Joan Miró

AUSSTELLUNG 15.03.1969 – 11.05.1969

Mit der Retrospektive zum Werk von Joan Miró (1893–1983) würdigte das Haus der Kunst wiederum einen der großen Wegbereiter der Abstraktion und der Moderne. Dem Kurator Jacques Dupin zufolge liegt Mirós einzigartige Stellung in der Kunst des 20. Jahrhunderts "in der Einheit der schöpferischen Tat". Als Kennzeichen seiner heiter-bunten Gemälde mit den schwebenden Farbformen nennt er eine Originalität, die er im Wiederentdecken des Ursprünglichen begründet sieht. Diese Originalität mache den katalanischen Künstler zum "Dichter des Elementaren". Anhand von 238 Objekten – neben 118 Gemälden eine Vielzahl von Gouachen, Collagen, Druckgrafiken, Skulpturen, Keramiken und illustrierten Büchern – umriss die Ausstellung die Etappen seines bis dato fünfzigjährigen Schaffens.
Das Frühwerk Mirós, entstanden nach dem Besuch der Kunstakademie in Barcelona, steht ganz unter dem Einfluss des Kubismus. Die Landschaften ("Ciruana, die Kirche", 1917) und Stillleben ("Stillleben mit Kaffeemühle", 1918) sind gekennzeichnet von flächigen Kompositionen aus Einzelformen, deren dunkle Konturen sich zu grafischen Strukturen verselbstständigen. Nach der Übersiedlung nach Paris im Jahr 1921, wo er mit Picasso Freundschaft schließt und sich im Kreis der Surrealisten um Max Ernst, René Magritte und Hans Arp bewegt, findet er zu einer "irrationalen, fantastischen Manier".
Aus seinen zunächst noch "detaillistischen Kompositionen" ("Blumen und Schmetterling", 1922/23), gelangt der Maler zu einem System aus abstrahierten, in große Farbflächen eingebunde Zeichenformen ("Der Gentleman", 1924). Die Gemälde im surrealistischen Stil markieren den Höhepunkt von Mirós Werdegang. Über die Phase der "Traumbilder" ("Peinture", 1925) gelangt der Maler zu den weiten Räumen seiner "Intimen Landschaften" ("Landschaft mit Schlange", 1927), zu den "Imaginären Porträts" ("Männerkopf", 1932) und schließlich zu den Interieurs, die er nach dem Vorbild alter niederländischer Meister malt. Bilder mit zunehmend organischen Formen, in denen sich Menschliches, Tierisches und Pflanzliches mit den Gestirnen in einem eigenen bunten Kosmos begegnen, tragen ihm große künstlerische Anerkennung ein.
Die Arbeiten der "Wilden Periode" Mitte der 1930er-Jahre weisen vermehrt figurative Szenen in grellen Farben auf, die eine magisch-unheimliche Note tragen ("Mann und Frau vor einem Kothaufen", 1936). Diese Werkphase, vom Eindruck des Spanischen Bürgerkriegs geprägt, gipfelt 1937 in der Wandmalerei für den Pavillon des Republikanischen Spaniens auf der Weltausstellung in Paris. Nach Abschluss der Reihe "Konstellationen" ("Der Morgenstern", 1940) beginnt er die Gemäldeserie "Frau und Vogel in der Nacht". Zugleich wendet sich Miró der Plastik zu und gestaltet in den folgenden Jahren in Zusammenarbeit mit Joan Artigas eine Vielzahl von Keramiken ("Kürbis mit Vögeln", 1956).
Joan Mirós Kunst erfährt nun weltweite Bewunderung, was zahlreiche Ausstellungen (Biennale 1954) und Aufträge für Wandmalerei (UNESCO-Gebäude, Paris) nach sich zieht. 1956 lässt er sich endgültig in Palma de Mallorca nieder, wo ihm der Architekt Josep Lluís Sert ein Atelier errichtet. 1968 erhält er ebenfalls den Auftrag für ein Museum in Barcelona, der heutigen Fondació Joan Miró – eine Hommage an den großen spanischen Künstler und der Höhepunkt seines 50-jährigen Schaffens.

Der broschierte Katalog trägt auf dem weißen Cover die farbige Abbildung des Gemäldes "Frau und Vogel" (1968) und umfasst ca. 100 Seiten. Der Textteil enthält ein Vorwort des Kurators Jacques Dupin, die mit Fotos illustrierten Lebensdaten, ein Ausstellungsverzeichnis sowie eine Bibliografie. Der Katalog der ausgestellten Werke listet insgesamt 238 Nummern, darunter Gemälde (118), Gouachen und Collagen sowie Druckgrafik (Leihgaben der Galerie Aimée Maeght), Skulpturen, illustrierte Bücher und Keramik. Der Abbildungsteil enthält 5 Farbabbildungen und eine Vielzahl von Schwarz-Weiß-Fotografien.

Joan Miró, Vögel und Insekten, 1938, Detail, Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn, 1969
Joan Miró, Vögel und Insekten, 1938, Detail, Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn, 1969
Joan Miró, Blau I, 1961, Pierre Matisse Gallery, New York © VG Bild-Kunst, Bonn, 1969
Joan Miró, Blau I, 1961, Pierre Matisse Gallery, New York © VG Bild-Kunst, Bonn, 1969

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