Secession — Europäische Kunst um die Jahrhundertwende

AUSSTELLUNG 14.03.1964 – 10.05.1964

Die Ausstellung richtete den Blick auf den Beginn der Moderne, der in den großen europäischen Kunstzentren am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert mit der "Secession" einsetzte: Der Abspaltung fortschrittlicher junger Künstler von den alteingesessenen Künstlerverbänden. Der Kunsthistoriker Siegfried Wichmann als Kurator der Ausstellung skizzierte im Vorwort nicht nur die Aufbruchstimmung, die München damals zur internationalen Hauptstadt der Kunst machte, sondern auch die Entwicklung in Berlin, Wien und Paris mit einem Exkurs nach Japan.
Die Münchner Secession wurde 1892 nach dem Austritt von 78 Künstlern – darunter Lovis Corinth, Franz Stuck, Max Liebermann, Adolf Hoelzel u.a. – aus der Münchner Künstlergenossenschaft gegründet. Vereint in der Ablehnung von Historismus und Akademismus bezogen sie in ihre Ausstellungen jenseits des etablierten Glaspalasts fortschrittlich gesonnene Künstler aus dem In- und Ausland ein. Ihrem Beispiel folgten weitere Gruppierungen wie z.B. die Neue Künstlervereinigung München (1909), aus der 1912 der "Blaue Reiter" hervorging, bis die Abspaltungsbewegung in die "Neue Secession" (1913) mündete. Die Kunstdiktatur der Nationalsozialisten löste 1938 sämtliche Münchner Künstlergruppen auf, erst 1946 kam es teilweise zur Wiedergründung.
In Berlin war es der "Verein Berliner Künstler", der 1892 mit der Schließung einer Ausstellung von Werken Edvard Munchs einen Skandal verursachte. Dieser führte vorübergehend zum Zusammenschluss einiger Künstler zur "Vereinigung der XI" (1892) sowie zur Mitgliedschaft namhafter Vertreter einer modernen Richtung bei der Münchner Secession. Nachdem 1898 ein Bild Walter Leistikows von der Jury der "Großen Berliner Kunstausstellung" zurückgewiesen wurde, schlossen sich 65 Künstler in der Berliner Secession zusammen, der nun auch die aus München zugewanderten Maler Max Liebermann und Lovis Corinth angehörten. Eine neuerliche Abspaltung führte 1910 zur Gründung der "Neuen Secession", bei der viele Expressionisten zum Zuge kamen.
Nach dem Vorbild von München und Berlin trennten sich 1897 auch in Wien 19 junge Künstler von der traditionellen "Künstlergenossenschaft" und gründeten die "Vereinigung bildender Künstler Österreichs. Secession". Sie gab die Zeitschrift "Ver Sacrum" heraus und lud von 1898 bis 1905 die internationale Avantgarde jährlich zu Ausstellungen im Wiener Secessionsgebäude ein. Zur gleichen Zeit vollzog sich auch in Paris eine Umbildung innerhalb der Künstlergruppen. Hier bot der Salon der "Société des Artistes Français" Ausstellungen für ein bürgerliches Publikum. Aus Protest gründete 1890 ein Kreis um Ernest Meissonnier und Puvis de Chavannes die "Société Nationale des Beaux Arts", die aber bald die gleiche hierarchische Struktur aufwies. Erst mit der Gründung der "Société des Indépendants" im Jahr 1894 gab es, ebenso wie im 1903 gegründeten Verein des "Salon d'Automne" ein Forum, das allen modernen Künstlern offen stand und auch Architektur und Ausstattung einbezog. In Tokio formierte sich um 1900 die Japanische Secession als Seiki Kuroda aus dem traditionsbewussten "Meijiklub" austrat und den Verein "Shirouma" gründete, dem um 1900 etwa 20 Künstler angehörten, deren Ausstellungen mit impressionistischen Werken europäischer Prägung großen Zulauf hatten.
Ziel der rund 1250 Exponate umfassenden Ausstellung "Secession. Europäische Kunst um die Jahrhundertwende" war es, anhand der wichtigsten Künstler die Länder übergreifende Gemeinsamkeit der Bestrebungen aufzuzeigen. Symbolismus, Jugendstil und Neoimpressionismus sind, Wichmann zufolge, nicht als getrennte Stilrichtungen zu betrachten, sondern als Ausprägungen einer einheitlichen modernen Kunstauffassung, die sich im geistigen Austausch und der Länder übergreifenden Teilnahme an den Secessions-Ausstellungen manifestierte.
Der Symbolismus leitete die Loslösung von der Wiedergabe der Wirklichkeit zugunsten einer abstrakten Darstellung unter "Betonung gedanklicher Elemente" ein. Neben Max Klingers Gemälde "Urteil des Paris" (1885/87) fand insbesondere der Belgier Fernand Khnopff mit "I lock my door upon myself" (1891) das Publikumsinteresse. Der Norweger Edvard Munch ("Asche", 1894) gelangte mit der Präsentation seiner abgelehnten Bilder u.a. in München zu großer Anerkennung. Gustav Klimt als Mittelpunkt der Wiener Secession etablierte mit der Einbindung seiner arabesk stilisierten Figuren in den Flächendekor die ornamentale Auffassung des Jugendstils ("Die Erfüllung", 1905/09). Die französischen Impressionisten um Paul Signac sowie die Nabis, darunter Pierre Bonnard ("Die Toilette", o.J.) stellten die sinnliche Seherfahrung über die Materialität des Bildes. Dagegen betonten die deutschen Impressionisten Max Liebermann ("Biergarten in Brannenburg", 1893) und Lovis Corinth ("Liegender weiblicher Akt", 1907) die Eigenständigkeit der Bildmittel und leiteten zum Expressionismus über. Mit Egon Schiele ("Kauernde", 1913) ging schließlich aus der Wiener Secession einer der bedeutendsten Expressionisten hervor.
Darüber hinaus öffneten sich die Secessions-Ausstellungen seit der Gründung der Vereinigten Werkstätten in München und Wien auch der "Ausstattungskunst". Entsprechend räumte die Ausstellung "Secession. Europäische Kunst um die Jahrhundertwende" im Haus der Kunst neben "Malerei und Grafik" auch der Sparte "Plastik und Kunsthandwerk" großen Raum ein. Max Klingers Skulptur "Salome" (1893) fand ebenso Aufnahme wie Werke von Fritz Klimsch, August Gaul und Fritz Behn. In der Gebrauchskunst zeugten die Vasen von Tiffany und Gallé, bzw. ein Stuhl von Richard Riemerschmid (vor 1900) für die vegetabil-ornamentale Richtung. Dem waren die Stühle von Josef Hoffmann (1903/05) und Charles Rennie Mackintosh (1899/1901) als Beispiele einer funktionalistischen Auffassung gegenübergestellt.

In Zusammenarbeit mit den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München.

Der broschierte Katalog mit einem Plakatentwurf von Leopold Stolba für die Wiener Secession auf dem Titel umfasst circa 155 Seiten und ist illustriert mit 6 Farb- und etwa 60 s/w-Fotografien. Siegfried Wichmann hat das Vorwort und die einführenden Texte verfasst. Die Liste der ausgestellten Werke im Anhang folgt den Künstlernamen in alphabetischer Reihenfolge und verzeichnet rund 670 Nummern für "Malerei und Grafik" sowie rund 540 Objekte für "Plastik und Kunsthandwerk". Der zweiten Auflage des Katalogs ist ein Nachtrag von 36 Nummern hinzugefügt.

Max Liebermann, Biergarten in Brannenburg, 1893, Musée d'Orsay, Paris © bpk Bildagentur, Foto Hervé Lewandowski
Max Liebermann, Biergarten in Brannenburg, 1893, Musée d'Orsay, Paris © bpk Bildagentur, Foto Hervé Lewandowski
Edvard Munch, Asche II, 1894, Kunstsammlungen Chemnitz © bpk Bildagentur, Foto May Voigt
Edvard Munch, Asche II, 1894, Kunstsammlungen Chemnitz © bpk Bildagentur, Foto May Voigt

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