Prüderie und Leidenschaft — Der Akt in viktorianischer Zeit

AUSSTELLUNG 01.03 – 02.06.02

Den Zeitgenossen der viktorianischen Epoche (1837–1901) galt jede naturalistische Darstellung des nackten Körpers als moralisch gefährlich. Mit der Thronbesteigung Königin Victorias im Jahre 1837 wurde der Aktdarstellung neue Aufmerksamkeit und Bedeutung zuteil, zumal die Königin selbst ihrem Prinzgemahl Albert zu jedem Geburtstag eine Aktstudie schenkte als "Sinnbild ihrer reinen Liebe". Im streng protestantischen England galt jedoch grundsätzlich das naturalistische Abbild des unbekleideten, vor allem weiblichen Körpers als lasterhaft, wurde das Modell-Stehen als Form der Prostitution gewertet und auch die Betrachtung von Aktdarstellungen diskriminiert. Die Darstellung des Nackten musste folglich durch klassische Bildthemen überhöht werden, um den Vorwurf des Unmoralischen zu umgehen. 
Die Ausstellung "Prüderie und Leidenschaft" thematisiert die Entwicklung der Aktdarstellung im viktorianischen England und bietet erstmals einen umfassenden Einblick in dieses, gerade wegen seiner Ambivalenz, faszinierende Thema in der Kunst des 19. Jahrhunderts. Sie zeigt die zentrale Bedeutung des Akts im Werk bekannter Künstler wie Millais, Rossetti, Burne-Jones oder Sargent und macht deutlich, inwieweit auch weniger prominente Künstler zur komplexen Geschichte der Darstellung des nackten Körpers beigetragen haben. 
Die Ausstellung gliedert sich in sechs Themenkomplexe, die alle Stilrichtungen des 19. Jahrhunderts umfassen – die altmeisterliche Kunst der frühen viktorianischen Epoche, die fantasievollen Schöpfungen der Präraffaeliten, den Ästhetizismus, des Klassizismus und die Experimente des Impressionismus - bevor die viktorianische Ära um die Jahrhundertwende zu Ende ging.
Der englische Akt: Vor dem 19. Jahrhundert gab es in Großbritannien anders als in den kontinental-europäischen Ländern keine eigentliche Tradition der Aktmalerei. Der spezifisch "englische Stil" bildete sich in den 1840er-Jahren heraus und stützte sich hauptsächlich auf die Antike, hatte aber auch dem Einfluss der venezianischen Renaissance sowie Rubens und der flämischen Schule viel zu verdanken. Auf der Grundlage der britischen Literatur entwickelten die englischen Maler einen eigenen nationalen und moralischen Ansatz.
Der klassische Akt: Ab den 1860er-Jahren setzte sich zunehmend der Einfluss der französischen Kunst durch, in der jene Darstellung des Nackten möglich war, die sich auf die Antike und auf klassische Skulpturenideale bezog. 
Der private Akt: Im Gegensatz zu Aktdarstellungen im öffentlichen Raum, in Museen und Kunstausstellungen, wo Standards des Geschmacks und der Moral eingehalten werden mussten, erlaubte der private Akt – im häuslichen Rahmen und vor ausgewähltem Publikum präsentiert - eine freiere Formulierung jenseits des gesellschaftlich Erlaubten.
Das Künstleratelier: Ein besonderer Ruf rankt sich um den Mythos des Ateliers, in dem die Begegnung zwischen dem Künstler und seinem Modell stattfindet und die Ideale der Kunst auf die der Gesellschaft treffen. Im Pygmalion-Motiv der antiken Mythologie findet dieser Konflikt anschaulich Ausdruck, weshalb ihn die englischen Künstler jener Zeit gern aufgriffen.
Sensation - der Akt in der Hochkunst: Mit großformatigen Gemälden zu historischen und literarischen Themen, die in größeren Salon-Ausstellungen gezeigt wurden, fand die Aktdarstellung Eingang in die Hochkunst. Auffallend hier die Vorliebe für grausame, perverse und sadistische Themen, in denen vorwiegend weibliche, seltener auch männliche Akte die Hauptrolle spielen. 
Der Akt der Moderne: Um 1900 schließlich änderten sich die Konventionen hinsichtlich der Darstellung des unbekleideten Körpers. Die neue Sichtweise auf die Nacktheit unter dem Gesichtspunkt des Naturalismus und in einem veränderten sozialen Kontext brachte auch eine Neubewertung des Körpers in der Kunst mit sich. Die Bilder spiegeln diesen Prozess mit Bildern, die den nackten menschlichen Körper mit unbefangenem Blick als natürlichen Teil der Landschaft darstellen.
Die Ausstellung "Prüderie und Leidenschaft" konzentriert sich auf die Aktdarstellung in Malerei, Zeichnung und Druckgrafik, bezieht aber auch andere Medien wie die Fotografie, die populäre Illustration, die Werbung und die Karikatur mit ein.

Prüderie und Leidenschaft – Der Akt in viktorianischer Zeit, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
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Prüderie und Leidenschaft – Der Akt in viktorianischer Zeit, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Prüderie und Leidenschaft – Der Akt in viktorianischer Zeit, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
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