Fritz Wotruba

AUSSTELLUNG 07.06.1967 – 24.09.1967

Den 60. Geburtstag des österreichischen Bildhauers Fritz Wotruba (1907–1975) nahm das Haus der Kunst 1967 zum Anlass, ihn im Rahmen einer Ausstellung mit insgesamt 95 "Skulpturen und Zeichnungen" zu würdigen. Damit rückte das Werk eines zeitgenössischen Künstlers in den Blick, dessen abstrakte Formensprache im einstigen Propagandabau der Nationalsozialisten – unter Einbezug der sogenannten "Ehrenhalle" – besonders ins Auge fällt und die wegweisende Rolle Wotrubas für die Nachkriegsmoderne hervorhebt.
Nach einer Lehre als Graveur absolvierte Fritz Wotruba ein Studium der Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule in Wien und trat bereits 1931 mit einer Einzelausstellung im Folkwang-Museum in Erscheinung. Nach den Jahren im Schweizer Exil war er bis 1950 als Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Wien tätig. Seine Skulpturen aus der Vorkriegszeit zeugen von seinem grundlegenden Interesse für die menschliche Figur, die er radikal vereinfacht und fragmentiert als "Torso" (1930) wiedergibt. In den 1950er-Jahren analysiert er die Gestalt bezüglich ihrer tektonischen und strukturellen Gesetzmäßigkeiten und verblockt sie in einem kompakten Volumen aus kantigen Blöcken zu einer "Figuralen Komposition" (1951). Von anatomischen Details befreit, bleiben seine bis auf die Stelenform reduzierten Skulpturen wie die "Stehende Figur" (1962) stets dem menschlichen Maßstab verpflichtet. Die Zeichnungen machen als "Studien" den künstlerischen Prozess nachvollziehbar, der Wotruba zur kubischen Formensprache und zur radikalen Abstraktion seiner späten Arbeiten, darunter "Große Figur" (1966), führt.
Werner Hofmann, Direktor des Museums des 20. Jahrhunderts in Wien, zeichnet in seinem "Plädoyer für den Klassiker Wotruba" im Katalog nach, dass der Aufbau der Skulpturen aus groben Formen und ihre ungeglättete Oberfläche dem Bildhauer in seiner Heimatstadt den Ruf des "Unbequemen" eintrugen, der beim Publikum auf heftigen Widerspruch stieß. Die abweisende Strenge und Bruchstückhaftigkeit seiner Bildsprache wurde als schroff empfunden und die "Panzerung" des Menschen als Ausdruck des Tragischen gedeutet. Hofmann hingegen sieht die Skulpturen als "Prüfsteine unserer Sensibilität", die ihre Würde behaupten und einen geduldigen Blick verlangen. Für ihn zeichnet der bildhauerische Werdegang Fritz Wotrubas den Weg der modernen Skulptur von der Natur zur Architektur nach, den der Künstler selbst vorgab, als er formulierte: "Ich träume von einer Skulptur, in der Landschaft, Architektur und Stadt zur Einheit werden" – ein Traum, der sich spätestens mit der Kirche "Zur Heiligsten Dreifaltigkeit" in Wien (1976) verwirklichen sollte.

In Zusammenarbeit mit der Galerie Welz, Salzburg.

Der broschierte Katalog trägt den Namen des Künstlers "Wotruba" in schwarzen Lettern auf weißem Grund und umfasst 26 Seiten mit 43 s/w-Abbildungen. Nach einem kurzen, von Wotruba selbst verfassten Lebenslauf folgt der einführende Aufsatz von Werner Hofmann. Die Liste der ausgestellten Werke im Anhang verzeichnet 55 Skulpturen und 39 Zeichnungen.

Fritz Wotruba, Große liegende Figur, 1962/63, Wilhelm Lehmbruck Museum der Stadt Duisburg

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AUSSTELLUNG

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