Hand-Arbeit — Senta Connert, Jochen Flinzer, Leni Hoffmann, Charles Long, Peter Rösel

AUSSTELLUNG 02.12.00 – 18.03.01

Unter dem mehrdeutigen Titel "Hand-Arbeit" rückt die Ausstellung den Anteil der Hand an Malerei und Bildhauerei in den Mittelpunkt der Kunstbetrachtung. Hier geht es um das Hand-Werk des Künstlers und seine Abgrenzung vom Kunsthandwerk, aber auch um die häufig als Basteln abgewertete Handarbeit sowie die kindlichen und weiblichen Rollenmuster im kreativen Prozess. 

Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Werke von Künstlerinnen wie Sophie Taeuber-Arp, Sonia Delaunay und den Vertreterinnen der russischen Avantgarde gern als weibliches Kunsthandwerk abgetan und mit mangelnder Professionalität gleichgesetzt. Erst in den 1970er-Jahren wehrten sich Frauen wie Rosemarie Trockel, Judy Chicago oder Eva Hesse gegen eine derartige Diskriminierung, indem sie weibliche Handarbeit zur Grundlage ihrer künstlerischen Arbeit machten, um sich – durchaus mit feministischem Anspruch und häufig ironischer Überzeichnung – gegen den männlichen Anspruch autonomen Schöpfertums zu behaupten. 
Die Rebellion gegen klischeehafte Rollenbilder beschäftigt die heutige Generation von Künstlern nicht; sie verwenden die handwerklichen Techniken wegen des unmittelbaren Kontakts von Hand, Material und Werk und finden jenseits des ehemaligen Vorwurfs der Biederkeit mit ihrer Hand-Arbeit zu neuer Souveränität. 
Senta Connert spielt mit der Technik des Webens und seiner Ambivalenz zwischen dem automatisierten Produktionsverfahren und der Sinnlichkeit des Materials Wolle. Jochen Flinzer hingegen interessiert die zeichnerische Bildsprache des Stickens: Während die Vorderseite eines Bildes festgelegten Vorgaben folgt, weist die Rückseite ein freies intuitives Liniengefüge auf, das an Action Painting, écriture automatique oder Kalligrafie erinnert. Leni Hoffmann 'bemalt' Räume mit aus der Kindheit vertrauter, farbiger Knete. Ohne Werkzeug formt sie das Material zu Bogenformen, die sie mit jedem Eindrücken des Daumens signiert, während sie zugleich die Spuren ihrer Hand mit der Drehbewegung des Daumens wieder verwischt. Charles Long arbeitet ebenfalls mit dem Material Knete, seit Mitte der 1990er-Jahre verwandelt er skulpturale Tisch- und Stuhlarrangements mithilfe von Knetmasse. Seine Arbeiten animieren den Betrachter zu aktivem Eingreifen in die Form, eigener Hand-Arbeit, um verdrängten Kindheitserinnerungen zum Ausdruck zu verhelfen. Peter Rösel näht Pflanzen und Tiere aus Polizeiuniformen, Bauarbeiterwesten oder Dessous – Stoffen also, die aus einem anderem Kontext stammen. So stellt er eine Verbindung widersprüchlicher Welten her und illustriert im Vernähen die Einheit divergierender menschlicher Sehnsüchte. Die Ausstellung "Hand-Arbeit" stellt zeitgenössische Künstler vor, denen der prozessuale Akt eines schlichten Herstellungsverfahrens den Anlass bietet für die Gratwanderung zwischen Technik und Sinnlichkeit, zwischen Ordnung und Unordnung, Konzentration und Monotonie, zwischen obsessivem Ritual und gelangweiltem Zeitvertreib.

Leni Hoffmann, minyan, 1998, Detail, Hawerkamphalle, Münster, Foto Manuel Franke © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Leni Hoffmann, minyan, 1998, Detail, Hawerkamphalle, Münster, Foto Manuel Franke © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Leni Hoffmann, vellum, 1999-2016, Zumtobel Staff, Dornbirn, Foto Manuel Franke © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Leni Hoffmann, vellum, 1999-2016, Zumtobel Staff, Dornbirn, Foto Manuel Franke © VG Bild-Kunst, Bonn, 2000
Peter Rösel, Monstera, 1999, Besitz und Copyright Peter Rösel, Foto Wilfried Petzi
Peter Rösel, Monstera, 1999, Besitz und Copyright Peter Rösel, Foto Wilfried Petzi
Charles Long, Letterhead, Bonakdar Jancou Gallery, Foto Wilfried Petzi
Charles Long, Letterhead, Bonakdar Jancou Gallery, Foto Wilfried Petzi
Hand-Arbeit – Senta Connert, Jochen Flinzer, Leni Hoffmann, Charles Long, Peter Rösel, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi
Hand-Arbeit – Senta Connert, Jochen Flinzer, Leni Hoffmann, Charles Long, Peter Rösel, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi
Senta Connert, A mon seul désir, 1990-91, Besitz und Copyright Senta Connert, Foto Wilfried Petzi
Senta Connert, A mon seul désir, 1990-91, Besitz und Copyright Senta Connert, Foto Wilfried Petzi
Jochen Flinzer, Klein, aber oho!, 1991, Elisabeth-Schneider-Stiftung © Jochen Flinzer, Foto Wilfried Petzi
Jochen Flinzer, Klein, aber oho!, 1991, Elisabeth-Schneider-Stiftung © Jochen Flinzer, Foto Wilfried Petzi
Hand-Arbeit – Senta Connert, Jochen Flinzer, Leni Hoffmann, Charles Long, Peter Rösel, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi
Hand-Arbeit – Senta Connert, Jochen Flinzer, Leni Hoffmann, Charles Long, Peter Rösel, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2000, Foto Wilfried Petzi

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