" Fragen von Serialität und Lichtgestaltung (Kat. Nr. 102, "Natura Morta", 1963). Charles Wentinck beleuchtet den Aspekt "Morandi und der Realismus", während Amy Namowitz Worthen sich auf seine Meisterschaft als Radierer konzentriert. Am Ende nimmt Raimer Jochims als Künstler mit seinen "Bemerkungen zu einer Zeichnung von Morandi" eine späte Papierarbeit (Kat. Nr. 178, "Natura Morta", 1963) zum Anlass für die Beobachtung, dass Giorgio Morandi in der "lebenslangen Suche eine Reife, Einfachheit, Leichtigkeit, mit Hölderlin zu sagen, eine heilige Nüchternheit gewonnen hat, die ihresgleichen sucht".

In Zusammenarbeit mit den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, München.

Der kleine, querformatige Hardcover-Katalog zeigt auf dem braunen Umschlag Giorgio Morandis Stillleben "Natura Morta" (1939) in Farbe. Er umfasst 360 Seiten, darunter das Verzeichnis der ausgestellten Werke mit 220 Nummern, davon 100 Gemälde. Der Textteil enthält neben dem Vorwort von Erich Steingräber die Einleitung von Franz Armin Morat sowie Aufsätze von Ernst Strauss, Lorenz Dittmann, Gottfried Boehm, Bernhard Growe, Raimer Jochims, Charles Wentinck und Amy Namowitz Worthen. Der Katalog ist mit zahlreichen Farb- und s/w-Fotos bebildert.

Giorgio Morandi, Natura Morta, 1918, Pinacoteca di Brera, Mailand © VG Bild-Kunst, Bonn, 1981 / bpk Bildagentur
Giorgio Morandi, Natura Morta, 1918, Pinacoteca di Brera, Mailand © VG Bild-Kunst, Bonn, 1981 / bpk Bildagentur
Giorgio Morandi, Natura Morta, 1957, Kunsthalle Hamburg © VG Bild-Kunst, Bonn, 1981 / Bridgeman Images
Giorgio Morandi, Natura Morta, 1957, Kunsthalle Hamburg © VG Bild-Kunst, Bonn, 1981 / Bridgeman Images
Giorgio Morandi, Natura Morta, 1940, Staatliche Museen zu Berlin –  Preußischer Kulturbesitz, Nationalgalerie © VG Bild-Kunst, Bonn, 1981 / bpk Bildagentur
Giorgio Morandi, Natura Morta, 1940, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Nationalgalerie © VG Bild-Kunst, Bonn, 1981 / bpk Bildagentur

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