Henry Moore

AUSSTELLUNG 05.11.1960 – 11.12.1960

Mit einer großen Retrospektive, bestehend aus 55 Skulpturen, 60 Zeichnungen und zwei Wandbehängen, würdigte das Haus der Kunst im Jahr 1960 Henry Moore (1898–1987) als "den ersten englischen Bildhauer von europäischem Rang". Nach einer ersten Ausstellung 1949/50 in Hamburg und Düsseldorf erwartete man zehn Jahre später beim deutschen Publikum große Resonanz auf die Präsentation seines Lebenswerks – umso mehr, als die documenta II (1959) Henry Moore als die "stärkste gestaltende Kraft der abendländischen Plastik" geehrt hatte.
In seinem kurzen Vorwort skizziert Alfred Hentzen, Kunsthistoriker und damaliger Direktor der Hamburger Kunsthalle, die künstlerische Entwicklung Henry Moores, beginnend bei einer "Liegenden" von 1927 bis zu einer "Liegenden (zweiteilig)" von 1959. Er beschreibt den Werdegang des Künstlers von seinen Anfängen nach dem Studium an der Leeds School of Art und am Royal College of Art in London, wo er von 1926 bis 1939 auch selbst lehrte, bis zu den großen Ausstellungen im Museum of Modern Art in New York 1946/47 und der Biennale von Venedig 1948, die ihm internationale Anerkennung brachten, bevor die documenta-Teilnahme 1959 seinen Erfolg auch in Deutschland krönte.
Henry Moores bildhauerisches Schaffen orientiert sich an den organischen Formen der Natur, sein Hauptinteresse jedoch gilt der menschlichen Gestalt. Seine Figuren – darunter Darstellungen von Mutter und Kind, von Familiengruppen, Kriegern, sitzenden und stehenden Menschen, vor allem aber seine unzähligen Versionen der liegenden Frau – lassen die Inspiration erkennen, die der Künstler schon früh aus der Auseinandersetzung mit archaischen Kulturen, mit der primitiven Kunst und insbesondere mit der präkolumbischen Plastik Mexikos empfing. Sein Streben nach Ausdruckskraft, Materialgerechtigkeit und Formenvielfalt hat hier seine Wurzeln, und Werke wie "Drei aufrechte Motive" (1955/56) wirken "wie seit Jahrtausenden aufragende Zeichen früher Kulturen". Die weich gerundeten Formen seiner weiblichen Akte leugnen nicht das harte Material, aus dem sie hergestellt sind, und die Durchbrechungen der Figur werden zum zentralen Charakteristikum von Henry Moores Plastik: "Das erste Loch, das man in einen Stein schlägt, ist eine Offenbarung. Das Loch verbindet eine Seite mit der anderen und macht den Stein sogleich dreidimensionaler", schreibt er 1937. Die monumentale "Liegende" (1957), die der Künstler für den Vorplatz der UNESCO in Paris schuf, erweist sich im Wechselspiel von Hohlraum und massiver Form als Inbegriff der künstlerischen Idee von räumlicher Vollständigkeit und einer Vielzahl möglicher Blickpunkte. Henry Moores Ziel ist eine Kunst, die, jenseits von Kategorien des Gegenständlichen und Abstrakten, eine eigene Wirklichkeit manifestiert. Seine Plastiken begründen ein neues Bild des Menschen und eine neue Epoche der abendländischen Bildhauerei.

In Zusammenarbeit mit dem British Council, London.

Der broschierte Katalog zeigt auf dem Titel die farbige Abbildung von "Drei aufrechte Motive" von 1955/56. Neben 20 Seiten Text enthält er 113 Abbildungen, davon zwei in Farbe. Das Vorwort verfasste Alfred Hentzen, danach folgt eine Sammlung von "Äußerungen Moores in seinen Schriften", eine biografische Übersicht und eine Aufstellung aller öffentlichen Sammlungen und Gebäude, in denen sich Werke des Bildhauers befinden. Die Werkliste umfasst 118 Nummern, davon 55 Plastiken, 60 Zeichnungen und 2 Wandbehänge; sie nennt jeweils Titel, Jahreszahl, Technik, Maße und Provenienz eines Werks, bei den Skulpturen wird auch die Auflage benannt.

Henry Moore, Sitzende Frau auf der Treppe, 1956, Hamburger Kunsthalle © bpk Bildagentur, Foto Elke Walford
Henry Moore, Sitzende Frau auf der Treppe, 1956, Hamburger Kunsthalle © bpk Bildagentur, Foto Elke Walford
Henry Moore, Liegende (UNESCO), 1957 © bpk Bildagentur
Henry Moore, Liegende (UNESCO), 1957 © bpk Bildagentur

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