Le Corbusier. Architektur, Malerei, Plastik, Wandteppiche

AUSSTELLUNG 05.10.1957 – 24.11.1957

Mit der Ausstellung würdigte das Haus der Kunst Le Corbusier (eigentlich Charles Edouard Jeanneret, 1887–1965) als das "erste Genie von Weltgeltung, das die Schweizer Architektur-Geschichte zu verzeichnen hat", indem sie anhand von Fotografien, Modellen, Zeichnungen und Plänen eine Vielzahl seiner architektonischen und städtebaulichen Werke vorstellte. Mit 42 Gemälden, Skulpturen und Wandteppichen präsentierte ihn die Ausstellung als vielfältig begabten Künstler und als einen der bedeutendsten und einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts. 1957 erschien der letzte Band von Le Corbusiers sechsbändigem Werkverzeichnis, und so zeichnen die Verfasser der Katalogaufsätze, der Schweizer Architekturhistoriker Sigfried Giedion und der einstige Mitarbeiter Le Corbusiers, Alfred Roth, die großen Leistungen des fast 70-Jährigen als Wegbereiter der modernen Architektur von den Anfängen bis zu den Großprojekten der Gegenwart nach.
Nach dem Besuch der Ecole d'art in seinem Heimatort La-Chaux-de-Fonds und Jahren der Ausbildung bei wegweisenden Architekten, gründet Le Corbusier 1917 mit Pierre Jeanneret in Paris ein Architekturbüro und tritt erstmals mit spektakulären Projekten in Erscheinung. In den 1920er-Jahren entwickelt er seine auf der Konstruktion aus Eisenbeton und Stahl begründete Architektur aus Fertigteilen, die auf strikte Funktionalität zielt. Er profiliert sich mit den "Fünf Punkten zu einer neuen Architektur" (1. freistehende Stütze, 2. Unabhängigkeit von Skelett und Wand, 3. freier Grundriss, 4. freie Fassade, 5. Dachgarten) als Verfechter des Neuen Bauens, wie es z. B. im Wohnhaus für die Weißenhofsiedlung bei Stuttgart (1927) seine praktische Umsetzung findet.
Ausstellung und Katalog sind nach Themenschwerpunkten im Werk Le Corbusiers gegliedert. Die 1950er-Jahre stehen unter dem Zeichen eines Auftrags für das Kapitol der Hauptstadt des Punjab "Chandigarh" in Indien, für dessen Gebäude er als Architekt verantwortlich zeichnet.
Unter der Bezeichnung "Raum und Form" werden die Arbeitsinstrumente Le Corbusiers vorgestellt, vor allem der "Modulor", eine auf der menschlichen Gestalt basierende Maßeinheit, welcher der Künstler eine Serie von Lithografien widmet (s. Katalogcover).
Ein weiteres Kapitel befasst sich mit einem von Le Corbusiers bekanntesten Bauprojekten, der Wallfahrtskapelle Notre-Dame-du-Haut bei "Ronchamp" (1955), die mit ihrer organisch geschwungenen Fassade ein eindrucksvolles Beispiel des plastisch-expressiven Baustils ist. Seine Ideen zur "Stadtplanung"  belegen u.a. der "Plan pour une ville contemporaine" (1922) sowie Modelle zum "Plan Voisin" in Paris und der "Urbanisation" in Algier. Neben den Innovationen im Bau der "Wohnung" (Unité d'Habitation von Marseille, 1952) wird die "Architektur" Le Corbusiers mit dem neuen Typ von kubischen Villenbauten vorgestellt, deren Innenräume auf der freistehenden Stütze lagern (Villa Savoye, Poissy, 1931), ergänzt durch Entwürfe für den Sowjetpalast in Moskau und die UNO in New York.
Ein Kapitel stellt Le Corbusiers Umgang mit dem "Fenster" vor: Das von ihm erfundene Horizontal-Schiebefenster sorgt für eine bessere Belichtung und kann zu großen Fensterflächen gefügt werden. Neben den "Bauten in Ahmedabad" (1956) zeigt die Ausstellung auch die Studien zu "Museen" wie dem Nationalmuseum für westliche Kunst in Tokio (1959).
Jenseits seiner Tätigkeit als Architekt richtet die Ausstellung das Augenmerk auf 33 Werke von insgesamt 400 Gemälden, die Le Corbusier von den 1920er- bis in die 1950er-Jahre geschaffen hat. Sie machen die Grundprinzipien seines künstlerischen Schaffens – die Vereinfachung der künstlerischen Mittel und den Verzicht auf dekorative Details – auch in der Malerei nachvollziehbar. Seine Stillleben, Skulpturen und Wandteppiche, lassen die Anregung durch den Kubismus erkennen, die Kompositionen aus geometrischen Formen sind Vorbildern wie Fernand Léger, Jacques Lipchitz und Juan Gris entlehnt und begründen eine neue Kunst des Purismus. Es ist das besondere Verdienst dieser Ausstellung, nicht nur den Architekten, Stadtplaner und Theoretiker Le Corbusier in den Mittelpunkt zu stellen, sondern auch seine schöpferische Begabung auf dem Gebiet der bildenden Kunst, der Malerei und Bildhauerei (nicht jedoch seine Möbelentwürfe) hervorzuheben – zwei Jahre bevor sein künstlerisches Schaffen im Bereich Grafik 1959 auf der documenta II gewürdigt wurde.

Der broschierte Katalog im DIN A5-Format umfasst 95 Seiten, er ist illustriert mit Zeichnungen und circa 22 s/w-Fotos. Dem Vorwort des Bayerischen Kultusministers August Rucker folgt ein Aufsatz von Sigfried Giedion "Le Corbusier und die architektonischen Ausdrucksmittel dieser Zeit". Daran schließen sich Ausführungen von Alfred Roth unter dem Titel "Im Banne der Schöpferkraft Le Corbusiers" sowie eine Sammlung von Zitaten von "Le Corbusier über sich selbst" in Französisch. Ein Artikel des Architekten über "Die Straße" sowie eine Biografie beschließen den Textteil des Katalogs. Das Werkverzeichnis bietet einen Überblick über Le Corbusiers Bauten, seine Studien, Pläne und Projekte von 1905 bis 1956 sowie die ausgestellten Gemälde, Skulpturen und Wandteppiche.

Le Corbusier, Stillleben, 1922, Musee National d'Art Moderne, Centre Pompidou, Paris © Bridgeman Images

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