Fernand Léger 1881–1955

AUSSTELLUNG März 1957 — Mai 1957

Ein Jahr nach seinem Tod widmete das Musée des Arts Décoratifs in Paris dem Künstler Fernand Léger (1881–1955) eine Ausstellung seiner Gemälde und Zeichnungen. Im Anschluss wurde sie, ergänzt um Objekte aus dem Bereich der angewandten Kunst, als erste Gesamtdarstellung seines Schaffens im Haus der Kunst gezeigt. Dort setzte sie die Ausstellungsreihe fort, die dem Gedenken an führende Künstler des 20. Jahrhunderts gewidmet war. Mit Fernand Léger würdigte man eine Persönlichkeit, die "das künstlerische Denken und Vorstellen zutiefst verwandelt und das Schicksal der Malerei entscheidend bestimmt" hat.
Nach einer Ausbildung zum Architekturzeichner absolviert Fernand Léger mehrere Kunstschulen in Paris, bevor er sich dort 1908 als Maler niederlässt und Anschluss an die Kreise der Avantgarde findet. Die Auseinandersetzung mit Cézanne und dem Kubismus führt zu einem eigenwilligen Stil aus geometrischen Grundformen und gedämpften Farben wie er in "Akte im Walde" (1909/10) zu sehen ist. Mit diesem erregt er in der Ausstellung im Salon des Indépendents Aufsehen und wird vom Kunsthändler Daniel-Henry Kahnweiler entdeckt. Mit der Zersplitterung von Motiven aus der Alltagswelt in plastische Einzelelemente begründet er ein neues Verhältnis zur Dingwelt und macht das Bild zum autonomen Kunstobjekt.
Der Eindruck des Ersten Weltkriegs führt bei Léger zur "mechanistischen Periode". Die Faszination für die Maschine und ihre metallische Härte und Präzision wird in Landschaften, Figuren und Stillleben verherrlicht. Sie sind aus röhrenartigen Formen zusammengesetzt und erstrahlen, inspiriert durch Delaunay, im harten Farbkontrast reiner Farben ("Die Kartenspieler", 1917). "Ich erfinde Maschinenbilder wie andere Fantasielandschaften. Das technische Element ist für mich (…) ein Mittel, Kraft und Macht sichtbar zu machen", ist Légers Credo. Die Dinge werden laut Jean Cassou, Autor der Einführung des Ausstellungskatalogs, zum Emblem mit Zeichencharakter und zum "Gleichnis einer optimistisch heroischen Auffassung der modernen Arbeitswelt und Daseinslage".
Auch die menschliche Gestalt in den technisch konstruierten Figurenbildern der Periode von 1921 bis 1924 verliert ihren psychologisch-expressiven Charakter und wird – mit ausdruckslosem Gesicht und klobiger Gestalt – als Arbeiter, Akrobat, Badender, Radler oder Architekt zum Objekt stilisiert. Wegen der Monumentalität, welche die Menschen wie Gegenstände der modernen Welt erscheinen lässt, gilt Fernand Léger als Begründer eines "neuen Realismus". Er äußert sich in Gemälden wie "Das Frühstück" (1921) ebenso wie in dem von Léger produzierten Film "Das mechanische Ballett" (1924).
Die Bilder, die 1928 in einer Ausstellung in der Galerie Flechtheim in Berlin gezeigt werden, läuten eine neue Phase im Schaffen Légers ein, in der er im Bild Figuren und Gegenstände ohne surrealistische Absicht verbindet ("Die Mona Lisa mit den Schlüsseln", 1930). Der Künstler findet nun große Anerkennung – sei es als Professor mit einem Atelier in Paris, in dem sich jeden Tag Schüler aus aller Welt zur Korrektur einfinden, mit Einzelausstellungen wie im Museum of Modern Art New York im Jahr 1935 oder mit Aufträgen für die Ausstattung von Theaterstücken und Ballettaufführungen. Die "amerikanische Periode", während der der Künstler in Yale lehrt, gilt mit Dekorationsprojekten und einer Fülle von Bildern als die dynamischste und expressivste seines Schaffens. In dieser Zeit entstehen Werke mit organisch-weichen Formen wie "Die vielfarbigen Taucher" (1942) oder "Die Trapezkünstler" (1942).
Nach seiner Rückkehr nach Frankreich lässt sich Fernand Léger in Gif-sur-Yvette nieder. Auch sein Spätwerk der letzten zehn Jahre vor seinem Tod 1955 ist voller kunsthistorischer Höhepunkte: Es entstanden in dieser Zeit Werke wie "Die Rast. Hommage an David" (1948/49), "Konstrukteure auf gelbem Grund" (1950) und "Die Landpartie" (1952/53). Zunehmend befasst sich der Künstler nun auch mit plastischen Arbeiten und macht sich weiterhin mit Dekorationen für Aufführungen an der Pariser Oper sowie mit Glasfenster-Entwürfen für Kirchen einen Namen.
Der broschierte Katalog trägt auf dem weißen Cover die farbige Abbildung einer Gouache von 1953 und umfasst ca. 230 Seiten. Der Textteil enthält ein Vorwort der Ausstellungsleitung, einen kurzen Aufsatz von Léger ("So fängt es an"), eine kunsthistorische Einführung von Jean Cassou sowie eine Beschreibung des "Atelier Léger" von Georges Beauquier. Es folgen die Biografie, Bibliografie und der Katalog der ausgestellten Werke mit 266 Nummern, davon 144 Gemälde (zum Teil mit Zitaten des Künstlers) und zahlreiche Zeichnungen und Gouachen. Der Abbildungsteil enthält 4 Farbabbildungen und eine Vielzahl von Schwarz-Weiß-Fotografien.

Fotonachweis Fernand Léger: Fotoarchiv Marburg

Fernand Léger, Die Konstrukteure auf gelbem Grund, 1950, Kassel, Privatsammlung © Fotoarchiv Marburg

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