Neo Rauch — Randgebiet

AUSSTELLUNG 16.03 – 27.05.01

Neo Rauch (geboren 1960 in Leipzig) gehört zu den wichtigsten und eigenwilligsten Malern seiner Generation in Deutschland. Als Schüler von Arno Rink und Bernhard Heisig an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig ist ihm eine figurative Bildsprache eigen, die den Einfluss der Dadaisten ebenso erkennen lässt wie den des sozialistischen Realismus, der Comic-Elemente ebenso einbezieht wie Strategien der Farbfeldmalerei. Die nach dem Bildtitel "Randgebiet" (1999) benannte Ausstellung vereint rund 40 Hauptwerke der vergangenen sieben Jahre und bietet so erstmalig einen Überblick über Neo Rauchs malerisches Schaffen.
In meist großformatigen Kompositionen spielen sich seltsame Szenen ab, roboterartige Männer hantieren mit Kabeln und Platten, sie konstruieren und vermessen eine Phantasiewelt. Doch welches Ziel die Akteure verfolgen, bleibt im Dunkeln. Man meint, die Bilder erzählten surreale Geschichten, doch die Eigengesetzlichkeit der malerischen Elemente und die gebrochenen Realitätsebenen des Bildes verweigern sich der Nacherzählung einer konkreten Handlung. Eine geheimnisvolle Lähmung zieht den Betrachter in Bann. Das einzelne Bild gibt sich bewusst künstlich und handelt somit weniger von einer objektiven Wirklichkeit als von seiner eigenen Konstruiertheit und fiktionalen Existenz.
Immer wieder macht der Bildermaler Neo Rauch das Bildermachen selbst zum Motiv. Keilrahmen, Farbpaletten und Staffeleien weisen ebenso wie Tropfspuren und Schlieren auf den malerischen Arbeitsprozess und seine schöpferischen Möglichkeiten hin. In vielen Bildern beschäftigt sich Rauch mit der Rolle des Künstlers; er stellt ihn, in Gestalt des Forschers, Bauarbeiters, Ingenieurs oder Landvermessers, als Prototyp des modernen Selbstständigen dar und lässt die romantische Vorstellung des an der Welt Leidenden hinter sich. Der Künstler der Gegenwart muss seine Position selbstständig definieren, seine Aufgaben aktiv bestimmen und sich zugleich damit abfinden, dass er mit seiner Arbeit niemals zu einem Ende kommen wird. Kunst zu machen, so zeigt Rauch, folgt einer inneren Haltung. 
Kunst scheint eine Männerwelt zu sein. Überdeutlich, bisweilen karikaturistisch überzeichnet, sind die Entschlossenheit der Darsteller und ihre pathetischen Gesten, latent aggressiv die Stimmung – die Kunst als ein paramilitärischer Abenteuerspielplatz. Doch die Männer erscheinen nur vordergründig als Macher, Helden. Zu plakativ sind die Posen; zu sehr gleicht das Geschehen einer Übung, einem großen Als-Ob. Rauchs Darstellungen entpuppen sich in gebrochenen Farben als kulissenhafte Staffagen, sie taugen nicht als Historienbilder.
Trotz gegenständlicher Darstellung und erzählerischer Momente, sind Neo Rauchs Bilder im eigentlichen Sinne ungegenständlich; die malerischen Aspekte dominieren das Bild. Konstituierende Größen wie Raumstruktur, Figurenanordnung und Tiefenwirkung stehen als eigenständige Metaphern für sich selbst. Konstruktionsprinzipien wie Gestus, Schönlinigkeit, Umrandung, Dingpräzision und Schattengebung werden zu qualitativen Gradmessern des Bildes. Die Farbe ist kein untergeordnetes Prinzip mehr, sondern Bestandteil eines inneren Instrumentariums.
Neo Rauch ist kein Geschichtenerzähler, seine Bilder sind eher Stillleben und Sinnbilder des Bildermachens. Er erschafft gleichsam eine Emblematik der Bilderzeugung. Rauchs Bilder sind, wenngleich aus persönlichen wie historischen Erfahrungen entwickelt, autarke Findungen und metaphorische Konstellationen. Sie bilden nur die äußere Rahmenform für einen tiefer liegenden Sinngehalt, der weit über die Grenzen der Kunst hinausführt.

Neo Rauch, See, 2000, Courtesy Galerie Eigen + Art, Berlin/Leipzig, Foto Uwe Walter, Berlin © VG Bild-Kunst, Bonn, 2001

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