Kurt Schwitters: Aller Anfang ist MERZ – Von Kurt Schwitters bis heute

AUSSTELLUNG 09.03 – 27.05.01

Die Ausstellung "Aller Anfang ist MERZ – Von Kurt Schwitters bis heute" ist eine umfangreiche Retrospektive des Künstlers und Antikünstlers, des Revolutionärs und Traditionalisten, des Bürgerschrecks und Kleinbürgers Kurt Schwitters (1887–1948). Sie umfasst über 230 Werke aus allen Schaffensperioden, auch das bislang weitgehend unbekannte zeichnerische Œuvre sowie das malerische Frühwerk. Im Zentrum jedoch stehen die Collagen aus Fundstücken des Alltags, mit denen Kurt Schwitters  in den 1920er-Jahren in dadaistischer Manier in Erscheinung trat, indem er seine Kunst unter dem Phantasienamen MERZ als eigene Gattung deklarierte. Zudem sind Skulpturen, Gemälde, typografische Arbeiten, das literarische Werk, Dokumente sowie die spektakuläre Rekonstruktion des MERZbaus im Zustand von 1933 zu sehen.
Herzstück der Ausstellung ist der MERZbau, Schwitters' Hauptwerk, auch "Kathedrale des erotischen Elends" genannt. Von 1923 bis 1937 fügte er hierfür in seinem Atelier in Hannover alle möglichen Materialien und Erinnerungsstücke zu einer raumfüllenden Collage zusammen, die sich als architektonisch-skulpturales Gebilde zuletzt über mehrere Stockwerke erstreckte. In ihm verbanden sich Spuren seiner persönlichen Existenz mit dem Konzept der Collage zu einem Gesamtkunstwerk, in dem die Trennung von Kunst und Leben aufgehoben war. Der MERZbau gilt heute als eine der ersten Rauminstallationen des 20. Jahrhunderts, er wurde im Krieg zerstört, während Schwitters im norwegischen Exil überlebte.
Die Ausstellung beschränkt sich aber nicht auf Kurt Schwitters, sie zeigt vielmehr die Weiterentwicklung seiner künstlerischen Ideen bis in die Gegenwart. Wie nachhaltig Kurt Schwitters die Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägte, zeigen Werke des Abstrakten Expressionismus, der Pop Art, des Nouveau Réalisme und der Fluxus-Bewegung anhand von Joseph Beuys, Robert Rauschenberg, Richard Hamilton, Raymond Hains, Robert Filliou, Anthony Cragg und Dieter Roth. Als Klassiker der Kunstgeschichte werden Allan Kaprows "Kiosk" (1957) und Daniel Spoerris „Le Coin du Restaurant“ (1975) präsentiert. Ihre künstlerische Auseinandersetzung mit Schwitters vollzieht sich vor allem über die Weiterentwicklung des Prinzips Collage.
Die Beiträge der zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler zur Ausstellung kreisen um Schwitters' Idee vom Gesamtkunstwerk und insbesondere die Themen Atelier, Gehäuse und Raum. Sein Credo "Beziehungen schaffen, am liebsten zwischen allen Dingen der Welt" erweist sich als erstaunlich aktuelles Konzept, das Künstler wie Jessica Stockholder, Gregor Schneider und John Bock inspirierte, und das sich bis zu den neodadaistischen Tendenzen unserer Tage und weiter in Konzeptkunst, Cross-Over und Sampling verfolgen lässt. Die junge kanadische Künstlerin Laura Kikauka nimmt das Sammeln und Arrangieren als Ausgangspunkt ihrer im Haus der Kunst entstandenen Installation von Fundstücken, einer Art Museum für Wohlstandsmüll. Auch der Österreicher Lois Renner thematisiert das Atelier als Arbeitsstätte und Kunstwerk, indem er es als Modell nachbaut und fotografiert.
Noch heute begeistern die Werke Kurt Schwitters' durch Unkonventionalität, Witz und schier unerschöpflichen Ideenreichtum, doch auch die sinnliche Präsenz der zeitgenössischen Installationen zieht den Betrachter in ihren Bann. Das Nebeneinander retrospektiver und gegenwartsbezogener Blickwinkel dürfte ganz im Sinne Kurt Schwitters' gewesen sein, zumal er folgenden Appell an uns richtete: "Wenn Ihr Menschen der Zukunft aber mir eine besondere Freude machen wollt, so versucht die wichtigen Künstler Eurer Zeit zu erkennen. Es ist für Euch wichtiger und für mich eine größere Freude, als wenn Ihr mich entdeckt zu einer Zeit, in der man mich schon längst entdeckt hat." (Kurt Schwitters, Ich und meine Zeit, 1931).

In Kooperation mit der EXPO 2000, der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband, der Norddeutschen Landesbank, der Stadtsparkasse Hannover und den VGH Versicherungen.

Kurt Schwitters: Aller Anfang ist MERZ – Von Kurt Schwitters bis heute, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2001, Foto Wilfried Petzi
Kurt Schwitters: Aller Anfang ist MERZ – Von Kurt Schwitters bis heute, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2001, Foto Wilfried Petzi
Kurt Schwitters: Aller Anfang ist MERZ – Von Kurt Schwitters bis heute, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2001, Foto Wilfried Petzi
Kurt Schwitters: Aller Anfang ist MERZ – Von Kurt Schwitters bis heute, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2001, Foto Wilfried Petzi
Kurt Schwitters: Aller Anfang ist MERZ – Von Kurt Schwitters bis heute, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2001, Foto Wilfried Petzi
Kurt Schwitters: Aller Anfang ist MERZ – Von Kurt Schwitters bis heute, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2001, Foto Wilfried Petzi
Kurt Schwitters: Aller Anfang ist MERZ – Von Kurt Schwitters bis heute, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2001, Foto Wilfried Petzi
Kurt Schwitters: Aller Anfang ist MERZ – Von Kurt Schwitters bis heute, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2001, Foto Wilfried Petzi
Kurt Schwitters: Aller Anfang ist MERZ – Von Kurt Schwitters bis heute, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2001, Foto Wilfried Petzi
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Bildergalerie


Ausstellungskatalog

Kurt Schwitters — Aller Anfang ist Merz

Mit Beiträgen von Dietmar Elger, Isabelle Ewig, Justin Hoffmann, Ines Katenhusen, Ulrich Krempel, Anette Kruszynski, Susanne Meyer-Büser, Karin Orchard, Gerhard Schaub und Isabel Schulz. MEHR


AUSSTELLUNG

Wege zur Abstraktion

12.08 – 09.10.88

Anstelle der wiederholten Präsentation berühmter Werke der Alten Kunst konzentrierte man sich in der Ausstellung auf "80 Meisterwerke" der Klassischen Moderne aus der Sammlung Thyssen-Bornemisza, um an ihnen die "Wege zur Abstraktion" exemplarisch nachzuvollziehen. MEHR


AUSSTELLUNG

Elan Vital oder Das Auge des Eros.

20.05 – 14.08.94

Entsprechend der Vorstellung vom Leben als einheitlichem, aber verzweigten Strom verfolgt die Ausstellung das Phänomen der organischen Abstraktion bei Kandinsky, Klee, Arp, Miró und Calder zwischen 1920 und 1945. MEHR


AUSSTELLUNG

Beauty now

10.02 – 01.05.00

Lange Zeit war das Schöne keine Kategorie der modernen Kunst – Mode, Werbung und Massenmedien hatten es für sich beansprucht. Seit einigen Jahren jedoch zeichnet sich die Rückkehr der Schönheit in die Kunst der Gegenwart ab. MEHR


AUSSTELLUNG

Picasso 1900–1955

Die Ausstellung vollzog die künstlerische Entwicklung Pablo Picassos anhand von insgesamt 256 Gemälden, Zeichnungen, Grafiken, Skulpturen und Keramiken nach. MEHR


AUSSTELLUNG

Edvard Munch

Mit einer umfangreichen Retrospektive ehrten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie in Oslo den großen norwegischen Maler Edvard Munch (1863–1944). MEHR


AUSSTELLUNG

Barnes Collection

23.06 – 22.10.95

Die Ausstellung zeigt die legendäre Sammlung moderner Kunst, die Alfred C. Barnes zusammengetragen hat. Gezeigt werden berühmte Schlüsselwerke der rund 2000 Werke umfassenden Sammlung. MEHR


AUSSTELLUNG

Paul Klee — In der Maske des Mythos

01.10.99 – 09.01.00

Die Ausstellung präsentiert das Gesamtwerk Paul Klees im Überblick und bietet eine neue Sicht auf Klees Methode, mythologische Wesen darzustellen und sich zugleich selbst dahinter zu verbergen – wie hinter einer Maske. MEHR


AUSSTELLUNG

Ellsworth Kelly. Retrospektive.

17.10.97 – 20.01.98

Ellsworth Kelly gehört zur Generation derer, die in den 1950er-Jahren den Abstrakten Expressionismus überwanden und eine neuartige Bildsprache entwickelten. MEHR


AUSSTELLUNG

Joel Shapiro

24.10.97 – 18.01.98

Joel Shapiro zählt zu den wichtigsten amerikanischen Bildhauern der Gegenwart. Die Ausstellung zeigt elf Werke, die seine künstlerische Entwicklung der Jahre 1993-1997 erkennen lassen. MEHR


AUSSTELLUNG

Eine Reise ins Ungewisse

06.02 – 03.05.98

München ist der Ort, an dem die Fäden der Künstlerbiografien und die Linien der Werkentwicklung von Arnold Böcklin, Giorgio de Chirico und Max Ernst zusammenlaufen. MEHR


AUSSTELLUNG

Emil Schumacher — Retrospektive

08.05 – 12.07.98

Die Bilder Emil Schumachers (1912-1999) gelten als Inbegriff der deutschen Nachkriegskunst. MEHR


AUSSTELLUNG

Hughie O'Donoghue

10.01 – 11.02.97

Wie Francis Bacon, konzentriert sich auch Hughie O'Donoghue auf den menschlichen Körper, seine Fleischlichkeit, Verwundbarkeit und sinnliche Kraft. MEHR


AUSSTELLUNG

Das zweite Gesicht

14.02 – 27.04.97

Als Sammlung afrikanischer Skulptur dokumentiert die Sammlung Barbier-Mueller den Schwarzen Kontinent in seinem schöpferischen Reichtum so lückenlos wie kaum eine andere. MEHR


AUSSTELLUNG

Kunst über Grenzen

07.03 – 30.05.99

Die Ausstellung charakterisiert die Sammlung des Schweizers Josef Müller, die zu den bedeutendsten privaten Kunstsammlungen der Welt gehörte. MEHR


AUSSTELLUNG

Russische Avantgarde

10.05.96 – 04.08.97

Zunächst erwarb George Costakis Kunstwerke von verarmten Sammlern; ab 1946 konzentrierte er sich auf die russische Avantgarde, die in den Jahren der Revolution um 1917 in Blüte stand. MEHR


AUSSTELLUNG

Tanz in der Moderne — Von Matisse bis Schlemmer

07.02 – 27.04.97

Die Künstler des beginnenden 20. Jahrhunderts waren begeisterte Besucher von Varietés und exotischen Tanzdarbietungen und empfingen aus der Begegnung mit dem Tanz wichtige Impulse. MEHR


AUSSTELLUNG

Dora Maar

13.10.01 – 06.01.02

Bekannt als Gefährtin, Modell und Muse Pablo Picassos und als solche Motiv vieler seiner berühmtesten Bilder, wird allzu oft außer Acht gelassen, dass Dora Maar selbst eine herausragende Künstlerin war. MEHR


AUSSTELLUNG

Richard Lindner

07.02 – 27.04.97

Richard Lindner floh 1933 vor der Nazi-Diktatur aus Deutschland. In den 1940er-Jahren entwickelte er – avantgardistischen Trends diametral entgegengesetzt – sein verstörendes Oeuvre. MEHR