Wilhelm Lehmbruck

AUSSTELLUNG 30.03.1963 – 12.05.1963

Wilhelm Lehmbruck (1881–1919) gehörte zu den verfemten Künstlern im Dritten Reich; seine Skulptur "Die Kniende" (1911) war in der Ausstellung "Entartete Kunst" vertreten. Nach dem Krieg wurde die Figur auf der ersten documenta in Kassel (1955) als Symbol für die Moderne gefeiert, bevor das Haus der Kunst dem expressionistischen Bildhauer 1962 eine Retrospektive seines Gesamtwerks widmete. Die Ausstellung rückte 46 Skulpturen in den Mittelpunkt, lenkte den Blick des Betrachters aber auch auf eine Vielzahl von Gemälden, Zeichnungen und Grafiken und brachte damit eine weitgehend unbekannte Seite des Künstlers zum Vorschein.
Nach dem Studium an der Düsseldorfer Akademie, das der Bergarbeitersohn aus Duisburg 1908 als Meisterschüler von Karl Janssen abschloss, lebte Lehmbruck von 1910 bis 1914 in Paris. Dort pflegte er Umgang mit Malern wie Henri Matisse, Amedeo Modigliani und André Derain sowie den Bildhauern Constantin Brancusi und Alexander Archipenko, die sein Schaffen inspirierten. Die "Kniende" markiert den künstlerischen Durchbruch Wilhelm Lehmbrucks und leitete mit neuen, ausgreifenden Dimensionen einen Wendepunkt in der deutschen Plastik ein. Die Streckung der Proportionen geht einher mit einem Bewegungsmotiv, das in der anmutigen Gebärde der Hand zeichenhaften Charakter annimmt.
Zeitgleich vollzieht der Künstler, dessen Hauptmotiv als Bildhauer wie als Maler die menschliche Gestalt ist, eine Entwicklung, die in der Besinnung auf den Eigenwert der plastischen Form, in der Geschlossenheit der Umrisse und der Einfachheit des Ausdrucks zunächst noch den Einfluss von Aristide Maillol erkennen lässt ("Stehende weibliche Figur", 1910). Die aufragende Skulptur der in sich gekehrten "Sinnenden" (1913/14) und der mit gesammelter Kraft "Emporsteigende Jüngling" (1913) zeugen hingegen von starker seelischer Bewegtheit. Sie machen das Ziel von Lehmbrucks Kunst nachvollziehbar, das im Vorwort zum Katalog angeführt ist: "Voller Intensität, nichts leer, voller Wärme, voller Tiefe!".
Im Spätwerk ist der Schritt von der Körperplastik zur Raumplastik abgeschlossen, und die abstrakte Formensprache gewinnt an Bedeutung. Zugleich erlangt die Suche nach zeichenhaftem Ausdruck in einer Darstellung wie "Der Gestürzte" (1915/16) einen Höhepunkt. Mitten im Ersten Weltkrieg und selbst bereits von tiefer Schwermut erfasst, schuf Wilhelm Lehmbruck mit dem auf allen vieren kauernden Mann ein Sinnbild für den niedergezwungenen, gescheiterten Menschen, ohne ihm die Würde zu nehmen. In den wenigen Jahren seiner künstlerischen Entwicklung bis zu seinem Freitod im Jahr 1919 gelang dem Bildhauer der Schritt vom Naturalismus zu einem reifen künstlerischen Stil, dessen Figuren als Gleichnisse für Trauer, Verlorenheit und Zerbrochensein als Höhepunkt des Expressionismus und Inbegriff des Humanen gelten.

In Zusammenarbeit mit den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München.

Der broschierte Katalog umfasst etwa 44 Seiten, davon 22 Seiten Text sowie 43 s/w-Abbildungen. Das Titelblatt trägt den Ausstellungstitel "Lehmbruck" und zeigt die Büste der "Knienden" (1911) als Detail. Ein Aufsatz von Herbert von Einem über "Wilhelm Lehmbruck" wird durch dessen Lebensdaten ergänzt. Danach folgt eine kurz kommentierte Zusammenstellung der ausgestellten Werke, gegliedert nach Plastik, Gemälde, Zeichnungen und Pastelle, Radierungen und Lithografien. Insgesamt sind 191 Katalognummern aufgeführt. Ein Ausstellungsverzeichnis 1914–1961 und eine Bibliografie runden den Textteil ab. 

Wilhelm Lehmbruck, Der Gestürzte, 1915/16, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Nationalgalerie © bpk Bildagentur, Foto Roman März

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