Paul Gaugin

AUSSTELLUNG 01.04.1960 – 29.05.1960

Mit Paul Gauguin (1848–1903) rückte das Haus der Kunst 1960 einen Künstler in den Blickpunkt, der zu seiner Zeit weit davon entfernt war, jenen "schöpferischen Geist Frankreichs" zu verkörpern, den Germain Bazin, Chefkurator des Louvre-Museums in Paris, in seinem Katalogaufsatz beschwört. Vielmehr zählte der Maler aus dem fortschrittlichen Kreis der Symbolisten zu den "peintres maudits", jenen "verfluchten" Künstlern, die sich gegen die Tradition stellten und nach dem Bruch mit dem Impressionismus eine radikal neue, weit in die Moderne des 20. Jahrhunderts vorausweisende Kunstauffassung vertraten. In den 1880er-Jahren entwickelte Gauguin zunächst in der Bretagne eine Bildsprache, die aus flächigen Farbmustern, weich schwingenden Konturen und leuchtenden Farben bestand. Doch bald zog es den Abenteurer und Außenseiter der bürgerlichen Gesellschaft nach Tahiti, wo er sich 1896 endgültig niederließ. Dort fand der Maler jene Motive einer "primitiven" Kultur, an die er seine symbolischen Aussagen über die menschliche Existenz knüpfte, bevor er, vom ausschweifenden Leben, Alkohol, Entbehrungen und Krankheit gezeichnet, 1903 starb.
Während Gauguins Frühwerk noch ganz im Zeichen des Impressionismus steht, zeugen die Bilder zum Thema Mensch und Natur, die wie "Bretonische Bäuerinnen" (1886) in den 1880er-Jahren in der Bretagne entstehen, von der Suche nach Ursprünglichkeit. Mit der Betonung der Fläche, der monumentalen Statik der Figuren und der dekorativen Akzentuierung der weißen Trachtenhauben beschreitet er malerisch einen neuen Weg. Dem Kreis von Künstlern um Paul Gauguin und Émile Bernard, auch bekannt als "Schule von Pont-Aven", geht es um den Abschied von der Freilichtmalerei. Mit der Betonung der Silhouette ("Cloisonné") und der Eigenwertigkeit der Farben vollziehen die Maler den Schritt von der Wiedergabe der Natur zur Idee. Ihr Ziel ist es, Gefühlsstimmungen unabhängig von der Wirklichkeit wiederzugeben.
Zunehmend tauchen in Paul Gauguins Bildern jene exotischen Sujets auf, die auf erste Reisen in die Südsee 1887–88 und 1891–93 zurückgehen, bevor er sich 1896 endgültig auf Tahiti niederlässt. Obwohl sich das Paradies als Trugbild erweist, wirken seine leuchtend farbigen Darstellungen von Eingeborenen in idyllischer Landschaft romantisch-pittoresk. Sein Lieblingsmotiv findet der Maler in den bronzefarbenen Körpern junger Südseemädchen, die ihn als Modell und Lebensgefährtin begleiten und die er in flächigen Kompositionen mit einem außergewöhnlichen Gespür für Ausgewogenheit und lineare Rhythmisierung wiedergibt. Einen Höhepunkt seines Schaffens und den Mittelpunkt der Ausstellung bildet das Gemälde "Te tamari no atua (Geburt)" (1896) als exotische Interpretation der Geburt Christi: eine Insulanerin mit Heiligenschein auf dem Schmerzenslager vor einem Stall, während Helferinnen das Kind versorgen. Neben der gefühlvollen Erzählung beeindruckt das Werk vor allem durch die klassische Ruhe und farbliche Harmonie sowie einen Perspektivwechsel, der auf Picasso vorausweist.
Die wegweisende Qualität von Paul Gauguins Kunst kommt insbesondere in seinem druckgrafischen Werk zum Vorschein, was die Ausstellung mit einer Vielzahl von Blättern in unterschiedlichen Techniken unterstreicht. Harold Joachim, Kurator am Art Institute of Chicago betont in seinen Ausführungen "Zur Grafik Gauguins" den Stellenwert von Radierung und Lithografie zum Verständnis des Gesamtwerks. Große Bedeutung misst er dem Holzschnitt bei und ganz besonders einer Serie von zehn Blättern, die als Eigendrucke von hervorragender Qualität sind (u.a. "Auti te Pape", 1893–95). Diese Technik erlaubt Gauguin vielfältigere Darstellungen als die großen, fest umgrenzten Flächen seiner Bilder und lässt mehr Raum, auch das Magisch-Unheimliche einzubeziehen. So ermöglichen es Paul Gauguins Gemälde, Plastiken, Zeichnungen und Drucke dem Betrachter, mit dem Zauber der Südsee auch dem "Zauber der Kunst" zu verfallen.

Der broschierte Katalog zur Ausstellung trägt eine farbige Abbildung des Gemäldes "Te tamari no atua (Geburt)" (1896) auf dem Titel und umfasst 90 Seiten. Germain Bazin, Chefkonservator am Museum Louvre in Paris verfasste den Aufsatz "Gauguin oder Klassizismus durch Revolte"; zur "Grafik Gauguins" äußerte sich Harold Joachim, Kurator am "Art Institute of Chicago". Selbstzeugnisse, die Lebensdaten und eine kurze Bibliografie runden den Textteil ab. Das "Verzeichnis der ausgestellten Werke" listet insgesamt 200 Katalognummern auf und ist gegliedert nach Gemälden (76 Objekte), Zeichnungen in unterschiedlichen Techniken, Plastiken und Druckgrafik. Der Katalog ist mit 3 Farb- und 89 s/w-Abbildungen illustriert.

Paul Gauguin, Te tamari no atua (Geburt), 1896, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © bpk Bildagentur
Paul Gauguin, Te tamari no atua (Geburt), 1896, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © bpk Bildagentur
Paul Gauguin, Bretonische Bäuerinnen, 1886, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © bpk Bildagentur
Paul Gauguin, Bretonische Bäuerinnen, 1886, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © bpk Bildagentur

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