Marc Chagall

AUSSTELLUNG 07.04.1959 – 31.05.1959

Marc Chagall (1887–1985) war als Wegbereiter der Moderne längst zu Weltruhm gelangt, als man dem 72-jährigen in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Hamburg und dem Musée des Arts Décoratifs Paris unter der Schirmherrschaft der UNESCO eine Ausstellung im Haus der Kunst widmete. Mit der Fülle von Leihgaben aus aller Welt – insgesamt rund 400 Werke, darunter 176 Gemälde sowie Plastiken, Keramiken, Zeichnungen und Grafiken – wollte man die ganze Breite seines vielfältigen Oeuvres abdecken und zugleich "die innere Einheit, das in jedem Bild zutage tretende unverwechselbare Wesen dieses großen Künstlers" begreifbar machen, wie es Alfred Hentzen im Vorwort formulierte.
Im Jahr 1910 gelangt Chagall nach dem Besuch von Kunstschulen in seiner Heimatstadt Witebsk und in St. Petersburg nach Paris. Dort schließt er sich dem Kreis avantgardistischer Künstler am Montparnasse an, von dem wichtige Impulse für den Kubismus, Orphismus und Surrealismus ausgehen. Unter ihrem Eindruck überwindet Chagall die Bildlosigkeit der jüdischen Kultur und verwandelt die Erinnerungen an die Welt seiner Jugend in Russland in eine kraftvoll-visionäre Bildsprache. Wegweisende Gemälde wie "Ich und das Dorf" (1911; auf dem Katalogcover) und "Der Violinspieler" (1911–14) entfalten im Reigen wiederkehrender Motive – Dorf, Kirche, Tiere, Bauer, Liebespaar, Blumen – eine eigene poetische Fantasie. Zugleich stellt er mit seinen farbkräftigen Visionen die alte Bildordnung in Frage, indem er mit Zentralperspektive und einheitlichem Maßstab bricht, Menschen auf den Kopf stellt, Gegenstände in der Luft schweben lässt und räumlich und zeitlich Getrenntes zusammenführt. Dies trägt Chagall die Anerkennung der Surrealisten und der deutschen Expressionisten ein. Die erste Einzelausstellung in Deutschland 1914 in Herwarth Waldens Berliner Sturm-Galerie trägt zudem zu seinem künstlerischen Erfolg bei.
Der Krieg führt ihn vorübergehend nach Russland zurück, wo er als Leiter einer Kunstschule und Bühnenbildner arbeitet. Durch die Heirat mit Bella wird er zu seinen berühmten Liebesbildern mit schwebenden Hochzeitspaaren inspiriert ("Das Brautpaar mit dem Eiffelturm", 1938/39). Zurück in seiner Wahlheimat Paris widmet er sich in den 1920er-Jahren verstärkt der Buchillustration und setzt mit virtuosen Farblithografien zur Bibel, zu Werken von Gogol und La Fontaine und zum Thema Zirkus neue Maßstäbe. Die 1930er-Jahre stehen unter dem Eindruck des NS-Terrors, der Erschütterung über das Schicksal der Juden in Deutschland und die Brandmarkung seiner Werke im Rahmen der Femeausstellungen. Form und Farbe seiner teilweise im amerikanischen Exil gemalten Bilder tragen schwermütige und bedrohliche Züge und beschwören im Motiv der Kreuzigung das Unheil. "Kreuzigung in Gelb" (1943) wird zum Schlüsselbild der Epoche.
Nach dem Krieg und dem Tod Bellas lässt sich Marc Chagall 1950 mit seiner zweiten Frau dauerhaft in Vence nieder und findet zur Heiterkeit und Schaffensfreude zurück. Es entstehen Plastiken, keramische Arbeiten und zahlreiche Bilder ("Die Mandelbäume", 1955/56). Im Vorfeld der Münchner Ausstellung erfährt das Lebenswerk Chagalls eine umfassende Würdigung, etwa durch die Eröffnung des Chagall-Hauses in Haifa/Israel (1957) sowie durch große Ausstellungen in aller Welt. Besonders hervorzuheben sind die erste und zweite "documenta", die die bahnbrechende Wirkung der Klassischen Moderne ausstellten (1955, 1959).

Der broschierte Katalog trägt auf dem Titel die farbige Abbildung von Chagalls "Ich und das Dorf" (1911) und umfasst ca. 440 Seiten. Der Textteil enthält ein Vorwort von Alfred Hentzen sowie die Lebensdaten des Künstlers, ein Ausstellungsverzeichnis, Auflistungen über die "Schriften von Chagall", "Von Chagall illustrierte Bücher und Mappen" sowie eine Bibliografie. Das Ausstellungsverzeichnis führt 404 Objekte, davon 176 Gemälde, 5 Plastiken, eine Vielzahl von Gouachen, Keramiken, Druckgrafiken und einzelne Bücher mit Illustrationen. Der Abbildungsteil enthält 15 Farbabbildungen und zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotografien.

Marc Chagall, Meiner Frau gewidmet, 1933-44, Musee National d'Art Moderne, Centre Pompidou, Paris © bpk Bildagentur, Foto Jacques Faujour
Marc Chagall, Meiner Frau gewidmet, 1933-44, Musee National d'Art Moderne, Centre Pompidou, Paris © bpk Bildagentur, Foto Jacques Faujour
Marc Chagall, Hochzeit, 1910, Musee National d'Art Moderne, Centre Pompidou, Paris  © bpk Bildagentur, Foto Philippe Migeat
Marc Chagall, Hochzeit, 1910, Musee National d'Art Moderne, Centre Pompidou, Paris © bpk Bildagentur, Foto Philippe Migeat
Marc Chagall, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1959, Foto Archiv Künstlerverbund im Haus der Kunst München e.V. (vormals Ausstellungsleitung e.V.)
Marc Chagall, Installationsansicht, Haus der Kunst, 1959, Foto Archiv Künstlerverbund im Haus der Kunst München e.V. (vormals Ausstellungsleitung e.V.)

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