Jana Sterbak: I can hear you think – Retrospektive 1974-2001

AUSSTELLUNG 21.06 – 22.09.02

Jana Sterbak, 1955 in Prag geboren und 1968 nach Kanada emigriert, lebt heute in Montreal und Barcelona. Das Haus der Kunst zeigt in Kooperation mit der Malmö Konsthall, Schweden, eine Retrospektive der Arbeiten Jana Sterbaks aus den Jahren 1974-2001.
Die Objekte Jana Sterbaks bewegen sich im Grenzbereich von Installation, Performance, Video und Film. Sie zeichnen sich durch eine große Vielfalt an Materialien und deren ungewohnte Verwendung aus. So erweitert Sterbak nicht nur nachhaltig die Grenzen des Skulpturbegriffs, sondern erschwert auch eine eindeutige Zuordnung ihrer Arbeiten und ihrer künstlerischen Vorgehensweise. In ihrer Materialität sehr offensiv wirkende Stoffe wie rohes Fleisch, Blut, Blei, Teig oder lebende Tiere sind in ihren Arbeiten ebenso anzutreffen wie ephemere, kaum greifbare Materialien, beispielsweise Elektrizität und elektrostatische Aufladungen, glühende Drähte, Wärme, Geräusche oder schmelzendes Eis. So stellt Sterbak den mit der Skulptur traditionell verbundenen Begriff des Dauerhaften und Beständigen in Frage und lässt Kunstwerke zu Prozessen werden und Materialien zu Akteuren. Mit "Vanitas: Flesh Dress for an Albino Anorectic", einem Kleid aus rohem Fleisch, das sich im Verlauf der Präsentation in ausgedörrtes Leder verwandelt, gelang Sterbak 1987 der internationale Durchbruch. 
In der für Jana Sterbak typischen Auseinandersetzung mit dem prozesshaften Charakter und der Körperlichkeit der verwendeten Materialien spielt der menschliche Leib als lebende Materie im Raum eine zentrale Rolle. Sterbaks Objekte umkreisen ihn, locken oder stoßen ihn von sich. Es gibt Arbeiten, die den Betrachter bedrohen oder vor ihm zurückweichen. Es gibt Momente der Zärtlichkeit ebenso wie solche der Aggression. Dieses nuancenreiche Spiel von Nähe und Distanz zwischen den Kunstwerken und dem Besucher erforscht die komplexen Möglichkeiten sinnlicher Wahrnehmung und verdeutlicht die Relevanz des Körperbewusstseins für unser Selbstverständnis.
Der menschliche Körper als Schnittstelle zwischen Sinnlichkeit und Geist dient Sterbak als Ausgangspunkt für eine intensive Auseinandersetzung mit den Bedingungen des Mensch-Seins. So stellt die Videoinstallation "Declaration" (1993) den Inhalt der Menschenrechtserklärungen in Frage: Die hehren Worte, unerschütterliche Basis des demokratischen Staatensystems und hohes geistiges Gut unserer Kultur, kommen dem Protagonisten nur mühevoll über die Lippen – er stottert. So werden die hohen Prinzipien durch körperliche Bedingtheit zerstückelt und verzerrt. 
In Sterbaks Arbeiten sieht sich der Betrachter immer wieder mit der zentralen Frage nach der Selbstbestimmtheit menschlichen Handelns konfrontiert. Welches sind die Grenzen der persönlichen Freiheit, wo beginnt Abhängigkeit und wo ist der Punkt, an dem Aktion in Reaktion umschlägt? Die Videoinstallation "Sisyphus II" (1991) führt die Einsicht in die Unzulänglichkeit menschlichen Verhaltens vor. Gefangen in einer halbrunden Gitterstruktur experimentiert der Protagonist im Bemühen um Gleichgewicht mit den ungewohnten und begrenzten Möglichkeiten seiner Bewegungsfreiheit. Zwar wird hier der antike Kampf zum postmodernen Spiel, aber die Unausweichlichkeit bleibt unangetastet.
Die Retrospektive im Haus der Kunst präsentiert eine Auswahl der wichtigsten Arbeiten Jana Sterbaks aus über zwanzig Jahren künstlerischen Schaffens. Sie offenbart die innere Komplexität und Präzision ihrer Kunst, aber auch deren tiefe Poesie und Sinnlichkeit.  

Mit freundlicher Unterstützung der Botschaft von Kanada, Berlin.

Jana Sterbak: I can hear you think – Retrospektive 1974-2001, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Jana Sterbak: I can hear you think – Retrospektive 1974-2001, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Jana Sterbak: I can hear you think – Retrospektive 1974-2001, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi
Jana Sterbak: I can hear you think – Retrospektive 1974-2001, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2002, Foto Wilfried Petzi

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