Paul Klee 1879–1940

AUSSTELLUNG 10.10.70 – 03.01.71

Die Retrospektive mit mehr als 500 malerischen, zeichnerischen, grafischen und plastischen Werken war dem Andenken an den großen Ausnahmekünstler der Klassischen Moderne, Paul Klee, gewidmet. Jürg Spiller, Verfasser einer Publikation über "Das bildnerische Denken" des Malers und verantwortlich für die Konzeption der Ausstellung, verzichtete auf eine chronologische Präsentation zugunsten einer Zusammenstellung nach Werkgruppen bzw. Bildtypen, die den Künstler oft über Jahre hinweg begleiteten. Sie schlagen den Bogen von den Anfängen Paul Klees als Zeichner und Radierer über die Münchner Jahre im Umkreis des "Blauen Reiter", die produktive Zeit als Lehrer am Bauhaus bis zu den späten Jahren, die der von den Nationalsozialisten verfemte Künstler im Schweizer Exil verbrachte.
Nachdem sich der begabte Geiger Paul Klee für die Kunst entschieden und an der Akademie in München u.a. bei Franz von Stuck ein Malereistudium absolviert hatte, widmete er sich zunächst kleinformatigen Zeichnungen und Radierungen, die durch einen manieristischen Strich und groteske Komik auffallen ("Zwei Männer, einander in höherer Stellung vermutend, begegnen sich", 1903). Erste Ausstellungen finden die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und ebnen 1911 die Bekanntschaft mit Wassily Kandinsky und Franz Marc, die ihn zu beiden Ausstellungen des "Blauen Reiter" einladen; Klee zählt nun zu dessen engstem Umkreis. Angeregt durch das Vorbild von Robert Delaunay und eine Reise nach Tunesien, die er 1914 mit August Macke und Louis Moilliet unternimmt, findet der Zeichner zur Malerei: "Die Farbe hat mich". Eine Vielzahl von Aquarellen zeugt von der Entdeckung der Wechselwirkung von Farbe und Licht ("In den Häusern von St. Germain/Tunis", 1914).
Unter den vielfältigen Werkgruppen, die die Ausstellung aus dem umfangreichen Oeuvre Paul Klees präsentiert, befinden sich auch die "Quadraturbilder". Sie binden das der Natur oder Architektur entlehnte Motiv in ein System aus geometrischen Feldern ein und machen die Darstellung im Spiel von Farbe, Maß, Gewicht und Bewegung zum Sinnbild für die Prinzipien von Werden und Vergehen ("Rosa-Gelb", 1919). Während der Bauhausjahre entwickelt Klee eine zunehmend abstrakte Bildsprache, die den Wirklichkeitsbezug mit der Innenschau und die Konstruktion mit der Imagination kombiniert ("Alter Klang", 1925). In der Serie "Maiora – Minora" steigert er das Helldunkel "divisionistisch" vereinzelter Farbpunkte zu einem Vibrato von Farbklängen, das kosmische Welten erschließt ("Das Licht und Etliches", 1931). Im 1933 einsetzenden Spätwerk führt Klee die Gegensätze von Vernunft und Poesie, von Bewusstem und Unbewusstem und Leben und Tod, schließlich zur Synthese ("Das Tor zur Tiefe", 1936). Unter dem Eindruck seiner schweren Krankheit schafft er bis zu seinem Tod 1940 eine Fülle von Bildern, deren kalligrafische Zeichen als geheimnisvolle Chiffren für das menschliche Dasein gedeutet werden ("Reicher Hafen", 1938).
Für Paul Klee bildeten Denken und Bildwelt eine Einheit. Im Bezug zur Wirklichkeit einerseits und der Idee von einer möglichen Welt jenseits der diesseitigen gelangte Paul Klee als Maler zu dem, was er schon früh als sein Ziel beschrieb: Nicht das Sichtbare wiederzugeben, sondern das Unsichtbare sichtbar zu machen.

Der broschierte Katalog zur Ausstellung trägt eine farbige Abbildung von Paul Klees Gemälde "Zerbrochener Schlüssel" (1938) auf dem Titel. Der Textteil umfasst 67 Seiten und enthält das Vorwort des Kurators Jürg Spiller, Felix Klees "Erinnerung an meinen Vater", die Würdigung des Künstlers durch Werner Schmalenbach sowie einen Auszug aus Hugo Wagners Rede zur Eröffnung der Ausstellung am Kunstmuseum Bern. Eine Auswahl der wichtigsten Ausstellungen, die Lebensdaten des Künstlers sowie eine Bibliografie schließen den Textteil ab. Die Liste der "Ausgestellten Werke" umfasst insgesamt 537 Nummern und ist gegliedert in Gemälde und farbige Blätter (304), Zeichnungen, Druckgrafik und plastische Arbeiten. Die Objektangaben beruhen auf dem von Paul Klee eigenhändig geführten Verzeichnis seiner Werke sowie auf dem von Eberhard W. Kornfeld verfassten "Verzeichnis des graphischen Werkes von Paul Klee", Bern 1963. Der Bildteil enthält 12 Farbabbildungen sowie rund 180 Seiten mit s/w-Abbildungen.

Paul Klee, Feuer bei Vollmond, 1933, Museum Folkwang, Essen © Bridgeman Images
Paul Klee, Feuer bei Vollmond, 1933, Museum Folkwang, Essen © Bridgeman Images
Paul Klee, Fuge in Rot, 1921, Privatsammlung © Bridgeman Images
Paul Klee, Fuge in Rot, 1921, Privatsammlung © Bridgeman Images
Paul Klee, Feuer-Quelle, 1938, Privatsammlung Schweiz
Paul Klee, Feuer-Quelle, 1938, Privatsammlung Schweiz

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